Alexander Kostinskij hat mit seinem Buch „Frosch und
Hase“ eine außergewöhnliche Liebesgeschichte geschaffen, eine
Liebesgeschichte für Kinder, unter Verzicht aller Stereotypen und
Sentimentalitäten. Die kunstvoll eingesetzten stilistischen Mittel
bringen den kleinen Lesern eine Sprache nahe, die für sie ein festes
Fundament für literarisches Gespür werden kann. Die Tradition des
mündlichen Erzählens, in der die Geschichte steht, lässt sie noch
beim Vorlesen weiter gedeihen und fügt ihr durch den ins Buch
tretenden Erzähler die Dimension hinzu, zu einem Hausschatz für die
Familie zu werden. Kostinskij, auch hier wieder als Meister seines
Fachs ausgewiesen, macht alte Erzählgattungen für die Moderne
poetisch urbar. „Frosch und Hase“ ist in seinem hochliterarischen
Augenzwinkern und seinem Tiefgang ein Abenteuer, wie es
seinesgleichen sucht.
Ab
5
Martin
Ebbertz:
"Der kleine Herr
Jaromir findet das Glück"
Patmos
2008
102 S., Euro 10,90
ISBN:
978-3794161010
Aus der Begründung:
„Der kleine Herr
Jaromir findet das Glück“ ist
Geschichte für Geschichte das
Erlebnis einer poetischen Sicht auf
die Welt. Die Hauptfigur Herr
Jaromir sieht die Dinge und
Geschehnisse des Alltags als in
ihnen völlig ungeübter Zeitgenosse.
Er deutet nichts so, wie es täglich
als normal vorausgesetzt wird, er
deutet alles derart um, wie es eben
auch sein könnte. In einem gekonnt
scheinbaren Gegensatz dazu steht die
ruhige Sprache. Dadurch, dass sie
nie überdreht, lässt sie die
Gutgläubigkeit und Arglosigkeit des
Herrn Jaromir zu einer gültigen
Handlungsweise werden. Das ständig
Unerwartete, das dieses Buch trägt,
ist eine lyrische Widerspiegelung
der kindlichen Lebensperspektive.
Martin Ebbertz ist es durch hohes
schriftstellerisches Können
gelungen, den ausgetrampelten Pfad
der Außenseiterliteratur im
Kinderbuch zu verlassen und sie mit
Herrn Jaromir durch einen sehr
ernsthaften, neuen Charakter zu
bereichern.
Ab
6
Christoph Simon:
„Häsin Mels und Hase
Fitz und der Teichgruselgolz“
Mit Bildern von Tobias
Sturm
Kyrene Verlag 2008
102 S., Euro 16,90
ISBN 978-3-900009380
Aus der Begründung:
„Häsin Mels und Hase Fitz und der Teichgruselgolz“ ist
ohne Beispiel. Wirkt es zunächst gängig, sprechende Tiere als
Hauptfiguren, Hase und Füchse im Widerstreit einzusetzen, durchbricht
Christoph Simon vom ersten Satz an jedes Klischee. Er stellt die trägen
und eingeübten Lesarten auf den Kopf, kann Tabuisiertes auflösen und
dadurch einen neuen, kräftigen Humor durch seinen Roman fließen lassen.
Die durch und durch originelle Handlung wird in einer ästhetisch
anspruchsvollen Sprache dargeboten. Dazu hat das Buch einen Schwung, wie
er für Kinder ideal ist. Überbordend Dichterisches, von handwerklich
perfektem Schreiben zusammengehalten: Darin erinnert Simon tatsächlich
an Morgenstern, von dem der „Golz“ als Ausgangsidee stammt. Ansonsten
gibt es keine literarischen Brücken von diesem Buch zu anderen. In der
literarischen Tradition können ihm nur große Einzelwerke Pate stehen,
und in seinen Eigenheiten ist es unnachahmlich.
Ab
9
Franziska Groszer:
„Anton und das
unheimliche Haus“
Mit Bildern von Jara
Capek
Edition quinto 2008
108 S., Euro 10, 90
ISBN 978-3-89835-872-9
Aus
der Begründung:
„Anton und das
unheimliche Haus“ ist ein Kinderroman, der dem Anti-Helden zu neuer
Blüte verhilft. Die Erfahrung, der Nichtskönner zu sein, wird nicht zu
Späßen verarbeitet, sondern zu einer nachempfindenswerten Prosa
gefertigt. Die Zwanghaftigkeit der Hauptfigur ist eine Seite der
Kindheit, die jüngere Leser gut kennen, genau wie die jenseits der
erklärbaren Realität stattfindenden Ereignisse, die einfach durch das
Herbeiwünschen eintreten. Franziska Groszer lässt nicht die Außenwelt
böse in Antons Leben einbrechen, sondern entwickelt die innere Dramatik
des Buches durch feindliche Eltern. Antons Perspektive muss die
Wirklichkeit brechen, um diese Konflikte auszuhalten, bis er sich, ganz
ohne eigene Schuld, befreien und lösen kann. Ein Kinderroman,
literarisch ebenbürtig zu den Romanen der Literatur für Große, auch
durch seine geschmeidig eingefügten lustigen Passagen.
Ab
12
Jan Koneffke:
„Die Sache mit Zwille“
Hanser Verlag 2008
208 S., Euro 14,90
ISBN 978-3-446230941
Aus
der Begründung:
In Jan Koneffkes Buch „Die Sache mit Zwille“ wird die
schwierige Zeit des Erwachsenwerdens einfühlsam dargestellt. In einem
nie anzüglichen Ton ist hier der Mensch in seinem Kern sowohl bei dem
Schutz suchenden Kinde als auch beim stürmisch Heranreifenden erkennbar.
Das literarisch komplexe Entrollen nicht-reflektierter Handlungen
dokumentiert die Nähe zu diesem wichtigen Lebensabschnitt. Die inneren
Spannungen sind für junge Leser fühlbar und geben ihnen ein Denken mit,
mit dem sie sich gegen das infantilisierende Konsumieren, das ihnen als
Placebo für Erwachsenenwerden geboten wird, wehren können. „Die Sache
mit Zwille“ erliegt nie der Gefahr, zu einem verkitschten Problembuch zu
werden, weil es mit literarisch geübtem Griff das optimistisch
Zukunftsweisende der Pubertät nicht vergisst. Es gehört zur ersten Riege
der Adoleszenzliteratur.