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Kleiner Simpl

 

 

Lesen auf der Rückbank

Im Librikon-Mobil unterwegs mit Gebhardt Gebhardt

Diese Woche im Mercedes-R: Die Kinderkommission des deutschen Bundestages

 

Unsere Familienkutsche heißt Mercedes-R. Auf der Rückbank dieses Automobils können nicht nur Kinder Milch ausschütten, dort können wir auch Gespräche über Kinderbücher führen. Diesmal sahen wir uns von Berufs wegen genötigt, die Kinderkommission zu kutschieren. Das ist sie ja gewöhnt; ein Lobeshymnchen da, eine Tränchen dort. Wie schön. Hätten die gesehen, wie unser Fahrer die Augenbraue hochgezogen hat, als wir ihm die Termin beichteten. Gut, wir wenigstens haben uns gewappnet. „Hier könnte mehr Aufwand getrieben werden“, sagt die Kinderkommission, kaum angeschnallt. „Kinder brauchen mehr Sicherheit.“ Sicherheit, das heißt in der Marktwirtschaft Geld ausgeben, Sachen anschaffen, Nicht-TÜV-Geprüftes abschaffen. Das heißt: „Kinder einfach so kriegen, das geht nicht. Sie müssen für alles vorsorgen, auch im Haus.“ Wir nicken. Da sind die gerade dran. Vermieter müssen wissen: Wenn Familien einziehen, wird’s richtig kompliziert und teuer. Da steht Ärger ins Haus. Dafür gibt es ja die Kinderkommission des deutschen Bundestages, die sorgt dafür, dass das Leben für Kinder immer schwieriger wird. „Wir beantworten alle E-Mails! Auch die mit Rechtschreibfehlern. Da liegt auch eine Aufgabe für Buchautoren, dass da nicht so viel am Computer an unterkringelten Worten ist“, hören wir sie sagen. „Und an das Thema Dezibelbelastung gehen wir auch noch mal ran. Kinder dürfen nicht unter Lärm leben.“ Und schon weiß jeder: Kinder sind ja die größte Lärmbelästigung. So funktioniert die Kinderkommission. Zwanzig Jahre Schrott abgeliefert. Das Leben für Kinder ekliger gemacht. Ihre Duldung –nicht mal die Duldung- im öffentlichen Raum zerstört. Tinnitus! Denn jetzt kommt unsere etwas schiefe Frage: „Wer für Kinder ist, der kann nichts anderes wollen. Wer noch ein anderes Ziel außer Kinderglück im Kopf hat, der kann für Kinder nichts tun.“ „Partei, Fraktion, Prioritäten, Lobbys, Kirchen, Gewerkschaften“, stammeln die Damen und Herren. Fehlt noch die Rücksichtnahme auf die Singlekommission, also den Bundestag (schlaues Gedankenspiel!). Jetzt aber raus! Durchatmen. Dann ziehen wir aus der Seitentür ein Buch, zufällig gewählt. Schließlich sitzen wir im Librikon-Mobil. Ludwig Thoma ist es. „Josef Filsers Briefwexel“. Zurücklehnen. Irgendwo aufschlagen.“ Indäm mier nemblich jeden dag ein anderner schreihbt und auch zwai, das mier keine Floksbardeih nichd mer sind sontern Erbrässer und fohler Tumheit, und fillebrief kohmen und sind nichd underschriem“

 

Na gut, den Mercedes-R haben wir gar nicht. Noch nicht mal getestet.

Wer wird wohl nächste Woche auf der Rückbank Platz nehmen?

 

 

KW 8

Lesen auf der Rückbank

Im Librikon-Mobil unterwegs mit Gebhardt Gebhardt

Diesmal im Mercedes-R: Ein BNDler

 

Unsere Familienkutsche heißt Mercedes-R. Auf der Rückbank dieses Automobils können nicht nur Kinder Milch ausschütten, dort können wir auch Gespräche über Kinderbücher führen. Diesmal haben wir für einen BNDler die Tür aufgestoßen.

Neuerdings ermitteln die ominösen Herrn ja gerne gegen Inländer. Wir haben für den BND eine wichtige CD. Darauf finden sich Namen. Namen von Eltern, die ihre Kinder nicht staatsgemäß fördern, Namen von geschiedenen Müttern, die sich um ihre Kinder kümmern wollen, Namen von Hartz IV-Empfängern, die mit ihrer Familie fernsehen, Namen von Vätern, die eine Flasche Schnaps gekauft haben, Familien, die über homeschooling nachdenken.

Sensible Daten! Und zusammen mit denen, die ihr Geld ins Ausland (nicht ganz so geschickt) geschickt haben, eine veritable Menge an Bürgern, die der Staat dringend im eigenen Land ausgrenzen sollte. Im Land halten aber, das ist wichtig für einen Kontrollstaat, sonst hat ja die ganze schöne Kontrolle keinen Sinn, sie muss ja Strafe nach sich ziehen. Der eigenen Bürger wird man ja auch leichter habhaft als dieser verdammten Auslandsleute. Wir freuen uns natürlich, dass der BND neue Feinde generiert und wissen deshalb: Die brisanteste CD der Zukunft halten wir noch zurück. Darauf die Daten aller Kinder, die nach der Ausbildung ns Ausland gehen wollen. Die Wischi-Waschi-Ethik , die je nach Bedarf von Fachleuten in Moralfragen wie Journalisten und Politiker gefordert wird, öffnet ganz neuen Straftatbeständen Tür und Tor.

Wie, Ihr Kinder, Ihr seid dem Staat nicht dankbar? Na na, dann müssen wir Euch zwingen! Wird schön abgearbeitet von Euch, Eure teure Ausbildung. Mit 60 seid Ihr dann frei. Dann dürft Ihr ins Ausland reisen. Bis dahin schaut der BND immer mal nach Euch. Gruselt’s Euch? Soll Euch ein anderes Land aufnehmen, bevor wir die CD verkauft haben? Könnten sich mit all den Familien und Leistungsträgern einen ganz netten Staat errichten. Zwar könnten sie nicht so hohe Steuern nehmen, aber sie hätten auch nicht so viele Ausgaben. Familien bringen schließlich viel, wenn man sie lässt. Also – holt uns hier raus!

Da fällt uns ein: Wir sind ein Magazin für Kinderbuchkultur. Und im Mercedes-R ist so viel Platz für schöne Bücher. Weg mit dem BNDler also, wir rufen ihm noch hinterher: „Star der Staatsgewalt! Star, Sie! BNDler raus!“ Schlaues Wortspiel! Dann ziehen wir aus der Seitentür ein Buch, zufällig gewählt. Astrid Lindgren ist es: „Das Märchen von Pomperipossa“. Zurücklehnen. Irgendwo aufschlagen. „Sind dies wirklich die armen Männer, die ich so hochgeschätzt und bewundert habe? Was erstreben sie? Einen Staat, so verpfuscht und unmöglich wie nur möglich? … Was ist das bloß für ein seltsamer säuerlicher, neidgeschwängerter Mief, der sich auf ganz Monismanien gelegt hat, und warum sagt niemand laut und deutlich seine Meinung?“

 

 

KW 9

Im Librikon-Mobil unterwegs mit Gebhardt Gebhardt

Diesmal im Mercedes-R: Eine Familienpolitikerin

 

Unsere Familienkutsche heißt Mercedes-R. Auf der Rückbank dieses Automobils können nicht nur Kinder Milch ausschütten, dort können wir auch Gespräche über Kinderbücher führen. Diesmal haben wir nolensvolens für eine Politikerin die Tür aufgestoßen. Wir mussten! Vielleicht könnte sie für uns zur Litfaßsäule werden. Warum nicht? Schließlich tut sie’s für andere auch. Sie hat erst kürzlich einen Schwangerschaftsratgeber präsentiert, den eine Frau von einem Revolverblattchefredakteur geschrieben hat. Warum dann nicht auch für uns…? Die Politikerin rutscht auf der Rückbank hin und her. Wir haben doch auch im weitesten Sinne mit Familie zu tun, da fällt doch ein Sündenfällchen keinem auf… Oder sollte sie mit dem Verlag, einem Wirtschaftsunternehmen, das sich nun mit der Aura eines an sich zu wirtschaftlicher Neutralität verpflichteten Ministeramtes schmückt, verbändelt sei… Nein, das ist es nicht. Und plötzlich wissen wir es! Vor Aufregung treten wir das Gaspedal ein bisschen zu sehr herunter. Zu schnell; schon geblitzt! Wie kompromittierend! Zum Glück werden Mitfahrer, auch solche auf Rückbänken, ja unkenntlich gemacht. Nur, das interessiert nicht jeden, manche haben Informationen, die sie veröffentlichen könnten… Der Blitzautomat bringt geldwerten Vorteil für den Staat. Der „Bild“automat bringt machtwerten Vorteil für Minister. Was ist da ein kleines Shooting und eine unverhohlene Werbung für ein Produkt? Dafür gibt es gute Presse. Wir grübeln. Was haben die Kollegen in der Hand?  Normalerweise wäre es etwas von Unterdergürtellinie. Aber hier? Nein, das muss mit Geld zu tun haben. Wir könnten ja bluffen. „Preisabsprache. Steuerhinterziehung. Lustreisen. Korruption. Erpressung“, murmeln wir. Alles Spekulatius (schlaues Wortspiel!), aber irgendetwas wird’s schon sein. Doch der Cocktail war uns zu stark. Eine x-beliebige Zeitung kann sich solcher dunkeln Gestalten bedienen. Wir nicht.

Tür auf! „Raus!“ Dann ziehen wir aus der Seitentür ein Buch, zufällig gewählt. Schließlich sitzen wir im Librikon-Mobil. Joshua Doder ist es: „Ein Hund namens Grk“. Zurücklehnen. Irgendwo aufschlagen. Erstens erklärt es uns Machtgier. „Zweitens wollte Oberst Zinfandel zu vielen wichtigen Ländern eingeladen werden. Er wollte in großen Autos herumfahren und die Hände von Präsidenten schütteln.“

 

 

KW 10

Lesen auf der Rückbank

Im Librikon-Mobil unterwegs mit Gebhardt Gebhardt

Diese Woche im Mercedes-R: Ein Statistiker

 

Unsere Familienkutsche heißt Mercedes-R. Auf der Rückbank dieses Automobils können nicht nur Kinder Milch ausschütten, dort können wir auch Gespräche über Kinderbücher führen. Diesmal fährt ein Statistiker bei uns mit. „Was haben Sie denn da für einen zerrissenen Zettel?“, fragen wir. Er zeigt ihn uns. „Eine Statistik“, sagt er. „Im Sommer ist sie dann vollständig.“ „Zeigen Sie mal“, sagen wir und reißen ihm den Zettel aus der Hand. „Geburtsraten“ steht drüber. „Super!“, rufen wir, holen einen Stift heraus und schreiben „Nach internen Berechnungen der Librikon-Redaktion“ dazu. Jetzt werden es jedenfalls alle Zeitungen drucken. Und kommentieren! Dass unser  Librikon-Doppelverdiener-Spießergeld eigentlich erst nach allerfrühestens einem halben Jahr eine Rolle gespielt haben kann, bei neun Monaten Schwangerschaft, merkt schon keiner. Dann muss der Satz, dass es immer weniger Frauen gibt und nur deshalb die Relation Frau pro Kind steigt, ganz nach hinten geschoben werden. Kritzelkritzel auf dem Zettel. Dann machen wir aus dem Witzanstieg 1,4 bis 1,5 Kind pro Frau einen Riesenanstieg. Kritzelkritzel auf dem Zettel. Und dass jetzt die geburtenstarken Jahrgänge 1965 und 66 auf den letzten Drücker ein Kind bekommen, ganz unabhängig vom Librikon-Doppelverdiener-Spießergeld, das fällt auch keinem auf. Nur aufpassen, dass keiner mitdenkt und nachrechnet! „Ich glaube nur an die Statistik, die ich selber gefälscht habe!“, sprichwörtelt der Statistiker neben uns. Tja, was gibt er so früh die Zahlen raus? „Ich wusste ja nicht, dass Sie lügen und betrügen!“ Ist doch egal – blöd sind die ganzen „Neuen Deutschlands“, die das einfach glauben. Wir haben einfach eine gute Pressearbeit… Ob wir uns schämen? Wir schauen noch mal auf seinen Zettel. Das ist also die Statistik von denen, die es angeblich für Geld machen. Leynskram! (schlaues Wortspiel!). Jetzt aber raus mit dem Typ! Und der Zettel gleich hinterher.

Dann ziehen wir aus der Seitentür ein Buch, zufällig gewählt. Schließlich sitzen wir im Librikon-Mobil. Erich Kästner ist es: „Ein Mann gibt Auskunft“. Zurücklehnen. Irgendwo aufschlagen.

“Die Kinder hinterm Komma können bloß

und andern Ministern stammen.

Und solcher Dezimalbruch wird mal groß!

Und tritt zu Ministerien zusammen."

 

Na gut, den Mercedes-R haben wir gar nicht. Noch nicht mal getestet.

Wer wird wohl nächste Woche auf der Rückbank Platz nehmen?

 

 

KW 11

Lesen auf der Rückbank

Im Librikon-Mobil unterwegs mit Gebhardt Gebhardt

Diese Woche im Mercedes-R:

Die Kultusministerkonferenz

 

Unsere Familienkutsche heißt Mercedes-R. Auf der Rückbank dieses Automobils können nicht nur Kinder Milch ausschütten, dort können wir auch Gespräche über Kinderbücher führen. Gerade hofften wir noch, dass in Kinderfragen kompetente Gesprächspartner zusteigen.

Diese Hoffnung müssen wir sofort fahren lassen, als die Kultusminsterkonferenz die Tür aufreißt. Einer nach dem anderen drängelt sich in unser Librikon-Mobil, da wird’s sogar darin eng; nichts für Klaustrophobiker. Hat also etwas von Schulzwang. Exquisites psychologisches Experiment. Dann sagt der Kultusklassensprecher, sie hätten eine Lern-CD mitgebracht. „Modernstes Unterrichtsmaterial“, schiebt er hinterher und dann die CD rein.

Die neben uns kennen das alle noch aus ihrer Kinderschokoladenkindheit. „Ein tolles Wort, ich kanns nur nicht verstehn!“, singt Bibo. Der Sprecher buchstabiert „FLEXIBILISIERUNG“, und die Herrendamen der Kultusministerkonferenz stimmen den Refrain an: „Ein tolles Wort, ich kanns nur nicht verstehn!“

Unser Fahrer, ein strenger Mann von höherer Bildung, schaut kurz in den Rückspiegel. Zum Glück belässt er es bei diesem einen Blick. Der Sprecher aber missdeutet das ängstliche Zucken von uns Redakteuren. „Das lassen wir uns jetzt von ein paar hysterischen Eltern nicht kaputtreden!“, presst er hervor. Die Herrendamen nicken, flüstern, nicken wieder. „Wir haben soeben nach gründlicher Überlegung beschlossen, auch die Librikon-Redaktion zu flexibilisieren!“

„Das geht nicht! Mehr geht nicht!“, rufen wir.

„Aber ja, äh“, spricht der Sprecher, „Ihr werdet, Ihr müsste früher anfangen!“

Die Herrendamen applaudieren.

„Noch früher? Die Frühredaktion beginnt um 5 Uhr morgens mit der Arbeit“, wenden wir ein, und keiner hört’s.

„Es muss weggelassen werden, was keinen praktischen Nutzen hat, es muss berufsqualifizierend evaluiert werden…“

„Wir sind ein Magazin für Kinderbuchkultur, qualifiziert nur dafür, nichts wegzulassen…“ Unterbricht der Sprecher: „Ruhe jetzt! Wir fixibelisieren Euch!“

Nun wird es uns zu bunt. „Analphabeten raus aus dem Librikon-Mobil!“, rufen wir, um irgendetwas zu rufen. Die Herrendamen sehen sich an. „Na gut“, sagt kleinlaut der an der Tür. Er öffnet sie und steigt aus. Dann folgt der nächste. Binnen Minuten sind wir allein auf der Rückbank. Wir strecken uns aus und holen ein Kinderbuch aus dem Seitenfach. „Die Inselschüler – Gefahr im Watt“ ist es, es geht um die ständig wechselnden Lehrer, den dritten zum Beispiel: “Er grinste, als er uns sagte, dass wir ein Diktat schrieben müssten. Er grinste, während er uns den übelsten Text aller Zeiten diktierte. Und er grinste sogar, als er tags drauf Bruno und Fanny ihre Diktathefte mit fetten Fünfen darin zurückgab. Das war zu viel für uns.“

 

Na gut, den Mercedes-R haben wir gar nicht. Noch nicht mal getestet.

Wer wird wohl nächste Woche auf der Rückbank Platz nehmen?

 

 

KW 12

Lesen auf der Rückbank

Im Librikon-Mobil unterwegs mit Gebhardt Gebhardt

Diese Woche im Mercedes-R: Ackermanns Privatsoldat

 

Unsere Familienkutsche heißt Mercedes-R. Auf der Rückbank dieses Automobils können nicht nur Kinder Milch ausschütten, dort können wir auch Gespräche über Kinderbücher führen. Allerdings nicht mit Leuten in Uniform, aus grundsätzlicher Überzeugung. Nur, weil er so sehr bettelte und schwor, die Uniform doch bald abzulegen. Gut, wir drücken beide Augen zu. Da salutiert er als Dank, wir blinzeln, als würde uns die Sonne blenden. Er stellt sich vor, nicht mit Namen, sondern brüllt Dienstränge. Unserer Fahrer nickt, drückt ein Knöpfchen, das Köpfchen des Soldaten wird nach hinten gelehnt. „Librikon-Mobil“, brüllen wir zurück. „Global Head Learning & Development“, bellt der Offizier und deutet auf seine Auszeichnungen. Wir bedeuten ihm, leise zu sprechen, damit unser Fahrer ihn nicht hört. „Er hat solche Ausdrücke nicht gern. Die können Sie hier nicht benutzen!“ „Zivilisten!“, mault er, aber als er den Blick unseres Fahrers bemerkt, zuckt er doch leicht zusammen. „Mich wollten sie ja nicht, jetzt bringe ich denen bei JOE’s bei, wie man entscheidet. Deutsche Banker interessiert das. Persönlichkeit antrainieren und so. Wie man entscheidet und so.“ Er holt sein Buch heraus: „Wie entscheiden Sie?“, ein Ratgeber. „Dagegen!“, rufen wir. Und: „Neinnein, wir sind hier nicht bei JOE’s, weg damit!“ Geknickt steckt er es zurück. Er schielt auf unsere Jackentasche. Wir zögern. Er legt seinen Hundeblick auf. Wir zögern nicht mehr ganz so. Ein gehauchtes „Nach 25 Jahren bei der Armee und jetzt Bank…“. Wir schauen ihn an. Er ist die neue Wunderwaffe von Ackermann? Sein neuer Personalentwickler? Den er noch von der Schweizer Armee kennt? Da können wir nicht hart bleiben. Obwohl wir wissen: Was heute an Werten in der Wirtschaft Mode wird, steht morgen bei den Schulkindern auf dem Lehrplan. Wir ziehen unsere Kladde heraus. Einen Bleistift dazu. Wir beschriften: „How to lead the Global Head of a children literature newspaper for readers in Suisse, Austria, Germany and German speakers worldwide”. Es war also doch durchgesickert! Dabei hatten die Banker absolute Diskretion zu gesichert, als sie uns den Personalführungsjob anboten. Das war auch klug, schließlich mussten wir nein sagen. Und nun kommt hier die zweite Wahl für den Posten an! Aber was soll’s? Wir geben ihm unser Standardwerke, war eh’ gerade voll. Fangen die nächste Kladde an. Er hat jedenfalls, was er will, und schon ist er weg. Jetzt werden also die Ober-Manager nach unseren Regeln ausgebildet. Dann werden die jetzt genauso erfolgreich wie wir! Wow! Ist schon schade für die deutsche Wirtschaft, dass wir nicht zur Verfügung stehen. Aber weg mit diesen furchtbaren Gedanken. Heute abend trinken wir einen kleinen Absackermann (schlaues Wortspiel!) , dann ist alles vergessen. Jetzt sitzen wir im Librikon-Mobil. Viel Platz für Kinderbücher! Welches heute? „Die Biene Maja“! „Die Augen der Hornisse funkelten vor Zorn.

„Ich könnte dir jetzt deinen Kopf abbeißen, Kleine, um dich für diese Unverschämtheit zu strafen“, sagte sie grimmig, „und ich würde es auch tun, wenn die Königin nicht lieber frische Biene äße als tote Biene. So einen fetten Bissen, wie du es bist, bringt man der Königin, wenn man ein guter Soldat ist.“

 

Na gut, den Mercedes-R haben wir gar nicht. Noch nicht mal getestet.

Wer wird wohl nächste Woche auf der Rückbank Platz nehmen?

 

 

Hoch

 

 

 

 

 

 

Mutti raucht!

Teil I

 

Schon in den Schulbüchern für die 2. Klasse lesen die Kinder davon, dass die Welt ganz anders ist als alles, was in Büchern steht. Berufe müssen da gelernt werden: Pilotin, Programmiererin. Toll! Oder auch nicht so toll. Vor allem egal. Zuhause wartet dann gar nicht die Pilotin (bei welchen Kindern nun genau die Pilotin wartet, ist nicht ganz geklärt.), nicht die Programmiererin (das ist nämlich Papi, wenn das Kind Pech hat.)

Da wartet eine Mutter, die hat irgendwas gelernt, arbeitet irgendwas und hat nun den Hauptberuf, ein weißes Kreidestück zu nehmen, eine dicke Linie auf die Haustürschwelle zu ziehen und die Welt des Schulbuchs auszusperren.

Dann wird’s echt, dann heißt’s Muttersein ohne Politiks Gnaden. „Kinder, lasst die Sau raus!“, Flasche Wein, noch eine, Rauchschwaden, Jim Morrison. Um 1 Uhr aufs Matratzenlager. Und beim Giggeln langsam einschlafen und sich auf die Ringe unter den Augen am Dienstagmorgen freuen. Wie im echten Leben, wie es nicht im Buche steht!

Für Ihr Desinteresse bedankt sich

die Kleiner-Simpl-Klasseleben-Redaktion

 

 

Mutti raucht!

Teil II

 

Da waren sie langsamer als der Volkszorn. Nun sollen die guten alten Schokoladenzigaretten verboten werden. Vor einem satten Jahrzehnt waren sie schon verpönt, diese Schokozigaretten, die man zur Kindstaufe bekam, zusammen mit dem Bikini für Babys. Lustig fanden das die schenkenden Nicht-Eltern, und, Mist, es war auch lustig. Das unschuldige Wesen, und dann so was damit in Verbindung bringen zu wollen! Eine Stange Lucky Strike kostete damals die Taufparty, und alle haben sie geschnorrt, weg wars. Damals gabs ja auch die Fährfahrten noch, da hatte die zukünftig verschriene Mutter sie günstig erstanden. Alles das ist vorbei. Treffen sind öde, miese Witze, die das Leben der Kinder gleich mit versüßt haben, sind rar geworden. Man darf nicht mehr sinnlos sein, nicht mehr einfach für den einen Abend leben; Zukunft ist angesagt. Aber nicht zuhause, nicht hinter der Kreidelinie!

Alle hängen herum, liegen auf dem Boden und überlegen. Keine Schokoladenzigaretten mehr! Was könnte man stattdessen nehmen? Bleistifte! Her mit dem Schuletui. Noch sind sie nicht verboten. Dann müssten auch die Schulen…Nee, bloß nicht heute abend an irgendwas denken. Was ich noch zu sagen hätte, reicht für eine Bleistiftlänge. So singt das echte Leben!

Für Ihr Desinteresse bedankt sich

die Kleiner-Simpl-Klasseleben-Redaktion  

 

 

Mutti raucht!

Teil III

 

Früher, da machte es noch Spaß, zum Kinderarzt zu den U’s zu gehen. Jetzt sind sie zur Pflichtveranstaltung geworden, und da ist es dann wie mit allem: Sofort Schluss damit. Wer Schwangere mit einer Bibel namens Mutterpass ausstattet und sie dann zu immer neunen Ultraschalluntersuchungen zwingt, der muss ihnen auch die Abtreibung ganz freistellen. Was schließlich können die Ärzte schon damit anfangen, dass sie eine Diagnose nach der anderen stellen? Gibt es Operationen gegen Behinderungen im Mutterleib? Das sagt die Tante immer, nicht Mutti. Denn das hat ja nichts mit den U’s zu tun. Bei denen lässt sich ja was feststellen. Entwicklungsdefizite und so. Und genau darum geht kein Mensch zu einer erzwungenen U, nur zu freiwilligen. Weil man bei freiwilligen Veranstaltungen auch anders mit den Ergebnissen umgeht. Das sagt Mutti. Die hätte heute abend keine Zeit, mit uns zu diskutieren, eigentlich ist Elternabend, der vierte in vier Wochen, weil, wir sind kein Einzelkind. Und wir sind anderer Meinung als Mutti, da brauchen wir Zeit, um zu debattieren. Mutti sagt, Qualitätszeit ist Quatsch, Quantität zählt bei Kindern. Das ist wie beim Jazz, da brauchst du Zeit. Mutti spinnt, aber sie ist toll. Weil, jetzt zündet sie sich eine Zigarette an, und sie sprecht „Jazz“ so aus wie Roger Willemsen auf der einen CD. Es sind zwei, sagt Mutti. Zahlenkünstlerin! sagen wir. Da müssen wir alle lachen. Das wird ein langer Donnerstagabend, mit viel U und wenig E.

Für Ihr Desinteresse bedankt sich

die Kleiner-Simpl-Klasseleben-Redaktion  

 

 

Mutti raucht!

Teil IV und Ende

 

Mutti und wir, wir hatten das Rauchverbot schon immer in Verdacht. Es sollte das Versammeln, das letzte Miteinander, die Geselligkeit verbieten. Das Politisieren. Aber das lassen wir nicht zu. Heute ist bei uns Party. Wir treffen uns mit ganz vielen anderen  Rauchern und deren Kinder. Wir sitzen im komplett zugequalmten Wohnzimmer und verabschieden das Politbüro in den unverdienten Ruhestand. Wir planen eine Riesensumme, die wir ihnen mit auf den Weg geben, damit sie uns nie mehr belästigen. Danach rufen wir beim Jugendamt an und zeigen Frau von der Leyen wegen Kindesvernachlässigung an. Einer hat ausgerechnet, dass sie maximal zwei Stunden für die Armen Zeit hat. Die restliche Zeit verbringt sie damit, Mütter zu Lidl an die Kasse zu pressen. Apropos Aldi: Bei unserem Aldi hat der Filialleiter aufgemuckt. Der hatte seinen Sohn wegen seiner Arbeitszeiten nie mehr gesehen. Die Ganztagsschule hat ihn gar nicht beruhigt, er wollte auch ein Leben neben Aldi, und das Leben ist sein Sohn. Die Kassiererin haben wir gefragt. Aber die darf nichts sagen. Vielleicht sollten wir einen Betriebsrat gründen. Kinder rauchender Mütter. Da reicht’s Mutti. Sie schmeißt alle raus. Hier drinnen nicht mehr. Keine Politik! Nur einmal im Quartal – das war es schon wieder. Schon vorbei! Schade!

Für Ihr Desinteresse bedankt sich

die Kleiner-Simpl-Klasseleben-Redaktion  

 

 

Aus dem Vereinsleben

Aktion eloquentes Kind e.V.

Heute: Hajott, Effdejott, "Kita"

 

Die Bundesregierung, in bester totalitärer Manier, bedient sich in ihren Propagandaaktionen fleißig Abkürzungen. Früher Hajott und Effdejott, heute „Kita“. Warum zeigen die sonst so sensiblen Politiker da offene politgeschichtliche Konstanz? Weil sie die Abkürzung brauchen! Es gibt nur zwei Funktionen der Abkürzung: Die eine ist die schreibvereinfachende, sie besteht aus Buchstaben, die man nicht zusammenspricht, sondern beim Lesen und Reden ausformuliert: z.B. zum Beispiel. Die andere, die uns hier begegnet, ist die Verschleiernde Abkürzung, eine missratene Schwester der ersten Abkürzungsform – sie schafft neue Worte, wie eben „Kita“, um den Menschen die Assoziationen zu rauben. „Kindergarten“ ruft bei den Lesern etwas hervor, eine Geschichte, eine Erinnerung; vor allem eine individuelle Auffassung davon, was der Begriff beschreibt. Ein bisher unbekannter Begriff – so hat es die DDR mit „Kita“ ja auch gemacht- ruft kein kritisches Überdenken auf den Plan, gründet eine Neusprache, wie sie Orwell schon den unmenschlichen Ideologen zugeordnet hat. Verneble den Menschen den Geist, raube ihnen das Verständnis, und dann schnitze dir eine Kohorte Menschen, die nach deinen unterdrückerischen Regeln funktioniert. Das macht nun die Bundesregierung wieder vor, wie immer beginnend bei den Kinder- und Jugendorganisationen. Zum Glück macht sie es so grottenschlecht, dass bei den vernünftig gelagerten Bürgern sofort die Warnlampen anspringen. Sie wollen ihre Kinder nicht zu Kanonenfutter einer mit totalitärer Schräglage dahinschlingernden Gesellschaft, deren Mitglieder ab 50 nicht mehr wissen, wie sie ihren Lebensstandard anders halten sollen als durch Ausbeutung der Jüngeren, verarbeiten lassen. Der Verein Aktion eloquentes Kind unterstützt diese Oppositionellen! Eine Liste mit Begriffen aus der Kinderwelt, die dafür sorgen sollen, die Neusprache in Kindergehirne sickern zu lassen, ist über den Verein beziehbar.

gez.: Der Vorstand

 

 

Aus dem Vereinsleben

Aktion eloquentes Kind e.V.

Heute: Neues aus der Armeschweinsprache

 

Wir sind sehr glücklich, dass sich der Wortschatz unserer Kinder ständig erweitert. Während Erwachsene so lange wie möglich kindisch bleiben, werden die Kinder so schnell wie möglich zu Erwachsenen gemacht. Das schlägt sich natürlich auch im Wortschatz nieder. Hat der durchschnittliche Erwachsene einen Wortschatz von 500 (deutsche und eingedeutschte Wörter), 200 (englische) und 600 (globish, das, was unsere konkurrenzfähigen Kinder ab drittem Lebensjahr können sollen und das vor allem die, die die Dämmerung des Deutschen kommen sehen, für eine Gefahr halten, wobei man nicht weiß, wer lächerlicher ist, die Muttersprachverlustängstler oder das Globish, das in den Unternehmen gesprochen wird – aber zum Glück wird das Globish von niemandem, der es auch außer Landes mit nichtenglischen Geschäftspartnern spricht, zu ernst genommen wird, es ist einfach ein im Leben entwickeltes Esperanto, aber das wurde ja auch immer wieder als Bedrohung betrachtet und geradezu verfolgt; was für historische Irrtümer!), so folgen die Kinder dem Wortschatz 5/2/6 als Basis mit wöchentlich 1 Wort dazu. Zum Teil sind da Wörter dabei, die kein Erwachsener beherrscht (eine Parallelsprache, Hilfe! Eine Parallelgesellschaft, sie entsteht auf den Schulhöfen; weg mit den Schulhöfen, damit das uns Erwachsenen, zitterzitter, nicht gefährlich wird!), aber hauptsächlich sind es doch Wörter aus der Armeschweinsprache, die habe ich erst gelernt, als ich mich mit Männern einließ, die festangestellte Väter hatten, puh, Väter, die zu einem „Dienst“ gingen, sprachen/sprechen (frühkindliche Prägung, da kommste nie raus). Unsere Kinder, diese kleinen Humanobjekte vielerlei politischer Begierden, erweitern ihren Wortschatz ständig um die Armeschweinsprache, die wir Ihnen hier leider immer mal wieder vorstellen müssen; der korrekten Dokumentation halber. Wenn Sie glauben, der Mensch ist, was er spricht, dann halten sie sich jetzt die Augen zu, damit sie dieses Wort, das Millionen Kinder neuerdings im aktiven Wortschatz aus der Armeschweinsprache übernommen haben, niemals kennen werden. Es ist: Brückentage.

Nächste Woche: Projekt    

gez.: Der Vorstand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   
 

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