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Empfehlungsliste:

Sonderprämierung:

Internationales Kinderbuch

Sonderprämierung:

Bilderbuch

 

 

 

 

Empfehlungsliste:

Internationales  Qualitätskinderbuch 2008

 

 

 

 

Ab 6

Hanne und Klaus Hagerup:

Zirkus Tornado oder Wie Ingebrigt das Fürchten verlernen sollte

Nagel und Kimche 2007

176 S., 14,90.-

ISBN 978-3-312-00977-0

 

 

 

 

Aus der Begründung:

„Zirkus Tornado“ macht aus „der Zirkuswelt“ ein Sujet, bei dem es um Vergeblichkeit, Versagens- und viele andere Ängste und den Umgang damit geht. Die kleine Theatertruppe, die Aufführungen einstudiert, laut ankündigt, scheitert, alles Ungemach abwendet, es immer wieder zusammen versucht, setzt ein großes Thema in passende Kinderbilder um. Verlierer, die um ihr Versagen wissen; Blessuren, die sie davontragen; Gefühle, die helfen, sie wieder aufzurichten – „Zirkus Tornado“ bringt genuin literarische Bewegtheiten ins Kinderbuch.

Das Autorenduo, Hanne und Klaus Hagerup, scheut sich nicht, bekannte Details der Zirkuswelt zu verwenden, um sie zunächst durch ständige Wiederholung – Anbringen der Werbeplakate, Kartenverkauf, Ansagen der Nummern -, dann durch das stetige Misslingen in ein neues Licht zu rücken. Eine Geschichte um Übeltaten und Detektivarbeit ist darin verwoben und zeigt sich ebenfalls in fremdem, frischem Gewand.

Die einfachen, überlegten Aussagesätze wechseln sich mit aufgeregter Rede ab: Die Autoren sind stilistisch auf ganz eigenen Pfaden unterwegs, und in diesem Stil schwingen die Empfindungen der Leser mit. „Zirkus Tornado“ trifft Kinder, weil es die täglich zelebrierte Welt der Sieger hinter sich lässt und der von ihnen erfahrenen Welt eine Stimme gibt. Das ist auch der gedankliche Bogen, der das gemeinsame Gespräch von Kind und Erwachsenem über das Buch so wundervoll begleiten kann.

 

 

 

 

Ab 8

Bart Moeyaert:

Brüder

Hanser 2007

166 S., 14,90.-

ISBN-13: 978-3446207905

 

 

 

Aus der Begründung:

„Brüder“ von Bart Moeyaert ist nur vordergründig ein Buch über eine große Familie und die Kindheit in ihr. Der belgische Autor hebt den schweren Deckel, der auf Familiengeschichten leigt, nicht, um die üblichen komischen Anekdoten zu erzählen oder die Leser von einem Idyll, das kein Leck hat, zu überzeugen. Er erzählt vom Zusammenleben. Dabei werden die feinen Fäden, die die Menschen miteinander verbinden, die Fäden, die mal untrennbar, mal brüchig sind und mal schnell reißen, sichtbar gemacht.

Bart Moeyart hat dafür mit hohem literarischem Geschick den noch mit allen offenen Nerven für Gefühle ausgestatteten Jüngsten der Familie als wahre, identifikationsfähige Hauptfigur erstehen lassen. Sieben Brüder: Darin liegt schon der Anklang an tragische Märchenkonstellationen, an tiefe Verbindung und grausame Trennung.

Der Jüngste durchlebt eine Kindheit, die wir als glücklich bezeichnen müssen, und unter ihrer Oberfläche pulsieren dennoch die Konflikte, die das Leben von Anfang an begleiten. Tiefe Ängste und purer Spaß: Beides stellt der Autor, von seinem mit sicherer Hand ausgeführten Stil getragen, gekonnt nebeneinander. Ein Buch, das nicht verliert, wenn man seine Passagen lesevergnügt vorliest.

 

 

 

Empfehlungsliste:

Bilderbuch 2008

 

 

 

 

Die empfohlenen Bücher:

 

 

Ab 3

Martine Murray:

Henrietta

Fischer 2007

92 S., 10,90

ISBN 978-3-596-85220-8

 

 

 

 

Aus der Begründung:

Henrietta ist eine Bilderbuch-Type. Sie hat ihre konsequent eigene Sicht der Dinge und erlaubt Eltern nur, wenn sie ihr etwas erlauben. Sie ist ein echtes Kind, mit dem Wunsch nach ganz viel Schokoladenkuchen, nach Unordnung und Matsch überall, nach Spielen, wo und wie es Spaß macht.

Sie ist kein Kind von Erwachsenen Gnaden, und das macht Henrietta zu einer Heldin, wie man sie aus Bilderbüchern der sechziger Jahre kannte (in der Literaturgeschichte des Bilderbuchs zeitlich nach der großen Strenge und vor der von Erwachsenen erzwungenen Infantilität und damit Pseudo-Freiheit). Heute aber ist „Henrietta“ einzigartig, eine Wohltat für die kleinen Zuhörer und die Vorlesenden, die beide gleichermaßen die ehrliche Fröhlichkeit des kleinformatigen Büchleins spüren.

Durch kinderlogisch gereihte Sätzen, durch eine lebenszugewandte Sprache, durch wild gesetzte, tanzende Buchstaben und Bilder, die für ihre Lebendigkeit keinen anderen Farbzusatz als rot benötigen – durch all das hat die Australierin Martine Murray ein auf den ersten Blick unauffälliges, beim genaueren Hinsehen aber literarisch und gestalterisch unabhängiges Kleinod geschaffen.

 

 

 

 

Ab 4

Crockett Johnson:

Der Zauberstrand

Hanser 2007

68 S., 14,90.-
ISBN: 978-3-446-20855-1

 

 

 

Aus der Begründung:

„Der Zauberstrand“ von Crockett Johnson (1906 bis 1975) stellt fast schmerzhaft unter Beweis, dass selbst das Bilderbuch keinen Hochglanz, keine überdrehten Zusatzgimmicks, ja nicht einmal Buntheit benötigt.

In pappkartonfarbenen, schwarz umrandeten Bildern erzählt der amerikanische Autor eine Geschichte voller Unglaublichkeiten, die durch die wie selbstverständlich dahingezeichnete Umsetzung so wirklich werden, wie Kinder sie täglich erleben. Die Figuren - nur als Umrisse in den Bildern festgehalten - werden in dem Text, der den Anspruch der Kinder, eine richtige Geschichte erzählt zu bekommen, ernst nimmt, bunt und lebendig.

Sprache und Bild wirken hier im Vergleich zu anderen Bilderbüchern wie vertauscht, und für die Betrachter und Vorleser ist „Der Zauberstrand“ die Chance, mit den Kindern „vorzuempfinden“, was Literatur alles kann. Es ist ein erster, wichtiger Schritt zur Schulung des Geschmacks.

 

 

 

 

Hoch

 

 

 

   
 

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