Auch Jutta Hoffritz weiß, welche Mütter
einzig kluge Mütter sind
Von Verena Zürcher
Um es gleich vorweg zu nehmen: Es lohnt
sich auf jeden Fall, das Buch von Jutta Hoffritz mit dem provokativen
Titel „Aufstand der Rabenmütter“ zu lesen. Selbst wenn die Autorin ab
und zu ganz schön überdreht daherschreibt.
Wer kennt es nicht, das Phänomen, das
unser modernes, westliches Leben manchmal so zur Hölle machen kann:
Immer mehr, immer besser! Genau diesem Trend nimmt sich die deutsche „Zeit“-Journalistin
und Mutter Jutta Hoffritz in ihrem Buch an. „Eine Art Optimierungswahn
macht sich breit. Baby-Yoga, Early-English, Experimentier-, Mal- und
Musikstunden. Es scheint, als liesse sich die kindliche Software durch
fleissigen Kursbesuch frühzeitig auf Glück und Erfolg programmieren. Das
Ergebnis jedoch ist Stress für Mütter und Kinder.“
Wie Recht sie hat, die Autorin!
Kaum schwanger, beginnt für viele werdende
Eltern – insbesondere aber für die Mütter – der Stress. Werbefluten,
Ängste, gut gemeinte Ratschläge von überall machen es schier unmöglich,
sich auch nur ansatzweise auf den eigenen Mutterinstinkt zu verlassen.
Und wer bei all dem Getue nicht mitmacht, hat bald einmal den Ruf, eine
Rabenmutter zu sein.
Schlüssig und humorvoll gelingt es der
Autorin, die Lesenden an ihren Titel heranzuführen, ihre Motivation und
ihre Gedanken zum Thema zu beschreiben. Belegt sind die leicht lesbaren
Texte mit fundierter Recherche, historischen und politischen Streifzügen
und Zitaten aus Erziehungsratgebern. Immer wieder erlaubt die Lektüre
ein Schmunzeln, auch darum, weil man gerade als Mutter das eine oder
andere Déjà-vu hat.
Das kennen wir doch, das Geplapper übers
Durchschlafen. Die Kämpfe mit dem Sauberwerden. Die ewigen Vergleiche,
wenn eine Horde junger Mamas am Sandkasten sitzt. Ganz heftig geht die
Autorin mit all den findigen Werbe- und Wirtschaftsleuten ins Gericht,
welche jungen, durch all das Gerede zunehmend unsicheren Müttern
eintrichtern, dass ein Kind nur dann glücklich und gut aufwachsen kann,
wenn Mama möglichst viel ins Kleine investiert. Zeit ja, auch, aber vor
allem Materielles und Unmengen an Kursgeldern.
Die Autorin geht dabei soweit, dass sie
behauptet, dass dieser ständige Druck, ein richtiges „Vollzeit-und
Vorzeige-Mami“ zu sein, schuld daran ist, dass deutsche Frauen die Lust
auf Kinder gründlich verloren haben.
Darum propagiert Hoffritz lautstark das
Rabenmutter-Dasein, ist unüberhörbar sehr emanzipierte Verfechterin
einer arbeits- und karrierebewussten Frauenwelt. Das ist alles gut und
recht und wie gesagt, das Buch hat einen großen Unterhaltungswert,
trifft manch einen Nagel voll auf den Kopf. Nur: Das Fanatische, welches
die Autorin anderen Verfechtern von Theorien und Praxen vorwirft, findet
sich bei Hoffritz leider auch. Auch sie ist überzeugt von ihrer Ansicht,
meint, nur Mütter, die auch noch arbeiten gehen, seien wirklich kluge
Mütter. Ob das nicht jede Frau selber entscheiden sollte, ob sie lieber
Rabenmutter oder Vollzeit-Mama ist? Und abgesehen davon:
Chancengleichheit ist leider nicht nur in der Schule ein wunderbares
Wort, welches ein ideales Ziel repräsentiert, nie aber der Realität
entsprechen wird.
Eines aber ist gewiss: Kinder gedeihen
nicht dank Baby-Yoga und Early-English besonders gut. Kinder bräuchten
Eltern, die auch mal den Mut haben, sich auf den ureigenen Instinkt zu
verlassen! Und da kann das Buch von Hoffritz helfen, sich dem
allgegenwärtigen Wahnwitz der Zeit/Gesellschaft auch mal mutig
entgegenzustellen.
Jutta
Hoffritz:
"Aufstand
der Rabenmütter – Warum Kinder auch ohne Baby-Yoga und Early-English
glücklich werden"
Knaur 2008
200 S., Euro 8,95
ISBN:
978-3426780923
Die Rezensentin ist Journalistin,
Buchautorin und Verlegerin.
Noch weniger helfen Schuldzuweisungen
Hans Joachim
Maaz: " Wenn wir wieder fühlen können"
Von Susan Müller
Wer
hat sich schon mal wirklich mit dem Begriff „Mütterlichkeit“ auseinandergesetzt? Bestimmt haben wir alle schon gehört, „die hat so eine
mütterliche Art“, aber was verbirgt sich dahinter und wie verbindet es
sich mit dem bekannten Buch „Lilith-Komplex“? Wer das frühere Werk von Autor
Hans-Joachim Maaz nicht
gelesen hat, wird damit vielleicht nichts anzufangen wissen, aber es
lohnt sich ungemein, anhand des zweiten Buches, "Wenn wir wieder fühlen
können", in dem eine Journalistin dem Psychiater Maaz Fragen stellt, die
er ausführlich beantwortet.
Maaz erklärt Dinge, die wir bisher niemals mit uns in Zusammenhang
gebracht haben wollten, die wir verstecken, nicht zuletzt vor uns
selbst, frei nach dem Motto: „Was nicht sein darf, kann nicht sein“.
Wir -benutze ich stellvertretend für Mütter und Väter - wären gern
perfekt, aber wer das Buch gelesen hat, weiß, das perfekt ein dehnbarer
Begriff ist, denn er macht klar: Wenn wir dem Kind gut tun, ihm unsere
Liebe mit Ecken und Kanten, die sie beinhalten kann, zeigen und spüren
lassen "in guten wie in schlechten Zeiten“, dann ist dem Kind für seinen
späteren Lebensweg sehr geholfen. Weitaus mehr als mit 24-stündiger
Anwesenheit, die aber kein „ich-bin-für-dich-da“ vermittelt. Noch
weniger helfen Schuldzuweisungen oder das Übertragen der eigenen
Unzulänglichkeit auf andere. Die sollten wir bei uns selbst erkennen und daraus
Begrenzungen abstecken, die, verständlich erklärt, dem Kind von Nutzen
sind.
Maaz bringt als zusätzlich interessanten Aspekt den Staat und dessen "Mütterlichkeit" ins Spiel, und es ist faszinierend
zu erkennen, wie unter dem
Deckmantel dieses Begriffes Machtkämpfe und politische Einflüsse
einhergehen. Zum Spielball fremder Interessen sollte sich keine Mutter
machen lassen.
Die Journalistin hat ihre Fragen präzise und verständlich gestellt und
die Antworten sind ohne überflüssige Erklärungen gegeben. Dieses Buch
ist in den gegenwärtigen Diskussionen, in denen niemand mehr weiß, was Eltern
zu tun oder zu lassen haben, von großem Nutzen - Maaz zeigt, dass auch Mütter einfach sie selbst sein und
mit reinem Gewissen durchatmen dürfen und auch sollen.
Hans-Joachim Maaz und Ingeborg Szöllösi:
Wenn wir wieder fühlen können. Auswege aus
dem Lilith-Komplex
Herder Verlag 2007
157 S., Euro 12,90
ISBN 978-3451283147
Bilanz: Zehn
Jahre frühkindliche Bildungsdiskussion
Mit was für
Kindern wir es jetzt zu tun haben
Von Lennart Ragmann
Wir können nun auf fast ein Jahrzehnt „Frühkindliche Bildung“
zurückblicken und eine erste Bilanz wagen. Das Thema hat einschlägigen
Forschungsinstituten zu Namen, Rang und Geldern verholfen. Das Deutsche
Jugendinstitut in München ist zu neuer Blüte gebracht worden. Früher
durch ausgewogene Beurteilungen und Unabhängigkeit bekannt, ist seine
Beratung heute bei Politikern gefragt, seine Forschung, vorgegeben und
vorhersagbar, wie es ein kirchliches oder parteiliches Institut nicht
besser machen könnte, ist trendy geworden. PISA hat viele neue
Arbeitsplätze geschaffen, die Kinder, Lehrer, Schulen blindwütig, aber
fleißig evaluieren. Autoren durften schreiben, was jeder
Menschenkenntnis widerstrebt. Die einen halten es für Offenheit und
Bildung, wenn Kinder ein chinesisches Schriftzeichen aufmalen, die
anderen fordern Tugenden, die anständige Menschen noch nie als Tugend
hatten. Bestseller waren viel dieser Bücher.
Das ist die Bilanz, was die öffentliche Seite betrifft.
Dann muss noch die private Seite, müssen noch die Kinder betrachtet
werden.
Den Kindergarten alter Schule können sie nicht mehr besuchen, ihn darf
es nicht mehr geben. Sie müssen englische Worte reden, Sprachtests
ablegen, naturwissenschaftliche Experimente machen, Teamfähigkeit
beweisen. Das einzige, was sie gebraucht hätten, Geborgenheit, keine
Hetze, ruhige, sichere Betreuerin, die mit Kindern umgehen können, haben
sie nicht mehr kennengelernt. Von da aus sind sie in die Schulen
gekommen, oft ein Jahr zu jung dafür, um zu verstehen, dass sie nun
Antworten zu geben haben. Schnell hat sich gezeigt, dass sie von Reife
und Vorgeschichte nicht imstande sind, konzentriert eine Schulstunde
durchzuhalten. Die Mehrzahl der nach der die neuen öffentlichen Meinung
erzogenen Kinder kann die Leistung, die von ihr verlangt wird, nicht
erbringen, aber darüber wird natürlich hinweggegangen. Sie stehen unter
Druck, alles an ihnen wird bewertet, von individueller
Findungsmöglichkeit keine Spur. Der kurze Nachmittag ist für die
geplanten Hobbys verplant. Schule ist schließlich Schule geblieben; für
die speziellen musikalischen oder sportlichen Vorlieben ist kein Platz.
Diese Kinder sind geistig vollgepropft, sie wissen weder ein noch aus.
Die frühkindliche Bildung hat aus ihnen nervöse, nicht aufnahmefähige,
entwicklungsgehemmte Wesen gemacht. Kein Forscher und Politiker spricht
mit denjenigen, die diesen Kindern, die nichts anderes als Opfer wehrlos
einer Ideologie ausgelieferten Eltern sind, etwas beizubringen
versuchen. Keine halbe Stunde vergeht mit den in den letzten Jahren
herangezüchteten Kindern, die sie nicht aufspringen, weinen, schreien
oder, je nach Reaktionsart, apathisch werden. Sie erkranken häufig,
haben keine Interessen, keine Kräfte, das Leben zu gestalten.
Perspektive: Aus vielen Gründen berufsunfähig.
Die Gruppe Eltern, die sich aus gutem Grundgefühle ihren Kindern
gegenüber wehrt, ist nicht klein. Ihre Kinder werden nur in sehr
ausgewählte, niemals dem gewünschten Kriterienkatalog entsprechende
Kindergärten geschickt oder sie bleiben ganz zuhause. In den
Schulklassen halten sie das Niveau hoch, doch der Preis, den sie dafür
zahlen, wird vielen Eltern von Jahr zu Jahr zu hoch. Ihre Wissbegierde,
ihre Lebensfreude verfällt. Freie Tag und Ferien sind der rettende
Anker, der den Kindern und ihren Familien den Atem gibt, den Staat und
seine Auswirkungen zu ertragen. Andere Tätigkeiten außer
Kindererziehung, die zu einem Kinderauffangen geworden ist, sind für die
Mütter dieser Kinder unmöglich geworden. Sie müssen für die
hochtrabenden Pläne der Politiker und Politikberater zurückstecken.
Früher selbst verständliche Kulturbeschäftigungen der Kindheit wie
Klavier, Geige, Tennis, Turnen müssen wegfallen, um Ruhe und Stabilität
in die Kindergemüter zu bringen. Diese Gruppe an Familien wird
gezwungen, unter ihren Möglichkeiten zu bleiben. Ihre Kinder lernen als
erstes, dass sie nur durch eine höchst individuelle, isolierte
Lebensweise glücklich werden. Perspektive: Sie haben weniger Fähigkeiten
als nötig, sie haben ein besonderes Gespür für das Ausgenutztwerden und
sind als Erwachsene nicht bereit, sich vor den Karren spannen zu lassen.
Die Jahrgänge ab 1995, die unter dieser Bildungspressmaschine
aufwachsen, werden in fünfzehn Jahren als staatsfinanzierende Bürger
passen müssen.
Verantwortungsbewusst handelt nur, wer endlich deutlich macht, dass
abgewürgte Kindheiten neurotische, ewig von anderen abhängige Menschen
hervorbringen.
Drecksarbeit,
umsonst geleistet
Mütter und ihr
Rentenanspruch
Von Ricarda Hochländer
Was nicht bezahlt wird, hat auch keinen Wert – das ist kapitalistisches
Grundwissen, und nur wenn es um Mütter geht, wird salbadert, werden Sinn
und andere Gummiparagraphen bemüht, um sie bloß auszuklammern. Auf dass
die Mütter nur nicht merken, dass ihnen mehr zusteht als allen anderen
in der Gesellschaft. Aber sie sollen ja gerade als einzige nicht
ökonomisch rational handeln. Sie sollen stumm dastehen, von allen
behandelt, wie man eben behandelt wird, wenn man ganz am Ende der
Nahrungskette steht.
Aber sich an ihrer Leistung gütlich tun, das wollen alle, die ihr Leben
lang auf Mütter und Hausfrauen heruntergeschaut haben. Erst werden die
Mütter ausgesaugt, dann die Kinder, die sie groß gezogen haben. So macht
es die Industriegesellschaft vor, so machen es die Männer, die angeblich
das Geld verdienen, nach, so erfinden sich Karrierefrauen eine Position
in einem kranken System. Wenn aber einer von ihnen –in welcher Hinsicht
auch immer- bedürftig wird, dann greifen sie eiskalt und ohne die
Leistung zu belohnen, auf die Kinder zurück, die die Mütter unter Mühen
und Verzicht versorgt haben.
Mühe und Verzicht – die müssen in barer Münze vergolten werden, und zwar
von den anderen, den Nutznießern. Stattdessen ist die Mitteilung über
die Rentenhöhe, der schöne Computerausdruck der Deutschen
Rentenversicherung, immer wieder ein Schlag ins Gesicht, ein Beweis, wie
unendlich dumm man ist, sich als Mutter seine Leistung nicht bezahlen zu
lassen – als einzige in dem Land.
Da
kommen zum Beispiel bei einer vierfachen Mutter knappe 240 Euro
zusammen, bei einem angestellten Mann 1700 Euro. Die Konsequenz ist
klar: Nur wer arbeitet, darf auch essen. Mütter sind nichts wert. Das
ist die Botschaft, die alle aussenden, die Frauen nur in
Arbeitsverträgen akzeptieren. Die Zahl der Feinde wächst. Zu den
arroganten Ehemännern, die Frauen, als sie noch Kinder waren, schon als
Väter erlebt haben, kommen nun die Marktgläubigen, die andere als
geldbewertete Leistungen verachten.
Recht haben sie! Man sieht am Pflegenotstand, was passiert, wenn Frauen
die Arbeit einfach nicht mehr machen. Mütter müssen in diesem System,
das auf Generationenverträgen fußt, die höchsten Renten überhaupt
erhalten. Wenn ihnen das weiterhin verweigert wird, sollten sie ihre
Kinder so erziehen, dass die sich später nur um ihre Mütter und um
niemanden sonst kümmern werden.
Hohepriester des gesunden, guten Lebens
Was alles, wer alles schlechten Einfluss
auf unsere Kinder hat
Von Miriam Schneider
(librikon) Aus totalitären Staaten ist es
uns wohlbekannt: Das Totschlagargument für jede Freiheit, der „schlechte
Einfluss auf Kinder“. Nun hören wir es andauernd auch aus demokratisch
berufenem Munde, alldieweil Zigaretten, Drogen, Alkohol, Übergewicht,
schlechte Berufschancen, Armut, Sprache, TV undsoweiter bekämpft werden
müssen. Alles muss weg, lautet die Devise, was für Jugendliche schlecht
sein könnte.
Natürlich über Verbote. Die Erwachsenen
und alle Eltern mit Kindern müssen ans Gängelband, die einzige Lösung.
Dass sich die Jugend dadurch nicht verbessern lässt, in dem man nie an
die Wurzel des Übels geht, weiß jeder, aber sagt niemand. Denn dann
müssten die Volksgesundheitsbeter an sich selber heran. Es ist ihre
innere Haltung, die von Sinnsuche geprägt ist und sie wie alle Sektierer
in der Unterjochung Schwächerer, gar Schutzbefohlener, wie es die Kinder
sind, findet.
Den Parteigängern der Polit- und
Bürokratiemaschinerie genügen Wellnessurlaube nicht mehr, je älter die
Hohepriester des gesunden, guten Lebens werden, desto mehr Wunsch nach
einer echten Erfüllung haben auch sie. Weltuntergangsszenarien leihen
sie sich von Tyrannen: Ohne mich landen wir in der Vorhölle, das ist
ihre für sie frohe Botschaft. Dabei ist es ihre Angst vor dem Nichts,
vor der Spurlosigkeit, die sie hinterlassen. Zur Überwindung benötigen
sie solche, die sie bekehren können, und wenn die nicht wollen, dann
eben mit Gewalt.
Der Blick auf sie, die in der
Bundesrepublik im Moment das Sagen haben, macht unruhig und gibt keinen
Halt. Sie sind das schlechte Vorbild für die jüngere Generation, die
realistische Vorbilder, mit Lastern, aber auch mit einer würdigen
Lebenshaltung brauchen.
Doch wer hat sich da aufgeschwungen, alle
zu maßregeln, die ihren Zielen, die die der Retter und Rächer sind,
nicht folgen wollen? Solche, die sich vorne hinstellen und nichts zu
sagen haben. Davon, wie man Orientierung gibt, wissen sie nichts. Keine
noch so laute Forderung kann diese Leere übertünchen.
Zusammenknüllen. Mülltonne
Zwangssprachtests für Kinder
Von Lennart Ragmann
Wenn sich Staatsbeamte etwas ausdenken und
sich dann auch noch Wirtschaftsunternehmen einmischen, kann nur Kultur
dabei herauskommen. Das heißt: Wehrlose zu Sprachtests verpflichten.
Klingt doch mal wieder gut, machen wir Politik mit Pseudo-Sozialanspruch
auf dem Rücken von "ausländischen Kindern". Sprachtests sollen sie
machen! Die Damen und Herren Aktionisten wissen nichts davon, dass
Kinder, die besser als die Kindergärtnerinnen deutsch beherrschen,
diesen Test machen müssen. Sie wissen nichts davon, dass freie
Lebensentwürfe bestraft werden - dass Schriftsteller-Kinder, die nicht
in den Kindergarten gehen, getestet werden. Dass zweisprachige Kinder
ein ganz anderes, weites Sprachvermögen haben. Ein Gleichmacherstaat -
denn ein zu großer Wortschatz, der ist nicht erwünscht. Die Fragen, die
die Fünfjährigen zu beantworten haben, sind derart stupide, dass die
Kleinen nicht mal "Hotzenplotz" kennen sollten, um gut abzuschneiden.
Bestehen - das tun viele Kinder; dann stehen hinterher die Eltern
syrischer, türkischer, deutscher, kurdischer, polnischer Abstammung mit
dem Wisch in der Hand da: Mein Kind kann sprechen! Bescheinigt. Des
Staatsbürger Pflichtenheft wird dick und dicker, seine Rechte dünn und
dünner. Und was soll das? Zusammenknüllen. Mülltonne.
Wenig Geld, wenig Prestige - nun dürfen auch Frauen an die
Professuren. Ausnahme: Mütter vieler Kinder. Die dürfen nur
die Studenten großziehen.
Von Miriam Schneider
Der steigende Anteil
an Frauen an den Universitäten wird gefeiert als Sieg der
Gleichberechtigung. Das könnte er werden, weil es drauf ankommt, was man
drausmacht. Die Entwicklung selber verrät eher, dass die
Gesetzmäßigkeit, dass Frauen überall dort unterkommen, wo das Prestige
sinkt, das Gehalt zu niedrig ist, noch immer gilt. Den Universitäten
droht dieselbe Krise wie den Schulen; von der Politik kaputtgespart,
kaputtreformiert. Für Männer sind sie kein attraktiver Arbeitsplatz, nun
dürfen auch Frauen. Dennoch: Es ist eine Chance. Aber selbst die kann
nicht von allen Frauen ergriffen werden. Es sind wenig Mütter dabei.
Noch weniger Mütter von mehreren Kindern. Das schwört einen Konflikt
herauf, wie ihn die Segmentierung der Gesellschaft vielerorts mit sich
bringt: Die Eltern sind aufmerksamer und genauer geworden, sie sind
nicht bereit, ihre Kinder anderen Leute zu unterwerfen – die
Universitäten werden sich nicht nur vom Personal her ändern, sondern
auch von den Studenten her. Hier gibt es kein Muss durch die
Schulpflicht. Frauen schauen nicht nur dabei zu, wie andere Frauen auf
ihrem Rücken Karriere gemacht haben - auf ihrem Rücken, weil die
Karrieristinnen nun die Kinder der anderen zur Berufsausübung benötigen.
Wer die Wahl hat, nutzt sie und wird auch aus dem Grund seine Kinder
nicht in eine deutsche Universität schicken. Und das ist auch richtig:
So lange es in diesem Land eine promovierte Frau mit Kindern gibt, die
keine Professur bekommen hat, so lange brauchen den Kinderlosen die
Kinder nicht zur Verfügung gestellt werden. Gerechtigkeit durch Boykott
– Sie werden sehen: Auch Mütter können kämpfen!
Was ist
Unordnung?
Anweisungen für Wohnungen, in denen Kinder
leben...
Von Lennart Ragmann
Die Wertmaßstäbe einer Gesellschaft werden
auch im praktischen Alltag geboren. Die Folgen davon, dass viele
Menschen in Haushalten ohne Kinder leben, spüren wir auch in dem, was
die Mehrheit als Norm akzeptiert. Die Herausforderungen, die ein
Haushalt mit mehreren Kindern abverlangt, können sich nur noch wenige
vorstellen, und das tägliche Scheitern auch. Gegen die Unordnung
anzukämpfen, ist ein Kampf gegen Windmühlen. Es gibt viele, viele
Momente pro Woche und pro Tag, zu dem es verheerend wäre, wenn
staatliche Kontrolleure die Wohnung beträten. Deren Wertmaßstäbe von
Lebensführung sind dem Alltag von Ein-, maximal Zwei-Personen-Haushalten
entnommen. Sie wissen nicht, was alles herumliegen, was alles
verschüttet werden kann. Ein Staat, der nicht mehr das übergeordnete
Recht setzen will, sondern immer tiefer in das Leben seiner Bürger
eindringen, es mit unübersichtlichen Regeln durchdringen will, der
verlangt nach immer mehr Momentaufnahmen, um zu handeln. Es müssen
Anweisungen für Beamte her, wie eine Wohnung, in der mehreren Kinder
leben, aussehen darf. Wer Kinder „niederschwellig“ entziehen darf, muss
definieren, wie er sich Mobiliar, Unordnung, Geschmacksgrenzen
vorstellt. Eine entsetzliche Vorstellung? Aber wir haben es soweit
kommen lassen, nun ist es nötig geworden.
Schulen vor das Familiengericht!
Endlich: Gesetz zur Erleichterung
familiengerichtlicher Maßnahmen
Von Lennart Ragmann
Familie ist, wo Kinder sind. Dieser
Slogan, den Politiker zur Maxime ihres Handelns gemacht haben, der ist
ja wahr. Natürlich werden die Parteien den Begriff überdehnen wie alles,
was sie als Themen entdecken. Natürlich wird sich die Schule als Familie
bezeichnen müssen, und vom zeitlichen Betreuungsaufwand her stimmt das
ebenfalls bald. Verantwortlich sein, jahrelang für die Folgen
geradestehen, das bleibt wiederum den Eltern vorbehalten. Ein
untragbares Paradoxon.
Deshalb ist das neue Gesetz, dass das
Herausnehmen der Kinder aus den Familien erleichtert, ein Fortschritt.
Nun können Eltern sich endlich gegen den übermächtigen Staat wehren, der
sich einer das Kindeswohl gefährdenden Betreuung schuldig macht. Wer es
als den Erwerb von Sozialkompetenz feiert, dass Kindern Gewalt und Angst
zugemutet werden, dem gehören schnell und niederschwellig die Kinder
entzogen. Die Schulbürokraten müssen der neuen Gesetzeslage zufolge sich
binnen Monatsfrist vor dem Familiengericht einfinden und Hilfsangebote
annehmen. Tun sie dies nicht, ist bei ihnen ohne weiteren Beweis ihres
erzieherischen Versagens kein Kind in Obhut zu belassen.
Dieses Gesetz war überfällig. Die
Lufthoheit über die Kinderbetten, forciert von den einen als
Staatsgläubige, von den anderen als von Unternehmen vor sich
Hergetriebene, hat auch für die neuen Betreuer ihren Preis. Die Kinder
können zurück zu ihren Eltern.
Schulpolitiker in Angst: Elite denkt mit
Wir brauchen mehr, nicht weniger
Schultypen!
Von Miriam Schneider
Während Schultypen verschwinden,
differenziert sich die Schülerschaft immer stärker. Die Angst vor
Intelligenz und Individualismus gebiert eine Schulideologie, die als
erste Bastion des langweiligen, verblödenden Angestelltenstaates, der
aufrührerische Geister nicht kennt, gelten muss. Sollten sich
Staatswesen und Wirtschaft eigentlich voreinander schützen, machen sie
gemeinsam gegen die nächste Generation mobil, jeder mit eigener
Intention: Bilde parierende Idioten aus, und du hast dein
Menschenmaterial.
Selbstverständlich ist das eine
Fehlkalkulation, weil Menschen, mit denen Staat und Wirtschaft zu machen
ist, nicht nach einem Muster funktionieren. Die verstiegenste Ausbildung
kann genau die sein, die Funken in die Firmen bringt. Je mehr
literaturmächtige Altsprachler aus den Schulen kommen, denen Hieronymus
Bosch mehr sagt als Robert Bosch, desto eher werden Menschen da sein,
die die Stirn haben, Unternehmen aufzubauen, die Idealen folgen, die
eine Gesellschaft zu binden vermögen. Nur aus erfüllten Kindern werden
auch erfüllte Erwachsene. Was wir brauchen, ist eine Trennung nach der
vierten Klasse und eine weitere nach der sechsten; was wir brauchen ist
eine Vierte Schule, die ein Gymnasium mit alten Sprachen und echtem
Bildungsanspruch ist, ohne Technik und Computer, dafür mit Geschichte,
Kunstgeschichte, Philosophie, Erdkunde, Biologie; eine Vierte Schule,
die langfristige Lehrpläne entwirft und deshalb die Kinder nicht unnötig
über die Mittagszeit bei sich festhalten muss.
Was wir brauchen, sind Schüler, die
während ihrer Schulzeit zu sich gefunden haben. Genau die bekämen wir
durch eine Vierte Schule. Und, um in die Sprache der Bildungszerstörer
zu verfallen, diese Schüler würden sich schließlich jedem Wettbewerb,
jedem Ranking stellen können. Das ist ja die berechtigte Befürchtung der
Schulpolitiker – dass irgendjemand auf die Idee käme, den Begriff
„Elite“ wirklich mit Leben zu erfüllen.
Hält Diskriminieren zusammen?
Migrationshintergrund: "Wir sind die
einen, das sind die anderen"
Von Martina Müller
Es scheint eine der Hauptaufgaben der
Politik geworden zu sein, die Bürger unter Begriffe, unter
diskriminierende Stempel zu bündeln. Je griffiger, desto schöner für die
Presse. „Migrationshintergrund“ gehört dazu. Es entspringt dem Denken:
Wir sind die einen, das sind die anderen. Das ist eine Wortwahl, die nur
darauf zielt, Menschen zu sortieren und zu stigmatisieren. Schlau an
ihnen ist lediglich, dass viele glauben, ohne diese Worte – die es
Jahrzehnte nicht gab und nicht brauchte – könne man plötzlich nicht mehr
diskutieren. „Prekariat“ ist auch so ein Fall. Und am furchtbarsten wird
diese Diktion, wenn zwei Begriffe für eine Gruppe zusammenfallen.
Dann
sind wir beim „jugendlichen Straftäter“, der angeblich alles ist, nur
nicht „so wie wir.“ Aber was das „Wir“ eigentlich umfasst, da schlingern
die politischen Redner ja selber. Denn während die stromlinienförmige
Allgemeinheit tatsächlich immer kleiner wird, schafft der politische Mainstream ständig neue Außenseiter. Um das glaubhaft zu vermitteln,
muss auf ihre Erkennungsmerkmale hingewiesen werden. Mütter, die mit
vier Kindern unterwegs sind, kennen wahre Spießrutenkäufe. Junge Frauen
mit Kopftuch werden verachtend angestarrt. Lärmende Jugendliche müssen
mit Reaktionen umgehen, die sie unverhältnismäßig in Richtung
Gesetzesbruch rücken. Familien werden mit geistiger Armut gleichgesetzt
und mit (natürlich abwertend gemeint) "Hartz IV". Dunkelhaarige
- und da ist er dann wieder, der "Migrationshintergrund"- sind mit
dem Vorurteil konfrontiert, sie würden morgens vor Spielkonsolen
hängen und abends Straftaten begehen.
Das Klima der
Intoleranz, des Denunzierens, der Ausgrenzung verstärkt sich und wird
immer mehr Gruppen erfassen, wenn wir das Paradox nicht endlich
zulassen, dass durch mehr und unterschiedlichere Lebensweisen wieder ein
„Wir“ wächst. Einschränkung, Anpassung, Gleichmacherei
dürfen keine Ziele mehr sein – sind es für jüngere Leute ja schon
deswegen nicht, weil die Gesellschaft in ihrer Feindlichkeit gar kein
Ziel sein kann. Wir müssen Familien, Kindern, Jugendlichen die Freiheit
zurückgeben, ihr Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Jugendlichen das
Jugendlichsein verbieten - per Gesetz
Die Altenrepublik macht mobil - heute:
Piercing
Von Lennart Ragmann
Das Schema ist bekannt: Erst werden die
Kosten für das Gesundheitssystem moniert, dann die persönlichen
Freiheiten beschnitten. Wenn es sich dann noch um Minderjährige handelt,
geht alles ganz schnell: Das muss verboten werden. Aber natürlich nur,
wie in jeder guten Altenrepublik, den Kindern. Bei Piercing fallen also
nicht die, die es durchführen, unter die Gewerbeaufsicht, bei
Schönheitsoperationen nicht die Ärzte, die ohne medizinische Indikation
behandeln, sondern es wird einfach per Dekret verboten, was Jugendliche
anzieht. Da müsste Aufklärung und Information davor stehen, müssten
Eltern einbezogen werden. Denen aber wird ja selber mittlerweile, wie in
jeder guten Singlealtenrepublik, jede Reife abgesprochen, und besonders
denen, deren Kinder sich piercen lassen. Das nämlich ist
Geschmackssache, eigentlich eine Unterschichtsmode, also eine Mode
derer, wo noch Kinder leben. Mit Piercing und Tattoos in diesen Mengen
zu tun zu haben, geht auf die Gesellschaft, die Familien ins Abseits
gestellt hat, zurück. Man sollte lieber die soziale Frage stellen als
einen täglich mühsam erkämpften Lebensstil, der Zugehörigkeit
symbolisiert wie für andere der Skiurlaub.
Wer würde Senioren den neuen Caravan
verbieten? Der angerichtete Gesamtschaden ist zwar, auch ästhetisch,
höher. Aber vielleicht sollte man dann auch erst einmal die Caravanbauer
und anschließend die Caravanfahrer überzeugen, Argumente nennen, sie
ernst nehmen. Das müssen wir uns auch bei Jugendlichen abverlangen. Zeit
nehmen, erklären. Denn Jugendlichen das Jugendlichsein verbieten, ist
gang und gäbe geworden. Nur geht es nicht. Es wird sich Bahn brechen,
und Erwachsene müssen geschickt lenken, wo.
Probleme schaffen, um sie zu bekämpfen
Drum suche, wer sich an eine
Schirmherrin bindet
Von Lennart Ragmann
Der Verein Wellcome tut Gutes. Seine
ehrenamtlichen Mitglieder besuchen junge Mütter und nehmen ihnen für ein
paar Stunden Arbeit ab. Wer den Alltag mit einem Neugeborenen kennt,
weiß, wie sehr das helfen kann. Dazu lässt man die Vereinshelfer für ein
paar Stunden auch in sein Leben hinein. Auf Vertrauen. Es darf nur um
diese Stunden und nur um das Wohl der Mutter gehen. Alle anderen
Faktoren müssen draußen vor der Tür bleiben. Nun hat leider Frau Merkel
die Schirmherrschaft über den Verein übernommen. Sie ist sonst
Vorsitzende einer skrupellosen Ausspähregierung, unter der das Leben von
Familien Tag für Tag schwieriger wird. Die Denunzianten freuen sich
daran, dass Kinder leichter aus Familien herausgeholt werden können.
Prompt spricht Frau Merkel ausgerechnet bei der Feier des Vereins,
dessen Arbeit sei ein „gutes Beispiel von der Kultur des Hinsehens“. Es
gibt keine Kultur des Hinsehens. Anschwärzen ist damit gemeint. Gerade
auch in diesem sensiblen Bereich, in dem Fremde in die Wohnungen junger
Familien gehen, hat dieser Unbegriff nichts zu suchen. Er gefährdet die
Idee. Denn wer hilft, darf nicht schnüffeln. Eine Schirmherrin, die
Kindergeld kürzt, das Unterhaltsrecht zuungunsten der Kinder ändert, die
Steuerlast für Familien durch die Mehrwertsteuer erhöht, Elternrechte
zusammendampft, zerstört die Grundlagen des Familienlebens. Der schafft
die Probleme, die dann ehrenamtlich bekämpft werden. Und sich dann als
Retter gerieren? Nein danke zu einer solchen Schirmherrin!
Karikatur des Fürsorgestaates
Pflichtuntersuchungen für Kinder
Von Lennart Ragmann
Kinderkriegen, Kindergroßziehen, das kann
man nur mit Urvertrauen. Der deutsche Staat sieht das anders. Er
misstraut seinen Bürgern, besonders den Eltern und Kindern. Und wie
immer gebiert Misstrauen Kontrollwahn. Der Versuch, die Schulen nach
ihrem Abbild zu schaffen, ist den Technokraten gelungen. Nun haben sie
dem Frieden der frühen Kindheit den Kampf angesagt. Dazu bedient sich
dieses leitlinienlose Schiff „Deutsche Politik“ jeder Institution, die
irgendwie von ihm abhängig ist. Die Krankenkassen sind wunderbare,
willenlose Verbündete, sie machen brav, was die Politiker, von deren
Gnaden sie abhängen, von ihnen wünschen. Nun wurden die Arztbesuche für
Kinder in den ersten Lebensjahren in Schleswig-Holstein zu
Zwangsuntersuchungen erklärt. Kommen Eltern ihnen nicht nach, droht
ihnen das Eindringen von Behörden in ihre Wohnung. Und was für ein
Systembruch, in die körperliche Unversehrtheit von Menschen
einzugreifen!
Gegen Eingriffe ins Privatleben
sind die meisten abgestumpft. Doch die Warnung geht alle an. Eine
seelenlose Bürokratie bemächtigt sich Leib und Leben. Sie wird es zwar
nie besser machen als Menschen, als Eltern aus Fleisch und Blut. Aber
sie macht sich auf, die Beziehungen der Menschen untereinander zu
vergiften. Das gute Verhältnis Kinderarzt, Eltern, kleine Patienten ist
nur ein weiteres Opfer dieser Zerstörungswut. Gynäkologen und Hebammen,
die „Problemmütter“ melden sollen, war auch schon eines. Noch erscheint
es absurd, aber es wird in einem solchen geistigen Klima kommen: Das
Anarchische des Kinderzeugens wird unterbunden werden. Der Staat wird
Regeln für das Schwangerwerden ersinnen, die er mit seinen Mitteln, die
ihm die Demokratie in die Hand gibt und die aber, falsch angewendet, die
Demokratie aushöhlen, durchsetzt. Sodann wird er die werdenden Mütter in
Zwangskurse setzen. Am Ende, so das Ziel, soll die Kraft der
Familiengründung, in der für Bürokraten immer subversive Sprengkraft
liegt, gebrochen sein.
Doch alle diese Beschlüsse
werden, wie die gegenwärtigen, nur ein Pseudo-Schutz für Mutter und Kind
sein. Das entlarvt, wie wenig es um wirkliche Lebensverbesserungen geht.
Es geht um Zwang um des Zwanges willen. Um die Existenzberechtigung
eines taumelnden Sozialstaates, der nur noch um seiner selbst willen
handelt.
Schon bekommen die ersten jungen
Mütter ihre Kinder ohne ärztlichen Beistand wieder zuhause, um ihr Kind
nicht melden zu müssen. Gerade Eltern auf dem Weg zur eigenen Familie
lassen ihr Leben nicht vom Kontrollwahn beherrschen. Sie wollen
Verantwortung tragen. Auch wenn die Karikatur des Fürsorgestaates ihnen
alles abnehmen will. Einschließlich ihrer Kinder.
Propaganda und Wirklichkeit: Sieben Thesen
über Frauen
Von Ricarda Hochländer
Was bedeutet es wirklich, wenn die
gebildeten Frauen, meist aus den höheren Bildungsschichten stammend,
ohne Kinder bleiben, der Nachwuchs also zum Großteil aus der unteren
Schicht bzw. unteren Mittelschicht stammt? Die Stichworte dazu sind
Entfremdung von Kindern in den höheren Schichten, die
Entscheidungsträger stellen, Abbrechen der Weitergabe von Bildung, eine
andere Rolle der Bildungseinrichtungen, aber auch der erstaunliche
Anstieg von Dickleibigkeit bei Kindern etc.
Die Reaktion der Politik: Die
deutsche Politik hat lange die falschen Anreize geschaffen und besonders
die Lebensformen der bildungsferneren Familien unterstützt (nicht in
finanzieller Hinsicht) . Heute reagiert sie auf eine Weise, die Kinder
zu haben attraktiver machen soll, es aber gerade für Akademikerinnen
noch abstoßender werden lässt, Kinder in die Welt zu setzen, die derart
von einem Staatswesen vereinnahmt werden. Wie sehr der Erhalt des
Generationenvertrags dazu beiträgt, Kinder in die Zange zwischen
Wirtschaft und überbordendem Verwaltungsapparat, kann an vielem
abgelesen werden: Sprachtests und Curricula für Kindergartenkinder,
Früheinschulung, Benimmunterricht, Ganztagesschule, Verkürzung der
Gymnasialzeit, soziales Jahr, vordergründiges Nützlichkeitsdenken bei
der Wahl der Studiengänge. Mit einer modernen Bevölkerungs- oder
Nachwuchspolitik hat das nichts zu tun, weil alles auf längst ächzende
Sozialversicherungssysteme aufbaut. Hierbei gibt es keine Grenze, kein
Ruf nach freier Entfaltung und individueller Entscheidung, die einzig
die gute Entwicklung des Kindes gewährleisten würden.
Rückzug der Akademikerinnen aus der
Mutterschaft: Das hat zur Folge, dass für Frauen, die es gewohnt
sind, frei und sehr individualisiert ihr Leben zu gestalten, dass gerade
für Akademikerinnen der Wunsch nach einem Kind immer weiter zurücktritt.
Bisher galt, dass das berufliche Vorkommen gefährdet sei. Richtig: Aber
hier wagt niemand, wirklich in die Bresche zu springen und
durchzusetzen, was naheliegt –Ersatz der Frauenquote durch die
Mütterquote. Jetzt kommt noch hinzu, dass das staatliche Begehren an dem
Nachwuchsfaktor Kind ins Unermessliche steigt und damit die Mütter in
Fesseln legt. Unter Aufwand werden Betreuungseinrichtungen geschaffen,
die in absehbarer Zeit ihre Kapazitäten füllen wollen. Die freie
Wahlmöglichkeit, die grundlegend für Mütter mit hohem Bildungsniveau
wäre, tritt dahinter zurück. Das Rad wird genau in die falsche Richtung
gedreht, schulpolitisch bräuchte es mehr individuelle Freiheit und
Mitgestaltungsrecht.
Alltag von Akademikerinnen mit Kindern
– einige Thesen: Diese Spezies ist nahezu unbekannt, dabei könnte
ein Blick in die Realität einige Argumente schärfen oder stumpf werden
lassen. Es ist in Deutschland das normale, dass Frauen in
Entscheidungsgremien kinderlose Frauen sind. Die Mehrzahl der
Ministerinnen und Staatsbeamtinnen, die über Bildungspolitik zu
entscheiden haben, sind kinderlos. Es fällt Akademikerinnen oft schwer,
deren Einlassungen zu respektieren, da die Kinderferne in den meisten
Überlegungen präsent ist. Bei hochgebildeten Frauen resultiert dies
nicht aus Erdulden und führt nicht zu Resignation, sondern zu einem
Rückzug aus der öffentlichen Diskussion – der auch insofern erwünscht
ist, da das Thema der Unterschiede von kinderlosen Frauen und solchen
mit Kindern tabuisiert wird. Von Akademikerinnen mit Kindern aber werden
diese Unterschiede bei den Debatten um Bildungspolitik stark empfunden.
Der Handlungs- und Entscheidungsspielraum in der Erziehung gerade
älterer Kinder in Bezug auf die Schulausbildung müsste weitaus größer
werden, damit Akademikerinnen mit Kindern sich dazugehörig fühlen.
Tatsächlich gleichen sie selbst die Bildungsdefizite an den Schulen bei
ihren Kindern aus. Die Herkunft der Kinder spielt in der Realität eine
große und anwachsende Rolle; angesichts der wenigen Kinder aus
Akademikerhaushalten ist das Bemühen vieler Eltern, gleichrangige
Spielkameraden für ihre Kinder zu finden, sehr angestiegen und wird mit
Aufwand betrieben.
Persönliche Perspektiven von
Akademikerinnen mit Kindern: Im Arbeitsleben von heute ist
Eigenverantwortung, Risikobereitschaft, Freiheitsliebe gefragt, und
viele Akademikerinnen stellen sich dem. Der Staat aber richtet sich
nicht auf ein verändertes Menschenbild im Wirtschaftsleben ein, sondern
reglementiert die persönlichen Bereiche seiner Bürger. Das führt zu
einem nicht überbrückbaren Widerspruch, aus dem heraus die ökonomische
Entwicklung zusätzlich gelähmt wird. Wer in Deutschland Kinder bekommt,
spürt das besonders deutlich. Einem freiheitlich orientierten
Arbeitsleben stehen die Grenzen, die der Staat Eltern stellt, weil sie
Eltern sind, diametral entgegen.
Staatliche Unterstützungen: Solange
am Generationenvertrag festgehalten wird, muss seine Umsetzung verlangt
werden, auch von der älteren Generation. Die Verteuerung des
Universitätsstudiums ist eine einseitige Aufhebung dieses Vertrages, der
nur in beide Richtungen funktionieren kann. Dem Nachwuchs muss Freiheit
und Bildung nach seiner Wahl ermöglicht werden. Jede staatliche
Unterstützung finanzieller Art muss daraufhin untersucht werden, ob es
Danaergeschenk ist. Es muss auch gefragt werden, ob da nicht letztlich
auf den Schultern der Jüngeren heutiges Wohlergehen erkauft wird, das
zukünftig, jenseits der Arbeitskraft, bitter nötig wäre. Eigene Kinder
und Altersversorgung, auch die persönliche, menschliche, hängen
ursächlich zusammen – das darf nicht ausgesprochen werden, aber das ist
den meisten bewusst.
Eine mögliche Perspektive: Einige
Ursachen, warum Mütter –sogar hoch qualifizierte Akademikerinnen- beim
deutschen Durchschnittsbürger ein schlechtes Ansehen haben, das noch
weiter sinken wird, müssen zunächst analysiert werden, denn das gilt es
zu ändern. Dann sind die persönlichen Perspektiven gebildeter Mütter in
positiver wie in negativer Hinsicht zu nennen. Im Ergebnis: Die Idee des
„Patchwork-Lebenslaufes“ ist reine Rhetorik. Akademikerinnen, die ihren
Familienwunsch gelebt haben, sind Anfang bis Mitte vierzig, wenn sie
ganz in ihren Beruf zurückkehren möchten. Das ist nicht Patchwork,
sondern eine klare Linie. Vor allem an dieser Stelle in der Gesellschaft
müsste für Akademikerinnen mit Kindern ein Umdenken erreicht werden.
Im Gefühlsprekariat
Annette Schavans Elternbeschimpfungen
Von Ricarda Hochländer
Annette Schavan, Bildungsministerin auf
Bundesebene, fällt durch Unflätigkeiten auf. Die richten sich gegen
Eltern, die sich eben mal nicht so anstellen sollen, die ihre Gefühle
nicht so ernst, ihre Kinder nicht so wichtig nehmen sollen. In Schavans
Welt ist das gar nicht weiter schockierend; Intrigen, menschliche Kälte
und aggressives Machtgetue sind dort das Normale. Man möchte sich gar
nicht vorstellen, ein leibhaftiges Kind müsse in einem solchen
Gefühlsprekariat aufwachsen.
Zum Glück muss das keins. Annette Schavan
ist kinderlos. Aber sie will über Kinder anderer Menschen bestimmen.
Das tun viele. Gegen Fachwissen ist
niemals etwas zu sagen. Dafür braucht es keine eigenen Kinder.
Fachfragen benötigen keine Erfahrung: Gynäkologen müssen keine Geburt
erlebt haben, um gute Gynäkologe zu sein. Sie beherrschen ihr Gebiet und
nehmen die Gefühle und Schmerzen, wie die Mütter sie haben, als gegeben
hin – ein Arzt, der eine Geburt mit „Zahnziehen“ vergleicht, ist ein
schlechter Arzt. Selbst ein Gynäkologe, der ein Bein verloren hat, kennt
keine Geburtsschmerzen. Wenn es um nicht-begreifbare Dinge geht, hat man
sie zu akzeptieren.
Bis zu diesem Punkt ist das Privatleben
dann gar kein Thema. Aber Annette Schavan ist weitergegangen. Sie
qualifiziert die Gefühle der Eltern ab. Sie hat keine Ahnung von
Mutterschaft, aber sie will Müttern verbieten, Muttergefühle zu haben.
Klingt nach katholischer Kirche? Genau – dort sitzt Annette Schavan als
ranghohe Laiin. (die Kirche macht sich damit übrigens unmöglich).
Annette Schavan ist der Marsch der Nonnen durch die Instanzen. Sie ist
der Dr. Jekyll des Joschka Fischers und gehört ins politische Nirwana
wie jener. Stante pede.
Politik für die Enkel
Adieu Sackgassendenken!
Von Martina Müller
Die Wahlen in Bayern und Hessen wurden von
Großeltern entschieden. Mit einer „Politik für die Enkel“ war keine
Partei angetreten. Die Kinderfeindlichkeit der Politikerkaste, ihre
völlige Verhältnislosigkeit zum geerdeten Leben mit Enkelkindern hat das
verhindert. Im politischen Super-Geschwurbel um Kinder- und
Bildungsthemen ist den Politikern entgangen, dass ihr Land voller
Menschen ist, die eine wirkliche Beziehung zu Kindern haben. Die sich
auf den Mittwochnachmittag freuen, wenn die Enkel bei ihnen essen. Denen
ihre Rente gleichgültiger ist als die Kindheit ihrer Nachfahren. Die
Spaß an Streichen haben, die Krach im Garten haben wollen, die mit ihren
Teeangern zusammen ein Bier und eine Zigarette genießen. Davon weiß nur
nicht, wer dem Abgesang auf die Großfamilie glaubt und nicht weiß, das
Nicht-Zusammenleben keineswegs bedeutet, dass nicht mitgedacht und
mitgefühlt wird. Die Wahlergebnisse erzwingen nun, wieder auf den
gesunden Menschenverstand zu hören. Großeltern wählen, was ihren Enkeln
guttut. Sackgassendenken ist ihnen fremd.
Die Familien bekommen die Mütter, die sie
verdienen
Siegerjustiz: Zum neuen Unterhaltsrecht
Von Ricarda Hochländer
Ex-Männer müssen nicht mehr am Bettelstab
gehen. Frauen und Mütter haben nach dem neuen Unterhaltsrecht weniger
Anspruch auf Zahlungen. Die scheidungstraumatisierten Kinder können
öffentliche Einrichtungen besuchen, da die Frauen schneller wieder an
die Stanze müssen; Geld verdienen für den Umsatz der Discounter. Und
natürlich für den Staat. Der freut sich auf mehr Einnahmen aus
schuftenden Frauen. Und nun wundert sich manch konservativer Mann, warum
die Frauen sich das bieten lassen? Das liegt an zweierlei.
Zum einen: Mütter reagieren langsamer. Sie
ziehen sich zunächst immer auf ihre Kinder zurück und können im Privaten
ausgleichen, was all die anderen Gruppen gleich aggressiv
herausschreien. Also: Abwarten. Zum anderen: Frauen kennen die Männer,
mit denen sie es zu tun haben. Sie müssen mit einer Generation von Typen
zurechtkommen, die zu Frauenleben gegenüber beziehungslos sind. Waren
die Männer immer, wird der Einwand sein. Ja – aber sie haben im
günstigsten Fall wenigstens noch ihre Arbeitskraft in den Dienst der
Frauen und Kinder gestellt. Das tut der Account Manager, der abends bei
Kieser trainiert, ja von seiner ganzen moralischen Konstitution her
nicht. Und für die Leistung der Mütter
ist kaum einmal mehr die Sonntagsrede reserviert. Die ist nicht da,
weil sie nicht bezahlt wird. Schon seit langem von niemandem mehr. Wer
will Unterhalt von Partnern, die gar nicht wissen, dass das ihr Beitrag
zum Wohle der Kinder ist? Die schon während der Ehe Dankbarkeit für das
Selbstverständliche fordern?
Das neue Unterhaltsrecht ist die
Fortführung der Zersetzung der Ehe. Es ist Siegerjustiz von
(kinderlosen) Frauen und (verantwortungslosen) Männern, die Müttern vor
Jahrzehnten den Krieg erklärt haben. Die Mütter sind lieber abhängig von
einem ausbeuterischen Arbeitgeber als von diesen Männern. Deswegen
nehmen sie das Unterhaltsrecht hin. Auf der Strecke bleiben die Kinder.
Kinderschutz durch Denunzianten!
Oder: Die Vergiftung der Rechtskultur
Von Lennart Ragmann
Kinder dürfen nach neuer Gesetzeslage nun
leichter und schneller aus ihren Familien herausgeholt werden. Es geht
um Kinderschutz. Die da schützen, haben Eigeninteressen. Jedes Amt,
jeder Verein möchte ja gute Gründe haben zu existieren. Mehr Fälle, mehr
Macht – wunderbar. Dagegen lässt sich wenig sagen. Wer es versucht, wird
umgehend als Kindesmisshandlungsbefürworter mundtot gemacht.
Aber es gibt rechtsstaatliche Grundsätze,
und wenn die gebrochen werden, dann muss das ausgesprochen werden
dürfen. Unterschiedliche Staatseinrichtungen haben unterschiedliche
Arbeitsgebiete, und Polizei, Schule, Jugendamt dürfen – auch wenn es
reizvoll erscheint – sich nicht gegenseitig in die Hände arbeiten. Es
darf keinen Datenaustausch geben.
Und: Zu 80 Prozent müssen sie sich bei
Verdachtsmomenten auf Denunzianten stützen. Von eingreifenden Helfern
mit Zivilcourage sind diese völlig zu unterscheiden. Der Denunziant
vergiftet eine Rechtskultur. Das ist eine alte Weisheit, und nur
Zwangsstaaten werfen sie über den Haufen. Wer nicht zuallererst eine
Gesellschaft fordert, die Familien umhegt und umpflegt, wer sich nicht
täglich wieder auf die Fahnen schreibt, die Lebensbedingungen von
Familien zu verbessern, der ist entlarvt: Dem sind die Kinder egal.
Kindesentzug muss einfacher werden, sagen die Gesetzgeber. Das Leben der
Menschen indes bleibt kompliziert.
Divide et impera!
Familien zerstören durch Solidarität
zerstören: Elternbashing
Von Ole de Vries
Das gefährlichste für Machthaber, die eine
Gesellschaft in Auflösung unter sich spüren, sind soziale Bindungen. Sie
müssen zerschlagen werden. Über Einzelpersonen lässt sich leichter
herrschen. Daher muss jede Einigkeit zwischen Eltern bekämpft, alles,
was sie verbinden könnte, unterhöhlt werden. Spalten, sich gegenseitig
misstrauen: Eltern werden zu Schnapstrinkern, verblödeten TV-Glotzern,
Kindermisshandlern – alles nur, damit andere Eltern sich von ihnen
absetzen, zu dem Pack nicht gezählt werden wollen. Die „Unterschicht“
hat über Monate dabei zuhören müssen, wie sie ihre Kinder
vernachlässigt, wie sie nicht liebt. Müttern zu Monstern.
Es liegt in der Logik dieser Form des
Regierens, dass in gleichmäßigen Intervallen die nächste Gruppe – die
als solche natürlich erst identifiziert werden muss, um auf sie
einzuprügeln (so geschehen z. B. über den Begriff „Prekariat“)- fällig
ist. Zurücklehnen kann sich das „Bürgertum“ nicht. Dessen Geisteshaltung
ist nun dran. Da wird für das verzärtelte, verwöhnte Einzelkind, das in
der Schule nicht integrierbar ist, erst die Ganztagsschule, dann das
Internat gefordert, um die Erziehung zum Psychopathen zu verhindern.
Gepflegtes Lernen und nachmittägliche freie Beschäftigung muss zum
Hassobjekt werden, um die hinter diesem Lebenskonzept stehenden zu
diffamieren. Ein hohes Bildungsniveau ist sowieso suspekt. Der Angriff
auf die Über-Muttis mit zuviel Gefühlen und Alleinvertretungsansprüchen
folgt stehenden Fußes. Müttern zu Monstern.
Sich dagegen zu wehren ist schwer. Gerade
die in Sachen Kinder Engagierten können sich nicht gegen diese Demagogie
sträuben – in der Angst, andere Eltern schadeten ihnen und ihren
Anliegen. So wird das Ausspielen der Eltern gegeneinander aggressiv
fortgesetzt. Wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Angst vor Esperanto
umging, da man sich vor einer gemeinsamen Sprache und damit Bewegung der
europäischen Arbeiterschaft fürchtete, so fürchten sich die deutschen
Regierenden vor Familiensolidarität.
Der Widerstand muss im Keim erstickt
werden. Schließlich lässt man in Deutschland die Familien seit
Jahrzehnten finanziell Ausbluten: Das ist ein konstitutives
Regierungselement, das das wechselnde politische Establishment
untermauern muss.
Die uralte Wertschätzung der Familie
beruhte darauf, dass dieser soziale Verbund der einzige Garant für
Wohlstand war. Auf Kraft und Verheißung der Familie musste der Staat
zurückgreifen, um selber zu prosperieren. Er muss es bis heute. Eine
Reaktion der Bürger gegen die Ausbeutung war, kinderlos zu blieben.
Deshalb kann sich die Staatsmaschinerie stärker auf die verbliebenen
Familien konzentrieren, deshalb ist der Kampf erbitterter geworden. Um
weiter herrschen zu können, müssen die Machthabenden alles tun, um
Familien auseinanderzuhalten und zu sortieren, müssen sie spalten, um
weiterzuherrschen. Divide et impera. Kein Zufall; Methode!
Suchmaschine für
Kinder: fragnichtfinn.de
Ein Kommentar von Martina Müller
Eine Suchmaschine, die für Kinder
geeignete Seiten filtert und nur solche anbietet, ist mit „fragfinn.de“
ins Netz gegangen. Sie ist unter Getöse von Regierungsvertretern freigeschaltet worden und hat damit einen Vertrauensvorschuss, besonders
auch für den Schulunterricht. Die Staatsbeteiligung suggeriert
Qualitätssicherung – in Wahrheit können Medienkonzerne ungehindert
Einfluss auf "fragfinn.de" ausüben. Erst ein Blick auf die Namen, die
diese Seite ermöglicht und unterstützt haben, lässt Zweifel an dem
Vorhaben aufkommen.
Jedem privaten Suchmaschinenbetreiber
würde es davor grauen, sich eine Phalanx von Computerfirmen und
Zeitschriftenverlagen an Bord zu holen. Die Bundesregierung jedoch setzt
fröhlich ihr Logo neben die Werbung gewinnmaximierender Wirtschaftler.
Doch dass dort nicht Ethik, sondern geldwerte Interesse im Vordergrund
stehen, kann auch ohne viel Recherche bemerkt werden. Ein
Wirtschaftsunternehmen darf selbstverständlich nicht bei der
Entscheidung daran beteiligt sein, welche Seiten Kinder besuchen dürfen,
wenn die Bundesregierung dafür ihren Namen gibt.
Statt der Gewaltkontrolle, die wünschenswert wäre, gibt es so
Gedankenkontrolle. Denn natürlich werden nur Seiten mit erwünschten
politischen bzw. unternehmenspolitischen Meinungen angezeigt. Bei „fragfinn.de“
geht es gar nicht um einen Inhaltsfilter, hier ist damit zu rechnen,
dass vor allem Konkurrenzprodukte unterdrückt werden.
Unfassbar: Konzerne an einer
unabhängigen Suchmaschine zu beteiligen! Die Erzeugnisse der Konzerne
entsprechen nicht den Vorstellungen, was unter Jugendschutz zu rechnen
ist. Der direkte Zugriff auf Schülerinnen und Schüler darf nur der
Schule obliegen.
Lehrer und Eltern sollten dem guten Grundsatz folgen, nur mit den
Kindern gemeinsam am Computer zu surfen. Und die Bundesregierung muss
sofort ihre aus Steuergeldern mitfinanzierte Unterstützung entziehen. „Fragnichtfinn.de“
ist die einige Antwort auf diese
mindestens dümmliche Ungeheuerlichkeit.
Mein Kopf gehört mir!
Eine unmissverständliche Aufforderung
Von Ricarda Hochländer
Es liegt in der Natur der Sache: Kinder
sind ein Grund für Freiheitsverlust. Es ist ganz schlicht so, dass man nicht
mehr tun kann, was man möchte. Nicht von Stunde zu Stunde leben.
Aber in Zeiten von Verhütung und
Schwangerschaftsabbruch bekommen die meisten Mütter Kinder aus freiem
Willen und als durchaus freie Bürger. Ihr Kind ist ein Teil des
mütterlichen Freiheitsbegriffes. Und genau darum sind die Mütter
von Feinden umzingelt, nahezu jede Gruppe folgt dem offiziellen Aufruf:
Kampf den Müttern.
Konservative, die sich in ihrer
Rentnerwelt vor jungen, Musik hörenden, trotz Mutterschaft ganz normal
weiterlebenden Müttern gruseln. Die Frauen aus der
Emanzipationsbewegung, die schon auf das gute Körpergefühl junger Mütter
einen Hass haben. Die Linksdenker, die die massive Privatheit von
Müttern nicht aushalten können. Die Wirtschaftsliberalen, für die sich
nur rechnet, wer durchgängig an der Stanze steht.
Kaum Mutter, beginnen die Kampfhandlungen.
Der moderne Staat hat dafür Instrumente der Bürokratie ersonnen.
Meldungen, Formulare, Besuch von der Sozialarbeiterin, dann –nach immer
kürzerer Zeit – die Einschulung. Am ersten Schultag endet jede Freiheit,
die die moderne Frau als selbstverständliches Gut zu haben meinte.
Ab jetzt dürfen Mütter keinen eigenen
Tagesrhythmus mehr haben. Schulbürokraten geben ihr vor, wann sie was zu
tun haben. Sie müssen Veranstaltungen besuchen, in denen Zwang an
vorderster Stelle steht. Sie müssen in einer voll flexibilisierten
Ökonomie den Nachteil auf sich nehmen, zu einer Monate im voraus
festgelegten Zeit an einem Ort bleiben zu müssen. Sie dürfen als einzige
in einer durchgedrehten Urlaubsgesellschaft keine Ferien machen, wenn es
preislich ginge. Sie dürfen sich nicht mehr zu jeder Tageszeit mit ihren
Kindern unbehelligt auf der Straße bewegen. Sie dürfen keine Zeit mehr
für ihre Kinder haben.
Natürlich liegt es nahe, einem solchen
angeketteten Wesen auch Gefühle vorzuschreiben. Sätze wie „Mütter müssen
eben spüren, dass sie nicht das beste für ihre Kinder sind“, die gar
keine thematische Auseinandersetzung herausfordern, sind mitnichten
erfundener Quatsch. Sie kommen von Politiker/innen und Verwalter/innen,
die sich modern geben. Dabei sind sie hoffnungslos reaktionär:
Früher hat das Patriarchat die Mütter
geknechtet, heute ist es die Kindheitsbürokratie.
Mütter, lasst Euch nicht die Freiheit
rauben!
Lasst uns einen Anfang machen!
Weg mit der Schulpflicht!
Wer das nicht einsieht, muss fühlen
– nicht in einer U-Bahn-Station, sondern
beim Wahlrecht
Eine Warnschuss von Lennart Ragmann
Alte Menschen, das ist bekannt, fühlen
sich bedrohter als junge Leute. Sie haben mehr Angst um sich und ihr Hab
und Gut, kommen sich wehrloser vor und versuchen, sich mit vielen
Mitteln zu schützen. Die Realität sagt zwar, dass diese Bedrohungen ein
rein subjektives Empfinden sind. Denn junge Leute sind weitaus
gefährdeter, Ältere sind viel seltener Opfer von Kriminalität. Es ist
also nur ein Hinweis mehr auf unseren Weg in eine Gerontokratie, wenn
sich die Alten vor den Jungen fürchten. Da wollen Nicht-Opfer
Nicht-Täter wegsperren. Wer zweifelt daran, dass wir unser Rechtssystem
nicht nach Einbildungen richten dürfen? Wohl niemand. Aber die
Diskussionen um die Jugendkriminalität lassen befürchten, dass
Gerontokraten –selber alt oder nach älteren Wählern schielend - hier,
nach langen Debatten um angebliche Chancen für Heranwachsende, die Basis
der Gesellschaft aushebeln wollen: Zur Jugend gehört die Freiheit, zum
Alter die Toleranz. Wer das nicht einsieht, muss fühlen – nicht in einer
U-Bahn-Station, sondern beim Wahlrecht. Kinder müssen als Wahlbürger
gelten, Eltern für sie mitwählen dürfen. Eine Demokratie voller
Erziehungslager, in denen Alte Junge in Schach halten wollen, gibt es
nicht. Es ist eine Diktatur.
Das Kind im Staate
Ist der Kinderschutzbund ein
Staatsschutzbund?
Eine Polemik von Martina Müller
Der Kinderschutzbund hat nur eine Aufgabe:
Den Schutz von Kindern. Es ist unfasslich, wie sich der Verein sein Ziel
selbst verwässert, indem er tagespolitische Forderungen wir
Ganztagsbetreuungen propagiert. Ein Kinderschutzbund ist kein
Staatsschutzbund und kein Elternschutzbund, es geht einzig und allein um
Kinder. Die Rechte dieser schwächsten Mitglieder der Gesellschaft
gehören immer da geschützt, wo sie angegriffen werden. Der Trend geht
hin zum Totalitarismus in Deutschland, und das zeigt sich zuerst – es
war nie anders- im Umgang mit einer schützenswerten Minderheit. Er
erfasst schon jetzt alle Lebensbereiche, die Kinder betreffen. Noch
können sich alle anderen einbilden, der Staat würde vor ihnen
haltmachen. An den Kindern jedoch ist der Besitzanspruch des Staates vor
der Freiheit der Menschen erhoben: Zwangssprachtests an unbelasteten
Kleinkindern, Früheinschulung von Kindern mit Spiel- und Bewegungsdrang,
verpflichtende ärztliche Untersuchungen am Körper des Kindes undsoweiter.
Danach, gebrochen und in diese Erwachsenenwelt „nicht integrierbar“,
warten Elternentzug und dann demnächst Erziehungslager. Das wären alles
Themen für den Kinderschutzbund! Stattdessen vermutet man dort:
„Möglicherweise gibt es auch zuviel Respekt vor der Autonomie des
Einzelnen." (siehe Webseite des Deutschen Kinderschutzbundes,
Pressemittelung: "Es reicht: Task Force"). Weiß Professor Dr. Hubertus
Lauer, der verantwortlich zeichnende Vizepräsident des Deutschen
Kinderschutzbundes, wohin ein solcher Satz führt?
Es ist bitter, dass vom Kinderschutzbund
so etwas zu hören ist. Der unersättliche Kontrollstaat ist der Feind der
Kindeswohls. Tut da was!
Verkrustete Gesetze in Frage stellen
Interview mit Jan Edel, Autor des Buches
„Schulfreie Bildung. Über die Vernachlässigung schulfreier
Bildungskonzepte in Deutschland“ (edition octopus)
Librikon:
In Ihrem Buch „Schulfreie Bildung“
plädieren Sie für den Mut zur Buntheit – mit Homeschooling solle eine
weitere Bildungsform die Schullandschaft bereichern. Das ist völlig neu
für viele Leser; mit Schulpflichtgegnern werden im allgemeinen wirre
religiöse Fanatiker assoziiert. Warum glauben Sie, dass Homeschooling
auch in der Mitte der Gesellschaft ankommen kann?
Jan Edel:
Die Sorge vor religiösen Fanatikern unter
den Schulbesuchsgegnern halte ich für stark übertrieben und wurde von
deutschen Medien für höhere Auflagen gern missbraucht. Natürlich gibt es
auch im an sich sehr inhomogenen Bereich schulfreier Bildung extremere,
weltanschauliche Positionen. Die stehen aber eher für eine gesunde,
friedliche Pluralität und haben auch nur selten mit der Motivation für
freies Lernen zu tun. Sie sind hier weder gewaltbereit noch fähig zur
Herausbildung gefährlicher Parallelgesellschaften, vor denen im Kontext
Homeschooling ausgerechnet von Schulministerialräten gewarnt wurde.
Schon wegen der vereinzelten Familien war dieser Angst absurd und völlig
unberechtigt.
Man muss eigentlich sagen, dass diese
Bildungskonzepte längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.
Nur eben in unserem Land nicht. Als alternativer Bildungsweg statt
Schulbesuch werden sie weltweit sogar staatlich geregelt und anerkannt.
Ich orientiere mich daher schlicht an den Entwicklungen anderer
Industrienationen. Wenn Kinder dort durch eigenverantwortlich erworbene
Bildung für ihr Leben profitieren, werden auch Kinder in unserem Land
davon profitieren können. Warum sollte in Deutschland staatlich sogar
noch bestraft werden, was weltweit zwar nicht immer unterstützt, aber
zumindest überall geduldet wird?
Librikon:
Die Unzufriedenheit mit den staatlichen
Schulen ist groß, und es ist längst common sense, dass Eltern auf die
Schullaufbahn ihrer Kinder soviel Einfluss zu nehmen versuchen wie nur
möglich. Gegenläufig, aber zeitgleich greift der Staat auch bei denen,
die sich gar nicht gegen das staatliche Bildungssystem sträuben, immer
stärker in die Freiheit der Familie ein – Vorverlegung des
Einschulungsalters, Zwangssprachtest für Nicht-Kindergartenkinder,
verpflichtende Ganztagsschulen. In der Bevölkerung verstärkt sich das
Gefühl, dass sich zunehmend eine Staatsbürokratie gegen die Menschen in
Stellung bringt. Für Homeschooling findet sich bisher keine Heimat im
politischen Spektrum. Die Sozialdemokraten betreiben Schulpolitik als
Sozialpolitik, da sind Familien nicht gefragt, die Liberalen, eigentlich
prädestiniert für das Thema freiheitliche Bildung, schweigen, aus den
Reihen der Konservativen kommen unerbittliche Richter. Welche politische
Kraft also sollte sich für Homeschooling einsetzen?
Jan Edel:
In erster Linie sind Selbstbestimmung oder
die Art der Bildung ein Menschenrecht. Das haben immer wieder
hochrangige Politiker oder auch die UN angemahnt, zuletzt der
Sonderberichterstatter der UN für das Recht auf Bildung Herr Prof. Dr.
Munoz nach seinen Deutschlandbesuchen. Und auch Deutschland klagt mutig
über staatliche Übergriffe und Menschenrechtsverletzungen, zumindest in
China oder Russland. Aber kaum jemand regt sich in Deutschland darüber
auf, wenn alle Familien pauschal und zentralistisch für verschiedene
staatliche Bildungsvorgaben vereinnahmt werden, während selbst in
Russland z.B. Homeschooling seit 1991 sogar staatlich unterstützt
möglich ist und selbst Putins beiden Töchter teilweise schulfrei lernen
durften.
Eigentlich sollte viel mehr Dampf von
deutschen Eltern ausgehen. Es sind schließlich die Menschen mit Kindern,
die den Staat „bilden“ – nicht umgekehrt. Aber selbst wenn viele Eltern
aufwachen, kann das Recht auf selbst bestimmte Bildung nicht der Willkür
einer Mehrheit unterworfen sein. Öffentliche Schulen und deren
Finanzierung sind Sache der staatlichen Gemeinschaft und obliegen ihrer
Aufsicht. Bildung bitte nie mehr und niemals!
Librikon:
Das Zentralabitur ist auf dem Vormarsch,
seit PISA werden Vergleichsstudien angefertigt, es gibt Schülerrankings
– das alles würde Homeschooling unterstützen, wenn sich die Familien auf
Vergleiche einließen. Wäre es nicht denkbar, dass Homeschooler einfach
die staatlichen Prüfungen mitschreiben und so auch zu Schulabschlüssen
kämen? Wie stehen Sie zu Bildungspflicht statt Schulpflicht?
Jan Edel:
Ja, Eltern müssten wieder mehr ihre
Bildungsverantwortung spüren dürfen. Dagegen brauchen ihre Kinder und
Jugendlichen alle Freiheit zum Lernen und keinen staatlichen Zwang –
auch nicht zum Schulbesuch. Für sie gilt letztlich nicht, wie, wo und zu
welcher Tageszeit sie ihre Bildung erlangen. Und nichts zählt in unserer
Zeit bald mehr als Eigenverantwortlichkeit, Persönlichkeit,
Selbstständigkeit oder ein klarer, unabhängiger Blick. Solche
Eigenschaften und Fähigkeiten werden aber kaum in einer Abschlussprüfung
beurteilt. In den USA, die uns in Sachen Bildungsfreiheit etwa 25 Jahre
voraus sind, vergleicht man an einigen Universitäten seit 10 Jahren
Schulabgänger mit Homeschoolern. Der durchschnittliche Abstand bei den
akademischen Leistungen der Homeschooler hat sich jährlich sogar noch
vergrößert, wie einer der größten US-Homeschool-Vereine kürzlich die
Studienergebnisse beurteilte. Dass Homeschooler bezüglich sozialer
Kompetenz und Lebenszufriedenheit klar im Vorteil stehen, wurde z.B.
bereits an einer breit angelegten Vergleichsstudie mit 7000
Homeschoolern nachgewiesen.
Konkrete Lösungen für Familien, die sich
in Deutschland frei bilden wollen, gäbe es viele, auch wenn man den
staatlichen Anspruch an Einfluss nicht aufgeben mag. In meinem Buch
werden einige dieser Lösungen besprochen. Die wohl gangbarsten Lösungen
bei uns wären Fernlernsysteme oder das Stammschulprinzip.
Librikon:
Welche Vorteile hat das Kind, welche haben
die Eltern durch Homeschooling?
Jan Edel:
Die Antwort hier ist sehr individuell und
kann pauschal nicht in der Kürze gegeben werden.
Das Interesse an Schulalternativen wächst
bei Eltern wie Kindern meist vor einem sehr speziellen Hintergrund wie
z.B. ADHS, Multilingualität, Hochbegabung, Teilbehinderungen, Mobbing,
ungünstigen Schulbedingungen oder Lernschwächen wie Legastenie oder
Dyskalkulie. Das persönlicher und wesentlich individueller gestaltete
Bildungsangebot außerhalb des Schulsystems führt nach Befreiung schnell
zu Erfolgen.
Eltern haben oft, wenn sie noch unerfahren
und alleine dastehen, erst einmal Mehraufwand. Manche Eltern wie Kinder
orientieren sich möglicherweise zu lange an schulischen
Organisationsformen und mögen zu sehr im ständigen Konkurrenzkampf
verhaftet sein, bevor die Vorzüge des informellen und
selbstverständlichen Lernens in Familienverbänden, Reisen, Besuchen und
Unternehmungen zum tragen kommen. Der Erfolg beim Lernen und in der
sozialen Verbindlichkeit der Kinder und vor allem die größere Kontakt-
und Reflexionsebene zwischen Erwachsenen und Kindern schweißt eine
Familie bis ins hohe Alter zusammen und vermag allen Beteiligten mehr
Erfüllung und Lebenssinn zu schenken.
Librikon:
Ihr Buch ist von großem Engagement
getragen. Welche Leser wünschen Sie sich? Und was sollen sie aus der
Lektüre mitnehmen?
Jan Edel:
Das Buch ist trotz Herzblut eine Art
Kompendium. Auch wenn ich vielfach Politiker, Entscheidungsträger und
andere Verantwortliche vor Augen habe, ist für jeden, der sich mit
Bildung, Familie und Kindern beschäftigt, etwas dabei. Ich möchte mit
diesem Buch aufrütteln, zum Nachdenken anregen – was ja bedeutet sich zu
bilden - und verkrustete Gesetze in Frage stellen, damit unser
Bildungssystem in Deutschland wieder frei für uralte, wieder neue
Bildungskonzepte wird. „Entlassen wir unser Bildungssystem in die
Freiheit“, wie vor einem Jahrzehnt Altbundespräsident Roman Herzog noch
vergeblich flehte.
Das
Buch „Schulfreie Bildung. Über die Vernachlässigung schulfreier
Bildungskonzepte in Deutschland“ von Jan Edel ist sehr informativ und
empfehlenswert. Einmalig unter den Büchern zum Thema ist der hohe
Praxisbezug für Deutschland.
ISBN:[978-3-86582-511-7]
Edition Octopus, Softcover, 302 Seiten
16,80.-
Zur Ordnung, zur Mitte!
Eine Polemik von Orange Ian Ginsborough
Ausdrücke fallen hier auf erhitzen Boden,
Ausdrücke sogar verwendet von einer Familienministerin, einer Ministerin
für die Frauen.
„Schnapsgeld“ ist da auf der einen Seite,
„Herdprämie“ auf der anderen Seite zu hören, und erläutert wird das
Ganze damit, dass Mütter sich doch nur Flachbildschirme kaufen würden
anstatt Geld für ihre Kinder auszugeben. Das Bild, das da an die Wand
geworfen wird, ist das der Mutter, die nur ihren eigenen Egoismus
auslebt. Was für eine Diffamierung, die von der Öffentlichkeit einfach
hingenommen wird! Man weiß von Müttern, die ihr Leben geben, in Krieg
und Frieden, für ihre Kinder. Geld versaufen? Der Verein „Mütter für den
Frieden“ verbindet Mütter, die kein Leid mehr wollen! Und wie viele
Mütter können davon erzählen, wie anders, wie mitfühlend sie nach der
Geburt eines Kindes das Elend anderer Menschen sehen. Geld versaufen?
Mütter sitzen nicht aus Spaß an der Kasse bei Lidl. Sie wollen ihre
Kinder ernähren. Sie tun das für ihre Kinder. Egoistische Mütter?
Verschwindend wenige.
Warum diese Kälte? Weil es hätte passieren
können, dass Familien etwas kosten?
Ganz anders klingen die Formulierungen
nämlich, wenn Familien dem Staat Geld einbringen sollen. Dann zirkuliert
die „Herdprämie“. Dann sind Frauen plötzlich gut ausgebildete,
selbstbewusste, sich selbst verwirklichende Mütter, alles Ärztinnen und
Anwältinnen, denen man nichts vorenthalten darf.
Für beide soll es Krippen geben – eine
Diskussion, in die ich gar nicht eingreifen will. Keine Ideologie, die
ist mir fern! Aber eine Klarstellung: Hier werden zwei Extremfälle
benutzt, es wird die Minderheit zur Mehrheit erklärt: Weder egoistische
Dauerglotzerinnen und selbstbewusste Ärztinnen sind das Gros der Mütter
in Deutschland. Die Realität ist kein Extremfall. Hilfreich aber ist nur
die Betrachtung der Mehrheit, nur kann man damit keine populistischen
Sprüche klopfen.
Politiker, die sich einer solchen Sprache
bedienen, gehören zur Ordnung gerufen. Sollten sich dahinter wirklich
ihre Ansichten verbergen, müssen sie ihre Posten räumen. Denn egal ob
mit oder ohne Kind, hier wird Frauen das menschliche Antlitz genommen.
Über die Mütter werden Frauen diffamiert, über Randgruppen wird die Tür
zu einem abstoßenden Horrorkabinett namens Frauen geschaffen.
Wo Frauenfeindlichkeit draufsteht, ist
auch Frauenfeindlichkeit drin!
Benutzte Kinder: Die ausgedachte Mitte
Ein
Kommentar von Martina Müller
Lesen sollen die
Kinder, heißt es allerorten, lesen! Aber nicht auf dem Schoß der Eltern,
so schlicht darf’s in der hochentwickelten Marktwirtschaft nicht sein,
sondern irgendwo, wo sich dadurch Geldströme und Dienstleistungen
ergeben. Dieses Irgendwo wird hemmungslos genau definiert: Dort, wo die
Kinder als Klammer benutzt werden sollen zwischen gesellschaftlichen
Bildungsschichten. Die Kindergärten und Schulen sind natürlich ein
Abbild der Gesellschaft, deshalb geht es dort ja hart und unfair zu. Nun
ist plötzlich allerlei Gruppen, die um ihre gemütliche Zukunft bangen,
eingefallen, die deutsche Gesellschaft dürfe nicht zersplittern, Kinder
dürften nicht früh selektiert werden, die Schlauen und Reichen sollten
nicht den öffentlichen Schulen verloren gehen. Da müssen nun die Kinder
herhalten für den Traum einer Mitte der Gesellschaft, die an anderen
Stellen –wenn es Erwachsene etwas kosten soll!- kurzerhand schießen
gelassen wird. Ohne einen Gedanken an das Kindsglück zu verschwenden,
ist ihr Kinderleben dafür gerade gut genug. Von den Damen und Herren,
die gedankenlos den Dinosaurier „Öffentliche Ganztagsschule im Sprengel“
durchs Dorf jagen, ist nicht bekannt, welchen Beitrag sie zum Erhalt der
gesellschaftlichen Mitte leisten. Sie werden nicht darum herumkommen
einzusehen, dass sie sich ihre rosigen Wünsche etwas kosten lassen
müssen. Sie werden akzeptieren müssen, dass Kindern aus ärmeren Familien
Geld zusteht, und zwar Geld, das selbstverständlich die
erziehungsberechtigten Eltern erhalten, um die Situation ihrer kleinen
Gemeinschaft zu verbessern. Es ist das Gedankengut einer
Single-Gesellschaft, die Konsum rein für sich allein kennt und der es
fremd ist, dass Kinder und Eltern selbstverständlich an einem Strang
ziehen, aus einem Topf essen. Was für eine Idee, die Familie bei
Finanzleistungen zu zersplittern! Aber mehr: Die Damen und Herren werden
die freie Schulwahl akzeptieren müssen, sie werden mit Müttern und
Vätern rechnen müssen, die weder ihre Kinder noch ihre Kraft in nur und
einzig von ihnen verlangte Opfer stecken werden. Wer die Mitte der
Gesellschaft retten will, dem bleibt lediglich, die Familien aus dem
Würgegriff zu nehmen. Ihr durch finanzielle Entlastung und Freiheit in
der Bildung Gestaltungsspielraum zu geben.
Der
ganz andere Standpunkt:
Frühförderung und Kinderarbeit
Eine
Polemik von Ian Orange Ginsborough
Sind die Diskussionen
in den intellektuellen Kreisen der Neuen Welt Europa um Längen voraus?
Die Hysterie um die
Frühförderung von Kindern ist – gerade in Deutschland – in eine
erschütternd rückschrittliche Phase getreten. In Kanada und den USA gibt
es Zirkel, in denen „Frühförderung“ längst die Maske vom Gesicht
gerissen wurde. Zu sehen ist dann die Fratze der Kinderarbeit.
Die Parallelen von
Frühförderung und Kinderarbeit sind offenkundig. Beides entspringt
denselben Beweggründen: Gier, Egoismus, ein inhumanes Kindheitsbild.
Denn die Entwicklungsphasen des Menschen werden bei beidem nicht mehr
respektiert, werden systematisch unterdrückt. Spielen? Nicht vorgesehen!
Freisein? Nicht eingeplant! Jedes Jungtier darf, ja, muss im Spiel sein
soziales Verhalten erlernen – aber die Kinder in der kapitalistischen
Gesellschaft sollen, vom Staat und den Erwachsenen in Korsetts gepresst,
kein einziges Jahr ihrer Kindheit einfach nur Kindsein.
Aus welchem Interesse
kommt der Staat darauf, Kinder 1 bis 1 ½ Jahre früher zur Schule zu
schicken? Aus rein volkswirtschaftlichen Überlegungen: Die
Kleinkindbetreuung wird um ein Jahr verkürzt, das spart Geld und bringt
mehr arbeitende Eltern. Die Kinder sind früher mit der Schule fertig und
sollen ins Arbeitsleben geschickt werden. Die wenigen Kinder dürfen sich
nicht entfalten, sondern müssen der Mehrheit der Älteren dienen.
Alles gutbekannte
Gründe aus Staaten, die Kinderarbeit nicht verbieten! Die Kinder, die in
Pakistan Teppich knüpfen, müssen das tun, um den Exportzahlen, der
volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, der gesellschaftlichen
Wertschöpfungskette zu dienen. Nichts anderes, als der deutsche Staat im
Sinne hat.
Niemals das
Kindeswohl!
Vielleicht muss das
ein Staat auch nicht im Sinne haben, werden manche einwenden. Aber die
Menschen in dem Staat, was ist mit denen? Warum fordern sie so aggressiv
Frühförderung?
Sie denken an ihren
Lebensstandard, sie denken an ihre Renten. Kindesglück spielt für ihre
Ziele keine Rolle. Sie wollen den Kindern von heute nicht zugestehen,
was sie selber hatten: Eine unbeschwerte Kindheit voller Spiel und Spaß.
Genau das ist auch ein Funktionsprinzip der Kinderarbeit: Wer sie
erzwingt, musste selber nie unter diesen Bedingungen arbeiten. Beide,
Frühförderung und Kinderarbeit, greifen sich das kleinste und schwächste
Glied der Gesellschaft heraus. Und das aus niedersten Instinkten. Nur an
sich selber, an ihren eigenen Status denken sie. Da ist jedes Mittel
recht.
Was verbindet
Kinderarbeit mit „Frühförderung“?
Beides sind Feinde von
dem, was Kinder gern machen: Spielenspielenspielen.
Beides ist
Freiheitsberaubung, da darf man sich von hellen, sauberen Räumen nicht
täuschen lassen!
Beides ist ungesund,
weil nur Spiel und Spaß für kleine Kinder gesund sind.
Beides raubt
Bildungschancen: Zu früh geförderte Kinder –Experten wissen das längst-
erreichen früher ihr Lernmaximum, haben einen „Burnout“, wenn die
eigentlich beste Lernphase einsetzt. Die Verschiebung ihrer Lebensphasen
zerstört ihre persönliche Entfaltung.
Wenn Eltern bei Ikea
stehen und sich bei jedem Teppich erkundigen, ob er nicht durch
Kinderarbeit entstanden ist, mögen sie einmal ihre Eitelkeit überwinden,
auf ihre Kinder schauen und sich zur Umkehr erzwingen.