home

impressum

das librikon

suche

 

Librikon

 
 
 
             

 

magazin für kinderbuchkultur

 

 

 

 

 

 

 

Eine Frage der Kultur

 

 

 

Feuilleton

 

 

 

Vermischtes

 

 

 

Politik

 

 

 

Wirtschaft

 

 

 

Empfehlungsliste

 

 

 

Willkommen ...

 

 

 

Das Eine Buch

 

 

 

Gerechtigkeit für ...

 

 

 

Freiheit für ...

 

 

 

Evergreens

 

 

 

Leserfragen

 

 

 

Lesen im Grünen

 

 

 

Tipps zum Thema

 

 

 

Werk und Sein

 

 

 

Jugend liest

 

 

 

Freies Geleit

 

 

 

Comics

 

 

 

Bewegte Bilder

 

 

 

Auf der Waagschale

 

 

 

Wider die Leseförderung

 

 

 

Titelseite

 

 

 

Nachbarskinder

 

 

 

Buch von Wert

 

 

 

Hilfe, mein Kind liest...

 

 

 

Einspruch!

 

 

 

Eine Frage der Kultur

 

 

 

Kleiner Simpl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fanatisiert

Auch Jutta Hoffritz weiß, welche Mütter einzig kluge Mütter sind

Von Verena Zürcher

 

Um es gleich vorweg zu nehmen: Es lohnt sich auf jeden Fall, das Buch von Jutta Hoffritz mit dem provokativen Titel „Aufstand der Rabenmütter“ zu lesen. Selbst wenn die Autorin ab und zu ganz schön überdreht daherschreibt.

 

Wer kennt es nicht, das Phänomen, das unser modernes, westliches Leben manchmal so zur Hölle machen kann: Immer mehr, immer besser! Genau diesem Trend nimmt sich die deutsche „Zeit“-Journalistin und Mutter Jutta Hoffritz in ihrem Buch an. „Eine Art Optimierungswahn macht sich breit. Baby-Yoga, Early-English, Experimentier-, Mal- und Musikstunden. Es scheint, als liesse sich die kindliche Software durch fleissigen Kursbesuch frühzeitig auf Glück und Erfolg programmieren. Das Ergebnis jedoch ist Stress für Mütter und Kinder.“

Wie Recht sie hat, die Autorin!

Kaum schwanger, beginnt für viele werdende Eltern – insbesondere aber für die Mütter – der Stress. Werbefluten, Ängste, gut gemeinte Ratschläge von überall machen es schier unmöglich, sich auch nur ansatzweise auf den eigenen Mutterinstinkt zu verlassen. Und wer bei all dem Getue nicht mitmacht, hat bald einmal den Ruf, eine Rabenmutter zu sein.

Schlüssig und humorvoll gelingt es der Autorin, die Lesenden an ihren Titel heranzuführen, ihre Motivation und ihre Gedanken zum Thema zu beschreiben. Belegt sind die leicht lesbaren Texte mit fundierter Recherche, historischen und politischen Streifzügen und Zitaten aus Erziehungsratgebern. Immer wieder erlaubt die Lektüre ein Schmunzeln, auch darum, weil man gerade als Mutter das eine oder andere Déjà-vu hat.

Das kennen wir doch, das Geplapper übers Durchschlafen. Die Kämpfe mit dem Sauberwerden. Die ewigen Vergleiche, wenn eine Horde junger Mamas am Sandkasten sitzt. Ganz heftig geht die Autorin mit all den findigen Werbe- und Wirtschaftsleuten ins Gericht, welche jungen, durch all das Gerede zunehmend unsicheren Müttern eintrichtern, dass ein Kind nur dann glücklich und gut aufwachsen kann, wenn Mama möglichst viel ins Kleine investiert. Zeit ja, auch, aber vor allem Materielles und Unmengen an Kursgeldern.

Die Autorin geht dabei soweit, dass sie behauptet, dass dieser ständige Druck, ein richtiges „Vollzeit-und Vorzeige-Mami“ zu sein, schuld daran ist, dass deutsche Frauen die Lust auf Kinder gründlich verloren haben.

Darum propagiert Hoffritz lautstark das Rabenmutter-Dasein, ist unüberhörbar sehr emanzipierte Verfechterin einer arbeits- und karrierebewussten Frauenwelt. Das ist alles gut und recht und wie gesagt, das Buch hat einen großen Unterhaltungswert, trifft manch einen Nagel voll auf den Kopf. Nur: Das Fanatische, welches die Autorin anderen Verfechtern von Theorien und Praxen vorwirft, findet sich bei Hoffritz leider auch. Auch sie ist überzeugt von ihrer Ansicht, meint, nur Mütter, die auch noch arbeiten gehen, seien wirklich kluge Mütter. Ob das nicht jede Frau selber entscheiden sollte, ob sie lieber Rabenmutter oder Vollzeit-Mama ist? Und abgesehen davon: Chancengleichheit ist leider nicht nur in der Schule ein wunderbares Wort, welches ein ideales Ziel repräsentiert, nie aber der Realität entsprechen wird.

Eines aber ist gewiss: Kinder gedeihen nicht dank Baby-Yoga und Early-English besonders gut. Kinder bräuchten Eltern, die auch mal den Mut haben, sich auf den ureigenen Instinkt zu verlassen! Und da kann das Buch von Hoffritz helfen, sich dem allgegenwärtigen Wahnwitz der Zeit/Gesellschaft auch mal mutig entgegenzustellen.

 

Jutta Hoffritz:

"Aufstand der Rabenmütter – Warum Kinder auch ohne Baby-Yoga und Early-English glücklich werden"

Knaur 2008

200 S., Euro 8,95

 ISBN: 978-3426780923

 

Die Rezensentin ist Journalistin, Buchautorin und Verlegerin.

 

 

 

Noch weniger helfen Schuldzuweisungen

Hans Joachim Maaz: " Wenn wir wieder fühlen können"

Von Susan Müller 

 

Wer hat sich schon mal wirklich mit dem Begriff „Mütterlichkeit“ auseinandergesetzt? Bestimmt haben wir alle schon gehört, „die hat so eine mütterliche Art“, aber was verbirgt sich dahinter und wie verbindet es sich mit dem bekannten Buch „Lilith-Komplex“? Wer das frühere Werk von Autor Hans-Joachim Maaz nicht gelesen hat, wird damit vielleicht nichts anzufangen wissen, aber es lohnt sich ungemein, anhand des zweiten Buches, "Wenn wir wieder fühlen können", in dem eine Journalistin dem Psychiater Maaz Fragen stellt, die er ausführlich beantwortet.

Maaz erklärt Dinge, die wir bisher niemals mit uns in Zusammenhang gebracht haben wollten, die wir verstecken, nicht zuletzt vor uns selbst, frei nach dem Motto: „Was nicht sein darf, kann nicht sein“. Wir -benutze ich stellvertretend für Mütter und Väter - wären gern perfekt, aber wer das Buch gelesen hat, weiß, das perfekt ein dehnbarer Begriff ist, denn er macht klar: Wenn wir dem Kind gut tun, ihm unsere Liebe mit Ecken und Kanten, die sie beinhalten kann, zeigen und spüren lassen "in guten wie in schlechten Zeiten“, dann ist dem Kind für seinen späteren Lebensweg sehr geholfen. Weitaus mehr als mit 24-stündiger Anwesenheit, die aber kein „ich-bin-für-dich-da“ vermittelt. Noch weniger helfen Schuldzuweisungen oder das Übertragen der eigenen Unzulänglichkeit auf andere. Die sollten wir bei uns selbst erkennen und daraus Begrenzungen abstecken, die, verständlich erklärt, dem Kind von Nutzen sind.

Maaz bringt als zusätzlich interessanten Aspekt den Staat und dessen "Mütterlichkeit" ins Spiel, und es ist faszinierend zu erkennen, wie unter dem Deckmantel dieses Begriffes Machtkämpfe und politische Einflüsse einhergehen. Zum Spielball fremder Interessen sollte sich keine Mutter machen lassen.

Die Journalistin hat ihre Fragen präzise und verständlich gestellt und die Antworten sind ohne überflüssige Erklärungen gegeben. Dieses Buch ist in den gegenwärtigen Diskussionen, in denen niemand mehr weiß, was Eltern zu tun oder zu lassen haben, von großem Nutzen - Maaz zeigt, dass auch Mütter einfach sie selbst sein und mit reinem Gewissen durchatmen dürfen und auch sollen.  

 

Hans-Joachim Maaz und Ingeborg Szöllösi:

Wenn wir wieder fühlen können. Auswege aus dem Lilith-Komplex

Herder Verlag 2007

157 S., Euro 12,90

ISBN 978-3451283147

 

 

 

 

Bilanz: Zehn Jahre frühkindliche Bildungsdiskussion

Mit was für Kindern wir es jetzt zu tun haben

Von Lennart Ragmann

 

Wir können nun auf fast ein Jahrzehnt „Frühkindliche Bildung“ zurückblicken und eine erste Bilanz wagen. Das Thema hat einschlägigen Forschungsinstituten zu Namen, Rang und Geldern verholfen. Das Deutsche Jugendinstitut in München ist zu neuer Blüte gebracht worden. Früher durch ausgewogene Beurteilungen und Unabhängigkeit bekannt, ist seine Beratung heute bei Politikern gefragt, seine Forschung, vorgegeben und vorhersagbar, wie es ein kirchliches oder parteiliches Institut nicht besser machen könnte, ist trendy geworden. PISA hat viele neue Arbeitsplätze geschaffen, die Kinder, Lehrer, Schulen blindwütig, aber fleißig evaluieren. Autoren durften schreiben, was jeder Menschenkenntnis widerstrebt. Die einen halten es für Offenheit und Bildung, wenn Kinder ein chinesisches Schriftzeichen aufmalen, die anderen fordern Tugenden, die anständige Menschen noch nie als Tugend hatten. Bestseller waren viel dieser Bücher.

Das ist die Bilanz, was die öffentliche Seite betrifft.

Dann muss noch die private Seite, müssen noch die Kinder betrachtet werden.

Den Kindergarten alter Schule können sie nicht mehr besuchen, ihn darf es nicht mehr geben. Sie müssen englische Worte reden, Sprachtests ablegen, naturwissenschaftliche Experimente machen, Teamfähigkeit beweisen. Das einzige, was sie gebraucht hätten, Geborgenheit, keine Hetze, ruhige, sichere Betreuerin, die mit Kindern umgehen können, haben sie nicht mehr kennengelernt. Von da aus sind sie in die Schulen gekommen, oft ein Jahr zu jung dafür, um zu verstehen, dass sie nun Antworten zu geben haben. Schnell hat sich gezeigt, dass sie von Reife und Vorgeschichte nicht imstande sind, konzentriert eine Schulstunde durchzuhalten. Die Mehrzahl der nach der die neuen öffentlichen Meinung erzogenen Kinder kann die Leistung, die von ihr verlangt wird, nicht erbringen, aber darüber wird natürlich hinweggegangen. Sie stehen unter Druck, alles an ihnen wird bewertet, von individueller Findungsmöglichkeit keine Spur. Der kurze Nachmittag ist für die geplanten Hobbys verplant. Schule ist schließlich Schule geblieben; für die speziellen musikalischen oder sportlichen Vorlieben ist kein Platz. Diese Kinder sind geistig vollgepropft, sie wissen weder ein noch aus. Die frühkindliche Bildung hat aus ihnen nervöse, nicht aufnahmefähige, entwicklungsgehemmte Wesen gemacht. Kein Forscher und Politiker spricht mit denjenigen, die diesen Kindern, die nichts anderes als Opfer wehrlos einer Ideologie ausgelieferten Eltern sind, etwas beizubringen versuchen. Keine halbe Stunde vergeht mit den in den letzten Jahren herangezüchteten Kindern, die sie nicht aufspringen, weinen, schreien oder, je nach Reaktionsart, apathisch werden. Sie erkranken häufig, haben keine Interessen, keine Kräfte, das Leben zu gestalten. Perspektive: Aus vielen Gründen berufsunfähig.

Die Gruppe Eltern, die sich aus gutem Grundgefühle ihren Kindern gegenüber wehrt, ist nicht klein. Ihre Kinder werden nur in sehr ausgewählte, niemals dem gewünschten Kriterienkatalog entsprechende Kindergärten geschickt oder sie bleiben ganz zuhause. In den Schulklassen halten sie das Niveau hoch, doch der Preis, den sie dafür zahlen, wird vielen Eltern von Jahr zu Jahr zu hoch. Ihre Wissbegierde, ihre Lebensfreude verfällt. Freie Tag und Ferien sind der rettende Anker, der den Kindern und ihren Familien den Atem gibt, den Staat und seine Auswirkungen zu ertragen. Andere Tätigkeiten außer Kindererziehung, die zu einem Kinderauffangen geworden ist, sind für die Mütter dieser Kinder unmöglich geworden. Sie müssen für die hochtrabenden Pläne der Politiker und Politikberater zurückstecken. Früher selbst verständliche Kulturbeschäftigungen der Kindheit wie Klavier, Geige, Tennis, Turnen müssen wegfallen, um Ruhe und Stabilität in die Kindergemüter zu bringen. Diese Gruppe an Familien wird gezwungen, unter ihren Möglichkeiten zu bleiben. Ihre Kinder lernen als erstes, dass sie nur durch eine höchst individuelle, isolierte Lebensweise glücklich werden. Perspektive: Sie haben weniger Fähigkeiten als nötig, sie haben ein besonderes Gespür für das Ausgenutztwerden und sind als Erwachsene nicht bereit, sich vor den Karren spannen zu lassen.

Die Jahrgänge ab 1995, die unter dieser Bildungspressmaschine aufwachsen, werden in fünfzehn Jahren als staatsfinanzierende Bürger passen müssen.

Verantwortungsbewusst handelt nur, wer endlich deutlich macht, dass abgewürgte Kindheiten neurotische, ewig von anderen abhängige Menschen hervorbringen.

 

 

 

 

Drecksarbeit, umsonst geleistet

Mütter und ihr Rentenanspruch

Von Ricarda Hochländer

 

Was nicht bezahlt wird, hat auch keinen Wert – das ist kapitalistisches Grundwissen, und nur wenn es um Mütter geht, wird salbadert, werden Sinn und andere Gummiparagraphen bemüht, um sie bloß auszuklammern. Auf dass die Mütter nur nicht merken, dass ihnen mehr zusteht als allen anderen in der Gesellschaft. Aber sie sollen ja gerade als einzige nicht ökonomisch rational handeln. Sie sollen stumm dastehen, von allen behandelt, wie man eben behandelt wird, wenn man ganz am Ende der Nahrungskette steht.

Aber sich an ihrer Leistung gütlich tun, das wollen alle, die ihr Leben lang auf Mütter und Hausfrauen heruntergeschaut haben. Erst werden die Mütter ausgesaugt, dann die Kinder, die sie groß gezogen haben. So macht es die Industriegesellschaft vor, so machen es die Männer, die angeblich das Geld verdienen, nach, so erfinden sich Karrierefrauen eine Position in einem kranken System. Wenn aber einer von ihnen –in welcher Hinsicht auch immer- bedürftig wird, dann greifen sie eiskalt und ohne die Leistung zu belohnen, auf die Kinder zurück, die die Mütter unter Mühen und Verzicht versorgt haben.

Mühe und Verzicht – die müssen in barer Münze vergolten werden, und zwar von den anderen, den Nutznießern. Stattdessen ist die Mitteilung über die Rentenhöhe, der schöne Computerausdruck der Deutschen Rentenversicherung, immer wieder ein Schlag ins Gesicht, ein Beweis, wie unendlich dumm man ist, sich als Mutter seine Leistung nicht bezahlen zu lassen – als einzige in dem Land.

Da kommen zum Beispiel bei einer vierfachen Mutter knappe 240 Euro zusammen, bei einem angestellten Mann 1700 Euro. Die Konsequenz ist klar: Nur wer arbeitet, darf auch essen. Mütter sind nichts wert. Das ist die Botschaft, die alle aussenden, die Frauen nur in Arbeitsverträgen akzeptieren. Die Zahl der Feinde wächst. Zu den arroganten Ehemännern, die Frauen, als sie noch Kinder waren, schon als Väter erlebt haben, kommen nun die Marktgläubigen, die andere als geldbewertete Leistungen verachten.

Recht haben sie! Man sieht am Pflegenotstand, was passiert, wenn Frauen die Arbeit einfach nicht mehr machen. Mütter müssen in diesem System, das auf Generationenverträgen fußt, die höchsten Renten überhaupt erhalten. Wenn ihnen das weiterhin verweigert wird, sollten sie ihre Kinder so erziehen, dass die sich später nur um ihre Mütter und um niemanden sonst kümmern werden.

 

 

 

 

Hohepriester des gesunden, guten Lebens

Was alles, wer alles schlechten Einfluss auf unsere Kinder hat

Von Miriam Schneider

 

(librikon) Aus totalitären Staaten ist es uns wohlbekannt: Das Totschlagargument für jede Freiheit, der „schlechte Einfluss auf Kinder“. Nun hören wir es andauernd auch aus demokratisch berufenem Munde, alldieweil Zigaretten, Drogen, Alkohol, Übergewicht, schlechte Berufschancen, Armut, Sprache, TV undsoweiter bekämpft werden müssen. Alles muss weg, lautet die Devise, was für Jugendliche schlecht sein könnte.

Natürlich über Verbote. Die Erwachsenen und alle Eltern mit Kindern müssen ans Gängelband, die einzige Lösung. Dass sich die Jugend dadurch nicht verbessern lässt, in dem man nie an die Wurzel des Übels geht, weiß jeder, aber sagt niemand. Denn dann müssten die Volksgesundheitsbeter an sich selber heran. Es ist ihre innere Haltung, die von Sinnsuche geprägt ist und sie wie alle Sektierer in der Unterjochung Schwächerer, gar Schutzbefohlener, wie es die Kinder sind, findet.

Den Parteigängern der Polit- und Bürokratiemaschinerie genügen Wellnessurlaube nicht mehr, je älter die Hohepriester des gesunden, guten Lebens werden, desto mehr Wunsch nach einer echten Erfüllung haben auch sie. Weltuntergangsszenarien leihen sie sich von Tyrannen: Ohne mich landen wir in der Vorhölle, das ist ihre für sie frohe Botschaft. Dabei ist es ihre Angst vor dem Nichts, vor der Spurlosigkeit, die sie hinterlassen. Zur Überwindung benötigen sie solche, die sie bekehren können, und wenn die nicht wollen, dann eben mit Gewalt.

Der Blick auf sie, die in der Bundesrepublik im Moment das Sagen haben, macht unruhig und gibt keinen Halt. Sie sind das schlechte Vorbild für die jüngere Generation, die realistische Vorbilder, mit Lastern, aber auch mit einer würdigen Lebenshaltung brauchen.

Doch wer hat sich da aufgeschwungen, alle zu maßregeln, die ihren Zielen, die die der Retter und Rächer sind, nicht folgen wollen? Solche, die sich vorne hinstellen und nichts zu sagen haben. Davon, wie man Orientierung gibt, wissen sie nichts. Keine noch so laute Forderung kann diese Leere übertünchen.

 

 

 

 

Zusammenknüllen. Mülltonne

Zwangssprachtests für Kinder

Von Lennart Ragmann

 

Wenn sich Staatsbeamte etwas ausdenken und sich dann auch noch Wirtschaftsunternehmen einmischen, kann nur Kultur dabei herauskommen. Das heißt: Wehrlose zu Sprachtests verpflichten. Klingt doch mal wieder gut, machen wir Politik mit Pseudo-Sozialanspruch auf dem Rücken von "ausländischen Kindern". Sprachtests sollen sie machen! Die Damen und Herren Aktionisten wissen nichts davon, dass Kinder, die besser als die Kindergärtnerinnen deutsch beherrschen, diesen Test machen müssen. Sie wissen nichts davon, dass freie Lebensentwürfe bestraft werden - dass Schriftsteller-Kinder, die nicht in den Kindergarten gehen, getestet werden. Dass zweisprachige Kinder ein ganz anderes, weites Sprachvermögen haben. Ein Gleichmacherstaat - denn ein zu großer Wortschatz, der ist nicht erwünscht. Die Fragen, die die Fünfjährigen zu beantworten haben, sind derart stupide, dass die Kleinen nicht mal "Hotzenplotz" kennen sollten, um gut abzuschneiden. Bestehen - das tun viele Kinder; dann stehen hinterher die Eltern syrischer, türkischer, deutscher, kurdischer, polnischer Abstammung mit dem Wisch in der Hand da: Mein Kind kann sprechen! Bescheinigt. Des Staatsbürger Pflichtenheft wird dick und dicker, seine Rechte dünn und dünner. Und was soll das? Zusammenknüllen. Mülltonne. 

 

 

 

 

Wenig Geld, wenig Prestige - nun dürfen auch Frauen an die Professuren. Ausnahme: Mütter vieler Kinder. Die dürfen nur die Studenten großziehen.

Von Miriam Schneider

 

Der steigende Anteil an Frauen an den Universitäten wird gefeiert als Sieg der Gleichberechtigung. Das könnte er werden, weil es drauf ankommt, was man drausmacht. Die Entwicklung selber verrät eher, dass die Gesetzmäßigkeit, dass Frauen überall dort unterkommen, wo das Prestige sinkt, das Gehalt zu niedrig ist, noch immer gilt. Den Universitäten droht dieselbe Krise wie den Schulen; von der Politik kaputtgespart, kaputtreformiert. Für Männer sind sie kein attraktiver Arbeitsplatz, nun dürfen auch Frauen. Dennoch: Es ist eine Chance. Aber selbst die kann nicht von allen Frauen ergriffen werden. Es sind wenig Mütter dabei. Noch weniger Mütter von mehreren Kindern. Das schwört einen Konflikt herauf, wie ihn die Segmentierung der Gesellschaft vielerorts mit sich bringt: Die Eltern sind aufmerksamer und genauer geworden, sie sind nicht bereit, ihre Kinder anderen Leute zu unterwerfen – die Universitäten werden sich nicht nur vom Personal her ändern, sondern auch von den Studenten her. Hier gibt es kein Muss durch die Schulpflicht. Frauen schauen nicht nur dabei zu, wie andere Frauen auf ihrem Rücken Karriere gemacht haben - auf ihrem Rücken, weil die Karrieristinnen nun die Kinder der anderen zur Berufsausübung benötigen. Wer die Wahl hat, nutzt sie und wird auch aus dem Grund seine Kinder nicht in eine deutsche Universität schicken. Und das ist auch richtig: So lange es in diesem Land eine promovierte Frau mit Kindern gibt, die keine Professur bekommen hat, so lange brauchen den Kinderlosen die Kinder nicht zur Verfügung gestellt werden. Gerechtigkeit durch Boykott – Sie werden sehen: Auch Mütter können kämpfen!

 

 

 

 

Was ist Unordnung?

Anweisungen für Wohnungen, in denen Kinder leben...

Von Lennart Ragmann

 

Die Wertmaßstäbe einer Gesellschaft werden auch im praktischen Alltag geboren. Die Folgen davon, dass viele Menschen in Haushalten ohne Kinder leben, spüren wir auch in dem, was die Mehrheit als Norm akzeptiert. Die Herausforderungen, die ein Haushalt mit mehreren Kindern abverlangt, können sich nur noch wenige vorstellen, und das tägliche Scheitern auch. Gegen die Unordnung anzukämpfen, ist ein Kampf gegen Windmühlen. Es gibt viele, viele Momente pro Woche und pro Tag, zu dem es verheerend wäre, wenn staatliche Kontrolleure die Wohnung beträten. Deren Wertmaßstäbe von Lebensführung sind dem Alltag von Ein-, maximal Zwei-Personen-Haushalten entnommen. Sie wissen nicht, was alles herumliegen, was alles verschüttet werden kann. Ein Staat, der nicht mehr das übergeordnete Recht setzen will, sondern immer tiefer in das Leben seiner Bürger eindringen, es mit unübersichtlichen Regeln durchdringen will, der verlangt nach immer mehr Momentaufnahmen, um zu handeln. Es müssen Anweisungen für Beamte her, wie eine Wohnung, in der mehreren Kinder leben, aussehen darf. Wer Kinder „niederschwellig“ entziehen darf, muss definieren, wie er sich Mobiliar, Unordnung, Geschmacksgrenzen vorstellt. Eine entsetzliche Vorstellung? Aber wir haben es soweit kommen lassen, nun ist es nötig geworden.

 

 

 

 

Schulen vor das Familiengericht!

Endlich: Gesetz zur Erleichterung familiengerichtlicher Maßnahmen

Von Lennart Ragmann

 

Familie ist, wo Kinder sind. Dieser Slogan, den Politiker zur Maxime ihres Handelns gemacht haben, der ist ja wahr. Natürlich werden die Parteien den Begriff überdehnen wie alles, was sie als Themen entdecken. Natürlich wird sich die Schule als Familie bezeichnen müssen, und vom zeitlichen Betreuungsaufwand her stimmt das ebenfalls bald. Verantwortlich sein, jahrelang für die Folgen geradestehen, das bleibt wiederum den Eltern vorbehalten. Ein untragbares Paradoxon.

Deshalb ist das neue Gesetz, dass das Herausnehmen der Kinder aus den Familien erleichtert, ein Fortschritt. Nun können Eltern sich endlich gegen den übermächtigen Staat wehren, der sich einer das Kindeswohl gefährdenden Betreuung schuldig macht. Wer es als den Erwerb von Sozialkompetenz feiert, dass Kindern Gewalt und Angst zugemutet werden, dem gehören schnell und niederschwellig die Kinder entzogen. Die Schulbürokraten müssen der neuen Gesetzeslage zufolge sich binnen Monatsfrist vor dem Familiengericht einfinden und Hilfsangebote annehmen. Tun sie dies nicht, ist bei ihnen ohne weiteren Beweis ihres erzieherischen Versagens kein Kind in Obhut zu belassen.

Dieses Gesetz war überfällig. Die Lufthoheit über die Kinderbetten, forciert von den einen als Staatsgläubige, von den anderen als von Unternehmen vor sich Hergetriebene, hat auch für die neuen Betreuer ihren Preis. Die Kinder können zurück zu ihren Eltern.

 

 

 

 

Schulpolitiker in Angst: Elite denkt mit

Wir brauchen mehr, nicht weniger Schultypen!

Von Miriam Schneider

 

Während Schultypen verschwinden, differenziert sich die Schülerschaft immer stärker. Die Angst vor Intelligenz und Individualismus gebiert eine Schulideologie, die als erste Bastion des langweiligen, verblödenden Angestelltenstaates, der aufrührerische Geister nicht kennt, gelten muss. Sollten sich Staatswesen und Wirtschaft eigentlich voreinander schützen, machen sie gemeinsam gegen die nächste Generation mobil, jeder mit eigener Intention: Bilde parierende Idioten aus, und du hast dein Menschenmaterial.

Selbstverständlich ist das eine Fehlkalkulation, weil Menschen, mit denen Staat und Wirtschaft zu machen ist, nicht nach einem Muster funktionieren. Die verstiegenste Ausbildung kann genau die sein, die Funken in die Firmen bringt. Je mehr literaturmächtige Altsprachler aus den Schulen kommen, denen Hieronymus Bosch mehr sagt als Robert Bosch, desto eher werden Menschen da sein, die die Stirn haben, Unternehmen aufzubauen, die Idealen folgen, die eine Gesellschaft zu binden vermögen. Nur aus erfüllten Kindern werden auch erfüllte Erwachsene. Was wir brauchen, ist eine Trennung nach der vierten Klasse und eine weitere nach der sechsten; was wir brauchen ist eine Vierte Schule, die ein Gymnasium mit alten Sprachen und echtem Bildungsanspruch ist, ohne Technik und Computer, dafür mit Geschichte, Kunstgeschichte, Philosophie, Erdkunde, Biologie; eine Vierte Schule, die langfristige Lehrpläne entwirft und deshalb die Kinder nicht unnötig über die Mittagszeit bei sich festhalten muss.

Was wir brauchen, sind Schüler, die während ihrer Schulzeit zu sich gefunden haben. Genau die bekämen wir durch eine Vierte Schule. Und, um in die Sprache der Bildungszerstörer zu verfallen, diese Schüler würden sich schließlich jedem Wettbewerb, jedem Ranking stellen können. Das ist ja die berechtigte Befürchtung der Schulpolitiker – dass irgendjemand auf die Idee käme, den Begriff „Elite“ wirklich mit Leben zu erfüllen.

 

 

 

 

Hält Diskriminieren zusammen?

Migrationshintergrund: "Wir sind die einen, das sind die anderen"

Von Martina Müller

 

Es scheint eine der Hauptaufgaben der Politik geworden zu sein, die Bürger unter Begriffe, unter diskriminierende Stempel zu bündeln. Je griffiger, desto schöner für die Presse. „Migrationshintergrund“ gehört dazu. Es entspringt dem Denken: Wir sind die einen, das sind die anderen. Das ist eine Wortwahl, die nur darauf zielt, Menschen zu sortieren und zu stigmatisieren. Schlau an ihnen ist lediglich, dass viele glauben, ohne diese Worte – die es Jahrzehnte nicht gab und nicht brauchte – könne man plötzlich nicht mehr diskutieren. „Prekariat“ ist auch so ein Fall. Und am furchtbarsten wird diese Diktion, wenn zwei Begriffe für eine Gruppe zusammenfallen.

Dann sind wir beim „jugendlichen Straftäter“, der angeblich alles ist, nur nicht „so wie wir.“ Aber was das „Wir“ eigentlich umfasst, da schlingern die politischen Redner ja selber. Denn während die stromlinienförmige Allgemeinheit tatsächlich immer kleiner wird, schafft der politische Mainstream ständig neue Außenseiter. Um das glaubhaft zu vermitteln, muss auf ihre Erkennungsmerkmale hingewiesen werden. Mütter, die mit vier Kindern unterwegs sind, kennen wahre Spießrutenkäufe. Junge Frauen mit Kopftuch werden verachtend angestarrt. Lärmende Jugendliche müssen mit Reaktionen umgehen, die sie unverhältnismäßig in Richtung Gesetzesbruch rücken. Familien werden mit geistiger Armut gleichgesetzt und mit (natürlich abwertend gemeint) "Hartz IV". Dunkelhaarige - und da ist er dann wieder, der "Migrationshintergrund"-  sind mit dem Vorurteil konfrontiert, sie würden  morgens vor Spielkonsolen hängen und abends Straftaten begehen.

Das Klima der Intoleranz, des Denunzierens, der Ausgrenzung verstärkt sich und wird immer mehr Gruppen erfassen, wenn wir das Paradox nicht endlich zulassen, dass durch mehr und unterschiedlichere Lebensweisen wieder ein „Wir“ wächst. Einschränkung, Anpassung, Gleichmacherei dürfen keine Ziele mehr sein – sind es für jüngere Leute ja schon deswegen nicht, weil die Gesellschaft in ihrer Feindlichkeit gar kein Ziel sein kann. Wir müssen Familien, Kindern, Jugendlichen die Freiheit zurückgeben, ihr Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten.

 

 

 

 

Jugendlichen das Jugendlichsein verbieten - per Gesetz

Die Altenrepublik macht mobil - heute: Piercing

Von Lennart Ragmann

 

Das Schema ist bekannt: Erst werden die Kosten für das Gesundheitssystem moniert, dann die persönlichen Freiheiten beschnitten. Wenn es sich dann noch um Minderjährige handelt, geht alles ganz schnell: Das muss verboten werden. Aber natürlich nur, wie in jeder guten Altenrepublik, den Kindern. Bei Piercing fallen also nicht die, die es durchführen, unter die Gewerbeaufsicht, bei Schönheitsoperationen nicht die Ärzte, die ohne medizinische Indikation behandeln, sondern es wird einfach per Dekret verboten, was Jugendliche anzieht. Da müsste Aufklärung und Information davor stehen, müssten Eltern einbezogen werden. Denen aber wird ja selber mittlerweile, wie in jeder guten Singlealtenrepublik, jede Reife abgesprochen, und besonders denen, deren Kinder sich piercen lassen. Das nämlich ist Geschmackssache, eigentlich eine Unterschichtsmode, also eine Mode derer, wo noch Kinder leben. Mit Piercing und Tattoos in diesen Mengen zu tun zu haben, geht auf die Gesellschaft, die Familien ins Abseits gestellt hat, zurück. Man sollte lieber die soziale Frage stellen als einen täglich mühsam erkämpften Lebensstil, der Zugehörigkeit symbolisiert wie für andere der Skiurlaub.

Wer würde Senioren den neuen Caravan verbieten? Der angerichtete Gesamtschaden ist zwar, auch ästhetisch, höher. Aber vielleicht sollte man dann auch erst einmal die Caravanbauer und anschließend die Caravanfahrer überzeugen, Argumente nennen, sie ernst nehmen. Das müssen wir uns auch bei Jugendlichen abverlangen. Zeit nehmen, erklären. Denn Jugendlichen das Jugendlichsein verbieten, ist gang und gäbe geworden. Nur geht es nicht. Es wird sich Bahn brechen, und Erwachsene müssen geschickt lenken, wo.

 

 

 

 

Probleme schaffen, um sie zu bekämpfen

Drum suche, wer sich an eine Schirmherrin bindet

Von Lennart Ragmann

 

Der Verein Wellcome tut Gutes. Seine ehrenamtlichen Mitglieder besuchen junge Mütter und nehmen ihnen für ein paar Stunden Arbeit ab. Wer den Alltag mit einem Neugeborenen kennt, weiß, wie sehr das helfen kann. Dazu lässt man die Vereinshelfer für ein paar Stunden auch in sein Leben hinein. Auf Vertrauen. Es darf nur um diese Stunden und nur um das Wohl der Mutter gehen. Alle anderen Faktoren müssen draußen vor der Tür bleiben. Nun hat leider Frau Merkel die Schirmherrschaft über den Verein übernommen. Sie ist sonst Vorsitzende einer skrupellosen Ausspähregierung, unter der das Leben von Familien Tag für Tag schwieriger wird. Die Denunzianten freuen sich daran, dass Kinder leichter aus Familien herausgeholt werden können. Prompt spricht Frau Merkel ausgerechnet bei der Feier des Vereins, dessen Arbeit sei ein „gutes Beispiel von der Kultur des Hinsehens“. Es gibt keine Kultur des Hinsehens. Anschwärzen ist damit gemeint. Gerade auch in diesem sensiblen Bereich, in dem Fremde in die Wohnungen junger Familien gehen, hat dieser Unbegriff nichts zu suchen. Er gefährdet die Idee. Denn wer hilft, darf nicht schnüffeln. Eine Schirmherrin, die Kindergeld kürzt, das Unterhaltsrecht zuungunsten der Kinder ändert, die Steuerlast für Familien durch die Mehrwertsteuer erhöht, Elternrechte zusammendampft, zerstört die Grundlagen des Familienlebens. Der schafft die Probleme, die dann ehrenamtlich bekämpft werden. Und sich dann als Retter gerieren? Nein danke zu einer solchen Schirmherrin!

 

 

 

 

Karikatur des Fürsorgestaates

Pflichtuntersuchungen für Kinder

Von Lennart Ragmann

 

Kinderkriegen, Kindergroßziehen, das kann man nur mit Urvertrauen. Der deutsche Staat sieht das anders. Er misstraut seinen Bürgern, besonders den Eltern und Kindern. Und wie immer gebiert Misstrauen Kontrollwahn. Der Versuch, die Schulen nach ihrem Abbild zu schaffen, ist den Technokraten gelungen. Nun haben sie dem Frieden der frühen Kindheit den Kampf angesagt. Dazu bedient sich dieses leitlinienlose Schiff „Deutsche Politik“ jeder Institution, die irgendwie von ihm abhängig ist. Die Krankenkassen sind wunderbare, willenlose Verbündete, sie machen brav, was die Politiker, von deren Gnaden sie abhängen, von ihnen wünschen. Nun wurden die Arztbesuche für Kinder in den ersten Lebensjahren in Schleswig-Holstein zu Zwangsuntersuchungen erklärt. Kommen Eltern ihnen nicht nach, droht ihnen das Eindringen von Behörden in ihre Wohnung. Und was für ein Systembruch, in die körperliche Unversehrtheit von Menschen einzugreifen!

Gegen Eingriffe ins Privatleben sind die meisten abgestumpft. Doch die Warnung geht alle an. Eine seelenlose Bürokratie bemächtigt sich Leib und Leben. Sie wird es zwar nie besser machen als Menschen, als Eltern aus Fleisch und Blut. Aber sie macht sich auf, die Beziehungen der Menschen untereinander zu vergiften. Das gute Verhältnis Kinderarzt, Eltern, kleine Patienten ist nur ein weiteres Opfer dieser Zerstörungswut. Gynäkologen und Hebammen, die „Problemmütter“ melden sollen, war auch schon eines. Noch erscheint es absurd, aber es wird in einem solchen geistigen Klima kommen: Das Anarchische des Kinderzeugens wird unterbunden werden. Der Staat wird Regeln für das Schwangerwerden ersinnen, die er mit seinen Mitteln, die ihm die Demokratie in die Hand gibt und die aber, falsch angewendet, die Demokratie aushöhlen, durchsetzt. Sodann wird er die werdenden Mütter in Zwangskurse setzen. Am Ende, so das Ziel, soll die Kraft der Familiengründung, in der für Bürokraten immer subversive Sprengkraft liegt, gebrochen sein.

Doch alle diese Beschlüsse werden, wie die gegenwärtigen, nur ein Pseudo-Schutz für Mutter und Kind sein. Das entlarvt, wie wenig es um wirkliche Lebensverbesserungen geht. Es geht um Zwang um des Zwanges willen. Um die Existenzberechtigung eines taumelnden Sozialstaates, der nur noch um seiner selbst willen handelt.

Schon bekommen die ersten jungen Mütter ihre Kinder ohne ärztlichen Beistand wieder zuhause, um ihr Kind nicht melden zu müssen. Gerade Eltern auf dem Weg zur eigenen Familie lassen ihr Leben nicht vom Kontrollwahn beherrschen. Sie wollen Verantwortung tragen. Auch wenn die Karikatur des Fürsorgestaates ihnen alles abnehmen will. Einschließlich ihrer Kinder.

 

 

 

 

Propaganda und Wirklichkeit: Sieben Thesen über Frauen

Von Ricarda Hochländer

 

Was bedeutet es wirklich, wenn die gebildeten Frauen, meist aus den höheren Bildungsschichten stammend, ohne Kinder bleiben, der Nachwuchs also zum Großteil aus der unteren Schicht bzw. unteren Mittelschicht stammt? Die Stichworte dazu sind Entfremdung von Kindern in den höheren Schichten, die Entscheidungsträger stellen, Abbrechen der Weitergabe von Bildung, eine andere Rolle der Bildungseinrichtungen, aber auch der erstaunliche Anstieg von Dickleibigkeit bei Kindern etc.

 

Die Reaktion der Politik: Die deutsche Politik hat lange die falschen Anreize geschaffen und besonders die Lebensformen der bildungsferneren Familien unterstützt (nicht in finanzieller Hinsicht) . Heute reagiert sie auf eine Weise, die Kinder zu haben attraktiver machen soll, es aber gerade für Akademikerinnen noch abstoßender werden lässt, Kinder in die Welt zu setzen, die derart von einem Staatswesen vereinnahmt werden. Wie sehr der Erhalt des Generationenvertrags dazu beiträgt, Kinder in die Zange zwischen Wirtschaft und überbordendem Verwaltungsapparat, kann an vielem abgelesen werden: Sprachtests und Curricula für Kindergartenkinder, Früheinschulung, Benimmunterricht, Ganztagesschule, Verkürzung der Gymnasialzeit, soziales Jahr, vordergründiges Nützlichkeitsdenken bei der Wahl der Studiengänge. Mit einer modernen Bevölkerungs- oder Nachwuchspolitik hat das nichts zu tun, weil alles auf längst ächzende Sozialversicherungssysteme aufbaut. Hierbei gibt es keine Grenze, kein Ruf nach freier Entfaltung und individueller Entscheidung, die einzig die gute Entwicklung des Kindes gewährleisten würden.

 

Rückzug der Akademikerinnen aus der Mutterschaft: Das hat zur Folge, dass für Frauen, die es gewohnt sind, frei und sehr individualisiert ihr Leben zu gestalten, dass gerade für Akademikerinnen der Wunsch nach einem Kind immer weiter zurücktritt. Bisher galt, dass das berufliche Vorkommen gefährdet sei. Richtig: Aber hier wagt niemand, wirklich in die Bresche zu springen und durchzusetzen, was naheliegt –Ersatz der Frauenquote durch die Mütterquote. Jetzt kommt noch hinzu, dass das staatliche Begehren an dem Nachwuchsfaktor Kind ins Unermessliche steigt und damit die Mütter in Fesseln legt. Unter Aufwand werden Betreuungseinrichtungen geschaffen, die in absehbarer Zeit ihre Kapazitäten füllen wollen. Die freie Wahlmöglichkeit, die grundlegend für Mütter mit hohem Bildungsniveau wäre, tritt dahinter zurück. Das Rad wird genau in die falsche Richtung gedreht, schulpolitisch bräuchte es mehr individuelle Freiheit und Mitgestaltungsrecht.

 

Alltag von Akademikerinnen mit Kindern – einige Thesen: Diese Spezies ist nahezu unbekannt, dabei könnte ein Blick in die Realität einige Argumente schärfen oder stumpf werden lassen. Es ist in Deutschland das normale, dass Frauen in Entscheidungsgremien kinderlose Frauen sind. Die Mehrzahl der Ministerinnen und Staatsbeamtinnen, die über Bildungspolitik zu entscheiden haben, sind kinderlos. Es fällt Akademikerinnen oft schwer, deren Einlassungen zu respektieren, da die Kinderferne in den meisten Überlegungen präsent ist. Bei hochgebildeten Frauen resultiert dies nicht aus Erdulden und führt nicht zu Resignation, sondern zu einem Rückzug aus der öffentlichen Diskussion – der auch insofern erwünscht ist, da das Thema der Unterschiede von kinderlosen Frauen und solchen mit Kindern tabuisiert wird. Von Akademikerinnen mit Kindern aber werden diese Unterschiede bei den Debatten um Bildungspolitik stark empfunden. Der Handlungs- und Entscheidungsspielraum in der Erziehung gerade älterer Kinder in Bezug auf die Schulausbildung müsste weitaus größer werden, damit Akademikerinnen mit Kindern sich dazugehörig fühlen. Tatsächlich gleichen sie selbst die Bildungsdefizite an den Schulen bei ihren Kindern aus. Die Herkunft der Kinder spielt in der Realität eine große und anwachsende Rolle; angesichts der wenigen Kinder aus Akademikerhaushalten ist das Bemühen vieler Eltern, gleichrangige Spielkameraden für ihre Kinder zu finden, sehr angestiegen und wird mit Aufwand betrieben.

 

Persönliche Perspektiven von Akademikerinnen mit Kindern: Im Arbeitsleben von heute ist Eigenverantwortung, Risikobereitschaft, Freiheitsliebe gefragt, und viele Akademikerinnen stellen sich dem. Der Staat aber richtet sich nicht auf ein verändertes Menschenbild im Wirtschaftsleben ein, sondern reglementiert die persönlichen Bereiche seiner Bürger. Das führt zu einem nicht überbrückbaren Widerspruch, aus dem heraus die ökonomische Entwicklung zusätzlich gelähmt wird. Wer in Deutschland Kinder bekommt, spürt das besonders deutlich. Einem freiheitlich orientierten Arbeitsleben stehen die Grenzen, die der Staat Eltern stellt, weil sie Eltern sind, diametral entgegen.

 

Staatliche Unterstützungen: Solange am Generationenvertrag festgehalten wird, muss seine Umsetzung verlangt werden, auch von der älteren Generation. Die Verteuerung des Universitätsstudiums ist eine einseitige Aufhebung dieses Vertrages, der nur in beide Richtungen funktionieren kann. Dem Nachwuchs muss Freiheit und Bildung nach seiner Wahl ermöglicht werden. Jede staatliche Unterstützung finanzieller Art muss daraufhin untersucht werden, ob es Danaergeschenk ist. Es muss auch gefragt werden, ob da nicht letztlich auf den Schultern der Jüngeren heutiges Wohlergehen erkauft wird, das zukünftig, jenseits der Arbeitskraft, bitter nötig wäre. Eigene Kinder und Altersversorgung, auch die persönliche, menschliche, hängen ursächlich zusammen – das darf nicht ausgesprochen werden, aber das ist den meisten bewusst.

 

Eine mögliche Perspektive: Einige Ursachen, warum Mütter –sogar hoch qualifizierte Akademikerinnen- beim deutschen Durchschnittsbürger ein schlechtes Ansehen haben, das noch weiter sinken wird, müssen zunächst analysiert werden, denn das gilt es zu ändern. Dann sind die persönlichen Perspektiven gebildeter Mütter in positiver wie in negativer Hinsicht zu nennen. Im Ergebnis: Die Idee des „Patchwork-Lebenslaufes“ ist reine Rhetorik. Akademikerinnen, die ihren Familienwunsch gelebt haben, sind Anfang bis Mitte vierzig, wenn sie ganz in ihren Beruf zurückkehren möchten. Das ist nicht Patchwork, sondern eine klare Linie. Vor allem an dieser Stelle in der Gesellschaft müsste für Akademikerinnen mit Kindern ein Umdenken erreicht werden.

 

 

 

 

Im Gefühlsprekariat

Annette Schavans Elternbeschimpfungen

Von Ricarda Hochländer

 

Annette Schavan, Bildungsministerin auf Bundesebene, fällt durch Unflätigkeiten auf. Die richten sich gegen Eltern, die sich eben mal nicht so anstellen sollen, die ihre Gefühle nicht so ernst, ihre Kinder nicht so wichtig nehmen sollen. In Schavans Welt ist das gar nicht weiter schockierend; Intrigen, menschliche Kälte und aggressives Machtgetue sind dort das Normale. Man möchte sich gar nicht vorstellen, ein leibhaftiges Kind müsse in einem solchen Gefühlsprekariat aufwachsen.

Zum Glück muss das keins. Annette Schavan ist kinderlos. Aber sie will über Kinder anderer Menschen bestimmen.

Das tun viele. Gegen Fachwissen ist niemals etwas zu sagen. Dafür braucht es keine eigenen Kinder. Fachfragen benötigen keine Erfahrung: Gynäkologen müssen keine Geburt erlebt haben, um gute Gynäkologe zu sein. Sie beherrschen ihr Gebiet und nehmen die Gefühle und Schmerzen, wie die Mütter sie haben, als gegeben hin – ein Arzt, der eine Geburt mit „Zahnziehen“ vergleicht, ist ein schlechter Arzt. Selbst ein Gynäkologe, der ein Bein verloren hat, kennt keine Geburtsschmerzen. Wenn es um nicht-begreifbare Dinge geht, hat man sie zu akzeptieren.

Bis zu diesem Punkt ist das Privatleben dann gar kein Thema. Aber Annette Schavan ist weitergegangen. Sie qualifiziert die Gefühle der Eltern ab. Sie hat keine Ahnung von Mutterschaft, aber sie will Müttern verbieten, Muttergefühle zu haben. Klingt nach katholischer Kirche? Genau – dort sitzt Annette Schavan als ranghohe Laiin. (die Kirche macht sich damit übrigens unmöglich). Annette Schavan ist der Marsch der Nonnen durch die Instanzen. Sie ist der Dr. Jekyll des Joschka Fischers und gehört ins politische Nirwana wie jener. Stante pede.

 

 

 

 

Politik für die Enkel

Adieu Sackgassendenken!

Von Martina Müller

 

Die Wahlen in Bayern und Hessen wurden von Großeltern entschieden. Mit einer „Politik für die Enkel“ war keine Partei angetreten. Die Kinderfeindlichkeit der Politikerkaste, ihre völlige Verhältnislosigkeit zum geerdeten Leben mit Enkelkindern hat das verhindert. Im politischen Super-Geschwurbel um Kinder- und Bildungsthemen ist den Politikern entgangen, dass ihr Land voller Menschen ist, die eine wirkliche Beziehung zu Kindern haben. Die sich auf den Mittwochnachmittag freuen, wenn die Enkel bei ihnen essen. Denen ihre Rente gleichgültiger ist als die Kindheit ihrer Nachfahren. Die Spaß an Streichen haben, die Krach im Garten haben wollen, die mit ihren Teeangern zusammen ein Bier und eine Zigarette genießen. Davon weiß nur nicht, wer dem Abgesang auf die Großfamilie glaubt und nicht weiß, das Nicht-Zusammenleben keineswegs bedeutet, dass nicht mitgedacht und mitgefühlt wird. Die Wahlergebnisse erzwingen nun, wieder auf den gesunden Menschenverstand zu hören. Großeltern wählen, was ihren Enkeln guttut. Sackgassendenken ist ihnen fremd.

 

 

 

 

Die Familien bekommen die Mütter, die sie verdienen

Siegerjustiz: Zum neuen Unterhaltsrecht

Von Ricarda Hochländer 

 

Ex-Männer müssen nicht mehr am Bettelstab gehen. Frauen und Mütter haben nach dem neuen Unterhaltsrecht weniger Anspruch auf Zahlungen. Die scheidungstraumatisierten Kinder können öffentliche Einrichtungen besuchen, da die Frauen schneller wieder an die Stanze müssen; Geld verdienen für den Umsatz der Discounter. Und natürlich für den Staat. Der freut sich auf mehr Einnahmen aus schuftenden Frauen. Und nun wundert sich manch konservativer Mann, warum die Frauen sich das bieten lassen? Das liegt an zweierlei.

Zum einen: Mütter reagieren langsamer. Sie ziehen sich zunächst immer auf ihre Kinder zurück und können im Privaten ausgleichen, was all die anderen Gruppen gleich aggressiv herausschreien. Also: Abwarten. Zum anderen: Frauen kennen die Männer, mit denen sie es zu tun haben. Sie müssen mit einer Generation von Typen zurechtkommen, die zu Frauenleben gegenüber beziehungslos sind. Waren die Männer immer, wird der Einwand sein. Ja – aber sie haben im günstigsten Fall wenigstens noch ihre Arbeitskraft in den Dienst der Frauen und Kinder gestellt. Das tut der Account Manager, der abends bei Kieser trainiert, ja von seiner ganzen moralischen Konstitution her nicht. Und für die Leistung der Mütter ist kaum einmal mehr die Sonntagsrede reserviert. Die ist nicht da, weil sie nicht bezahlt wird. Schon seit langem von niemandem mehr. Wer will Unterhalt von Partnern, die gar nicht wissen, dass das ihr Beitrag zum Wohle der Kinder ist? Die schon während der Ehe Dankbarkeit für das Selbstverständliche fordern?

Das neue Unterhaltsrecht ist die Fortführung der Zersetzung der Ehe. Es ist Siegerjustiz von (kinderlosen) Frauen und (verantwortungslosen) Männern, die Müttern vor Jahrzehnten den Krieg erklärt haben. Die Mütter sind lieber abhängig von einem ausbeuterischen Arbeitgeber als von diesen Männern. Deswegen nehmen sie das Unterhaltsrecht hin. Auf der Strecke bleiben die Kinder.

 

 

 

 

Kinderschutz durch Denunzianten!

Oder: Die Vergiftung der Rechtskultur

Von Lennart Ragmann

 

Kinder dürfen nach neuer Gesetzeslage nun leichter und schneller aus ihren Familien herausgeholt werden. Es geht um Kinderschutz. Die da schützen, haben Eigeninteressen. Jedes Amt, jeder Verein möchte ja gute Gründe haben zu existieren. Mehr Fälle, mehr Macht – wunderbar. Dagegen lässt sich wenig sagen. Wer es versucht, wird umgehend als Kindesmisshandlungsbefürworter mundtot gemacht.

Aber es gibt rechtsstaatliche Grundsätze, und wenn die gebrochen werden, dann muss das ausgesprochen werden dürfen. Unterschiedliche Staatseinrichtungen haben unterschiedliche Arbeitsgebiete, und Polizei, Schule, Jugendamt dürfen – auch wenn es reizvoll erscheint – sich nicht gegenseitig in die Hände arbeiten. Es darf keinen Datenaustausch geben.

Und: Zu 80 Prozent müssen sie sich bei Verdachtsmomenten auf Denunzianten stützen. Von eingreifenden Helfern mit Zivilcourage sind diese völlig zu unterscheiden. Der Denunziant vergiftet eine Rechtskultur. Das ist eine alte Weisheit, und nur Zwangsstaaten werfen sie über den Haufen. Wer nicht zuallererst eine Gesellschaft fordert, die Familien umhegt und umpflegt, wer sich nicht täglich wieder auf die Fahnen schreibt, die Lebensbedingungen von Familien zu verbessern, der ist entlarvt: Dem sind die Kinder egal. Kindesentzug muss einfacher werden, sagen die Gesetzgeber. Das Leben der Menschen indes bleibt kompliziert.

 

 

 

 

Divide et impera!

Familien zerstören durch Solidarität zerstören: Elternbashing

Von Ole de Vries

 

Das gefährlichste für Machthaber, die eine Gesellschaft in Auflösung unter sich spüren, sind soziale Bindungen. Sie müssen zerschlagen werden. Über Einzelpersonen lässt sich leichter herrschen. Daher muss jede Einigkeit zwischen Eltern bekämpft, alles, was sie verbinden könnte, unterhöhlt werden. Spalten, sich gegenseitig misstrauen: Eltern werden zu Schnapstrinkern, verblödeten TV-Glotzern, Kindermisshandlern – alles nur, damit andere Eltern sich von ihnen absetzen, zu dem Pack nicht gezählt werden wollen. Die „Unterschicht“ hat über Monate dabei zuhören müssen, wie sie ihre Kinder vernachlässigt, wie sie nicht liebt. Müttern zu Monstern.

Es liegt in der Logik dieser Form des Regierens, dass in gleichmäßigen Intervallen die nächste Gruppe – die als solche natürlich erst identifiziert werden muss, um auf sie einzuprügeln (so geschehen z. B. über den Begriff „Prekariat“)- fällig ist. Zurücklehnen kann sich das „Bürgertum“ nicht. Dessen Geisteshaltung ist nun dran. Da wird für das verzärtelte, verwöhnte Einzelkind, das in der Schule nicht integrierbar ist, erst die Ganztagsschule, dann das Internat gefordert, um die Erziehung zum Psychopathen zu verhindern. Gepflegtes Lernen und nachmittägliche freie Beschäftigung muss zum Hassobjekt werden, um die hinter diesem Lebenskonzept stehenden zu diffamieren. Ein hohes Bildungsniveau ist sowieso suspekt. Der Angriff auf die Über-Muttis mit zuviel Gefühlen und Alleinvertretungsansprüchen folgt stehenden Fußes. Müttern zu Monstern.

Sich dagegen zu wehren ist schwer. Gerade die in Sachen Kinder Engagierten können sich nicht gegen diese Demagogie sträuben – in der Angst, andere Eltern schadeten ihnen und ihren Anliegen. So wird das Ausspielen der Eltern gegeneinander aggressiv fortgesetzt. Wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Angst vor Esperanto umging, da man sich vor einer gemeinsamen Sprache und damit Bewegung der europäischen Arbeiterschaft fürchtete, so fürchten sich die deutschen Regierenden vor Familiensolidarität.

Der Widerstand muss im Keim erstickt werden. Schließlich lässt man in Deutschland die Familien seit Jahrzehnten finanziell Ausbluten: Das ist ein konstitutives Regierungselement, das das wechselnde politische Establishment untermauern muss.

Die uralte Wertschätzung der Familie beruhte darauf, dass dieser soziale Verbund der einzige Garant für Wohlstand war. Auf Kraft und Verheißung der Familie musste der Staat zurückgreifen, um selber zu prosperieren. Er muss es bis heute. Eine Reaktion der Bürger gegen die Ausbeutung war, kinderlos zu blieben. Deshalb kann sich die Staatsmaschinerie stärker auf die verbliebenen Familien konzentrieren, deshalb ist der Kampf erbitterter geworden. Um weiter herrschen zu können, müssen die Machthabenden alles tun, um Familien auseinanderzuhalten und zu sortieren, müssen sie spalten, um weiterzuherrschen. Divide et impera. Kein Zufall; Methode!

 

 

 

 

Suchmaschine für Kinder: fragnichtfinn.de

Ein Kommentar von Martina Müller

 

Eine Suchmaschine, die für Kinder geeignete Seiten filtert und nur solche anbietet, ist mit „fragfinn.de“ ins Netz gegangen. Sie ist unter Getöse von Regierungsvertretern freigeschaltet worden und hat damit einen Vertrauensvorschuss, besonders auch für den Schulunterricht. Die Staatsbeteiligung suggeriert Qualitätssicherung – in Wahrheit können Medienkonzerne ungehindert Einfluss auf "fragfinn.de" ausüben. Erst ein Blick auf die Namen, die diese Seite ermöglicht und unterstützt haben, lässt Zweifel an dem Vorhaben aufkommen.

Jedem privaten Suchmaschinenbetreiber würde es davor grauen, sich eine Phalanx von Computerfirmen und Zeitschriftenverlagen an Bord zu holen. Die Bundesregierung jedoch setzt fröhlich ihr Logo neben die Werbung gewinnmaximierender Wirtschaftler. Doch dass dort nicht Ethik, sondern geldwerte Interesse im Vordergrund stehen, kann auch ohne viel Recherche bemerkt werden. Ein Wirtschaftsunternehmen darf selbstverständlich nicht bei der Entscheidung daran beteiligt sein, welche Seiten Kinder besuchen dürfen, wenn die Bundesregierung dafür ihren Namen gibt. Statt der Gewaltkontrolle, die wünschenswert wäre, gibt es so Gedankenkontrolle. Denn natürlich werden nur Seiten mit erwünschten politischen bzw. unternehmenspolitischen Meinungen angezeigt. Bei „fragfinn.de“ geht es gar nicht um einen Inhaltsfilter, hier ist damit zu rechnen, dass vor allem Konkurrenzprodukte unterdrückt werden.

Unfassbar: Konzerne an einer unabhängigen Suchmaschine zu beteiligen! Die Erzeugnisse der Konzerne entsprechen nicht den Vorstellungen, was unter Jugendschutz zu rechnen ist. Der direkte Zugriff auf Schülerinnen und Schüler darf nur der Schule obliegen. Lehrer und Eltern sollten dem guten Grundsatz folgen, nur mit den Kindern gemeinsam am Computer zu surfen. Und die Bundesregierung muss sofort ihre aus Steuergeldern mitfinanzierte Unterstützung entziehen. „Fragnichtfinn.de“ ist die einige Antwort auf diese mindestens dümmliche Ungeheuerlichkeit.

 

 

 

 

Mein Kopf gehört mir!

Eine unmissverständliche Aufforderung

Von Ricarda Hochländer

 

Es liegt in der Natur der Sache: Kinder sind ein Grund für Freiheitsverlust. Es ist ganz schlicht so, dass man nicht mehr tun kann, was man möchte. Nicht von Stunde zu Stunde leben.

Aber in Zeiten von Verhütung und Schwangerschaftsabbruch bekommen die meisten Mütter Kinder aus freiem Willen und als durchaus freie Bürger. Ihr Kind ist ein Teil des mütterlichen Freiheitsbegriffes. Und genau darum sind die Mütter von Feinden umzingelt, nahezu jede Gruppe folgt dem offiziellen Aufruf: Kampf den Müttern.

Konservative, die sich in ihrer Rentnerwelt vor jungen, Musik hörenden, trotz Mutterschaft ganz normal weiterlebenden Müttern gruseln. Die Frauen aus der Emanzipationsbewegung, die schon auf das gute Körpergefühl junger Mütter einen Hass haben. Die Linksdenker, die die massive Privatheit von Müttern nicht aushalten können. Die Wirtschaftsliberalen, für die sich nur rechnet, wer durchgängig an der Stanze steht.

Kaum Mutter, beginnen die Kampfhandlungen. Der moderne Staat hat dafür Instrumente der Bürokratie ersonnen. Meldungen, Formulare, Besuch von der Sozialarbeiterin, dann –nach immer kürzerer Zeit – die Einschulung. Am ersten Schultag endet jede Freiheit, die die moderne Frau als selbstverständliches Gut zu haben meinte.

Ab jetzt dürfen Mütter keinen eigenen Tagesrhythmus mehr haben. Schulbürokraten geben ihr vor, wann sie was zu tun haben. Sie müssen Veranstaltungen besuchen, in denen Zwang an vorderster Stelle steht. Sie müssen in einer voll flexibilisierten Ökonomie den Nachteil auf sich nehmen, zu einer Monate im voraus festgelegten Zeit an einem Ort bleiben zu müssen. Sie dürfen als einzige in einer durchgedrehten Urlaubsgesellschaft keine Ferien machen, wenn es preislich ginge. Sie dürfen sich nicht mehr zu jeder Tageszeit mit ihren Kindern unbehelligt auf der Straße bewegen. Sie dürfen keine Zeit mehr für ihre Kinder haben.   

Natürlich liegt es nahe, einem solchen angeketteten Wesen auch Gefühle vorzuschreiben. Sätze wie „Mütter müssen eben spüren, dass sie nicht das beste für ihre Kinder sind“, die gar keine thematische Auseinandersetzung herausfordern, sind mitnichten erfundener Quatsch. Sie kommen von Politiker/innen und Verwalter/innen, die sich modern geben. Dabei sind sie hoffnungslos reaktionär:

Früher hat das Patriarchat die Mütter geknechtet, heute ist es die Kindheitsbürokratie.

Mütter, lasst Euch nicht die Freiheit rauben!

Lasst uns einen Anfang machen!

Weg mit der Schulpflicht!

 

 

 

 

Wer das nicht einsieht, muss fühlen

– nicht in einer U-Bahn-Station, sondern beim Wahlrecht

Eine Warnschuss von Lennart Ragmann

 

Alte Menschen, das ist bekannt, fühlen sich bedrohter als junge Leute. Sie haben mehr Angst um sich und ihr Hab und Gut, kommen sich wehrloser vor und versuchen, sich mit vielen Mitteln zu schützen. Die Realität sagt zwar, dass diese Bedrohungen ein rein subjektives Empfinden sind. Denn junge Leute sind weitaus gefährdeter, Ältere sind viel seltener Opfer von Kriminalität. Es ist also nur ein Hinweis mehr auf unseren Weg in eine Gerontokratie, wenn sich die Alten vor den Jungen fürchten. Da wollen Nicht-Opfer Nicht-Täter wegsperren. Wer zweifelt daran, dass wir unser Rechtssystem nicht nach Einbildungen richten dürfen? Wohl niemand. Aber die Diskussionen um die Jugendkriminalität lassen befürchten, dass Gerontokraten –selber alt oder nach älteren Wählern schielend - hier, nach langen Debatten um angebliche Chancen für Heranwachsende, die Basis der Gesellschaft aushebeln wollen: Zur Jugend gehört die Freiheit, zum Alter die Toleranz. Wer das nicht einsieht, muss fühlen – nicht in einer U-Bahn-Station, sondern beim Wahlrecht. Kinder müssen als Wahlbürger gelten, Eltern für sie mitwählen dürfen. Eine Demokratie voller Erziehungslager, in denen Alte Junge in Schach halten wollen, gibt es nicht. Es ist eine Diktatur.

 

 

 

 

Das Kind im Staate

Ist der Kinderschutzbund ein Staatsschutzbund?

Eine Polemik von Martina Müller

 

Der Kinderschutzbund hat nur eine Aufgabe: Den Schutz von Kindern. Es ist unfasslich, wie sich der Verein sein Ziel selbst verwässert, indem er tagespolitische Forderungen wir Ganztagsbetreuungen propagiert. Ein Kinderschutzbund ist kein Staatsschutzbund und kein Elternschutzbund, es geht einzig und allein um Kinder. Die Rechte dieser schwächsten Mitglieder der Gesellschaft gehören immer da geschützt, wo sie angegriffen werden. Der Trend geht hin zum Totalitarismus in Deutschland, und das zeigt sich zuerst – es war nie anders- im Umgang mit einer schützenswerten Minderheit. Er erfasst schon jetzt alle Lebensbereiche, die Kinder betreffen. Noch können sich alle anderen einbilden, der Staat würde vor ihnen haltmachen. An den Kindern jedoch ist der Besitzanspruch des Staates vor der Freiheit der Menschen erhoben: Zwangssprachtests an unbelasteten Kleinkindern, Früheinschulung von Kindern mit Spiel- und Bewegungsdrang, verpflichtende ärztliche Untersuchungen am Körper des Kindes undsoweiter. Danach, gebrochen und in diese Erwachsenenwelt „nicht integrierbar“, warten Elternentzug und dann demnächst Erziehungslager. Das wären alles Themen für den Kinderschutzbund! Stattdessen vermutet man dort: „Möglicherweise gibt es auch zuviel Respekt vor der Autonomie des Einzelnen." (siehe Webseite des Deutschen Kinderschutzbundes, Pressemittelung: "Es reicht: Task Force"). Weiß Professor Dr. Hubertus Lauer, der verantwortlich zeichnende Vizepräsident des Deutschen Kinderschutzbundes, wohin ein solcher Satz führt?

Es ist bitter, dass vom Kinderschutzbund so etwas zu hören ist. Der unersättliche Kontrollstaat ist der Feind der Kindeswohls. Tut da was!

 

 

 

 

Verkrustete Gesetze in Frage stellen

Interview mit Jan Edel, Autor des Buches „Schulfreie Bildung. Über die Vernachlässigung schulfreier Bildungskonzepte in Deutschland“ (edition octopus)

 

Librikon:

In Ihrem Buch „Schulfreie Bildung“ plädieren Sie für den Mut zur Buntheit – mit Homeschooling solle eine weitere Bildungsform die Schullandschaft bereichern. Das ist völlig neu für viele Leser; mit Schulpflichtgegnern werden im allgemeinen wirre religiöse Fanatiker assoziiert. Warum glauben Sie, dass Homeschooling auch in der Mitte der Gesellschaft ankommen kann?

 

Jan Edel:

Die Sorge vor religiösen Fanatikern unter den Schulbesuchsgegnern halte ich für stark übertrieben und wurde von deutschen Medien für höhere Auflagen gern missbraucht. Natürlich gibt es auch im an sich sehr inhomogenen Bereich schulfreier Bildung extremere, weltanschauliche Positionen. Die stehen aber eher für eine gesunde, friedliche Pluralität und haben auch nur selten mit der Motivation für freies Lernen zu tun. Sie sind hier weder gewaltbereit noch fähig zur Herausbildung gefährlicher Parallelgesellschaften, vor denen im Kontext Homeschooling ausgerechnet von Schulministerialräten gewarnt wurde. Schon wegen der vereinzelten Familien war dieser Angst absurd und völlig unberechtigt.

Man muss eigentlich sagen, dass diese Bildungskonzepte längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Nur eben in unserem Land nicht. Als alternativer Bildungsweg statt Schulbesuch werden sie weltweit sogar staatlich geregelt und anerkannt. Ich orientiere mich daher schlicht an den Entwicklungen anderer Industrienationen. Wenn Kinder dort durch eigenverantwortlich erworbene Bildung für ihr Leben profitieren, werden auch Kinder in unserem Land davon profitieren können. Warum sollte in Deutschland staatlich sogar noch bestraft werden, was weltweit zwar nicht immer unterstützt, aber zumindest überall geduldet wird?

 

Librikon:

Die Unzufriedenheit mit den staatlichen Schulen ist groß, und es ist längst common sense, dass Eltern auf die Schullaufbahn ihrer Kinder soviel Einfluss zu nehmen versuchen wie nur möglich. Gegenläufig, aber zeitgleich greift der Staat auch bei denen, die sich gar nicht gegen das staatliche Bildungssystem sträuben, immer stärker in die Freiheit der Familie ein – Vorverlegung des Einschulungsalters, Zwangssprachtest für Nicht-Kindergartenkinder, verpflichtende Ganztagsschulen. In der Bevölkerung verstärkt sich das Gefühl, dass sich zunehmend eine Staatsbürokratie gegen die Menschen in Stellung bringt. Für Homeschooling findet sich bisher keine Heimat im politischen Spektrum. Die Sozialdemokraten betreiben Schulpolitik als Sozialpolitik, da sind Familien nicht gefragt, die Liberalen, eigentlich prädestiniert für das Thema freiheitliche Bildung, schweigen, aus den Reihen der Konservativen kommen unerbittliche Richter. Welche politische Kraft also sollte sich für Homeschooling einsetzen? 

 

Jan Edel:

In erster Linie sind Selbstbestimmung oder die Art der Bildung ein Menschenrecht. Das haben immer wieder hochrangige Politiker oder auch die UN angemahnt, zuletzt der Sonderberichterstatter der UN für das Recht auf Bildung Herr Prof. Dr. Munoz nach seinen Deutschlandbesuchen. Und auch Deutschland klagt mutig über staatliche Übergriffe und Menschenrechtsverletzungen, zumindest in China oder Russland. Aber kaum jemand regt sich in Deutschland darüber auf, wenn alle Familien pauschal und zentralistisch für verschiedene staatliche Bildungsvorgaben vereinnahmt werden, während selbst in Russland z.B. Homeschooling seit 1991 sogar staatlich unterstützt möglich ist und selbst Putins beiden Töchter teilweise schulfrei lernen durften.

Eigentlich sollte viel mehr Dampf von deutschen Eltern ausgehen. Es sind schließlich die Menschen mit Kindern, die den Staat  „bilden“ – nicht umgekehrt. Aber selbst wenn viele Eltern aufwachen, kann das Recht auf selbst bestimmte Bildung nicht der Willkür einer Mehrheit unterworfen sein. Öffentliche Schulen und deren Finanzierung sind Sache der staatlichen Gemeinschaft und obliegen ihrer Aufsicht. Bildung bitte nie mehr und niemals!

 

Librikon:

Das Zentralabitur ist auf dem Vormarsch, seit PISA werden Vergleichsstudien angefertigt, es gibt Schülerrankings – das alles würde Homeschooling unterstützen, wenn sich die Familien auf Vergleiche einließen. Wäre es nicht denkbar, dass Homeschooler einfach die staatlichen Prüfungen mitschreiben und so auch zu Schulabschlüssen kämen? Wie stehen Sie zu Bildungspflicht statt Schulpflicht?

 

Jan Edel:

Ja, Eltern müssten wieder mehr ihre Bildungsverantwortung spüren dürfen. Dagegen brauchen ihre  Kinder und Jugendlichen alle Freiheit zum Lernen und keinen staatlichen Zwang – auch nicht zum Schulbesuch. Für sie gilt letztlich nicht, wie, wo und zu welcher Tageszeit sie ihre Bildung erlangen. Und nichts zählt in unserer Zeit bald mehr als Eigenverantwortlichkeit, Persönlichkeit, Selbstständigkeit oder ein klarer, unabhängiger Blick. Solche Eigenschaften und Fähigkeiten werden aber kaum in einer Abschlussprüfung beurteilt. In den USA, die uns in Sachen Bildungsfreiheit etwa 25 Jahre voraus sind, vergleicht man an einigen Universitäten seit 10 Jahren Schulabgänger mit Homeschoolern. Der durchschnittliche Abstand bei den akademischen Leistungen der Homeschooler hat sich jährlich sogar noch vergrößert, wie einer der größten US-Homeschool-Vereine kürzlich die Studienergebnisse beurteilte. Dass Homeschooler bezüglich sozialer Kompetenz und Lebenszufriedenheit klar im Vorteil stehen, wurde z.B. bereits an einer breit angelegten Vergleichsstudie mit 7000 Homeschoolern nachgewiesen.

Konkrete Lösungen für Familien, die sich in Deutschland frei bilden wollen, gäbe es viele, auch wenn man den staatlichen Anspruch an Einfluss nicht aufgeben mag. In meinem Buch werden einige dieser Lösungen besprochen. Die wohl gangbarsten Lösungen bei uns wären Fernlernsysteme oder das Stammschulprinzip.

 

Librikon:

Welche Vorteile hat das Kind, welche haben die Eltern durch Homeschooling?

 

Jan Edel:

Die Antwort hier ist sehr individuell und kann pauschal nicht in der Kürze gegeben werden.

Das Interesse an Schulalternativen wächst bei Eltern wie Kindern meist vor einem sehr speziellen Hintergrund wie z.B. ADHS, Multilingualität, Hochbegabung, Teilbehinderungen, Mobbing, ungünstigen Schulbedingungen oder Lernschwächen wie Legastenie oder Dyskalkulie. Das persönlicher und wesentlich individueller gestaltete Bildungsangebot außerhalb des Schulsystems führt nach Befreiung schnell zu Erfolgen.

Eltern haben oft, wenn sie noch unerfahren und alleine dastehen, erst einmal Mehraufwand. Manche Eltern wie Kinder orientieren sich möglicherweise zu lange an schulischen Organisationsformen und mögen zu sehr im ständigen Konkurrenzkampf verhaftet sein, bevor die Vorzüge des informellen und selbstverständlichen Lernens in Familienverbänden, Reisen, Besuchen und Unternehmungen zum tragen kommen. Der Erfolg beim Lernen und in der sozialen Verbindlichkeit der Kinder und vor allem die größere Kontakt- und Reflexionsebene zwischen Erwachsenen und  Kindern schweißt eine Familie bis ins hohe Alter zusammen und vermag allen Beteiligten mehr Erfüllung und Lebenssinn zu schenken.

 

Librikon:

Ihr Buch ist von großem Engagement getragen. Welche Leser wünschen Sie sich? Und was sollen sie aus der Lektüre mitnehmen?

 

Jan Edel:

Das Buch ist trotz Herzblut eine Art Kompendium. Auch wenn ich vielfach Politiker, Entscheidungsträger und andere Verantwortliche vor Augen habe, ist für jeden, der sich mit Bildung, Familie und Kindern beschäftigt, etwas dabei. Ich möchte mit diesem Buch aufrütteln, zum Nachdenken anregen – was ja bedeutet sich zu bilden - und verkrustete Gesetze in Frage stellen, damit unser Bildungssystem in Deutschland wieder frei für uralte, wieder neue Bildungskonzepte wird. „Entlassen wir unser Bildungssystem in die Freiheit“, wie vor einem Jahrzehnt Altbundespräsident Roman Herzog noch vergeblich flehte.

 

Das Buch „Schulfreie Bildung. Über die Vernachlässigung schulfreier Bildungskonzepte in Deutschland“ von Jan Edel ist sehr informativ und empfehlenswert. Einmalig unter den Büchern zum Thema ist der hohe Praxisbezug für Deutschland.

ISBN:[978-3-86582-511-7]

Edition Octopus, Softcover, 302 Seiten
16,80.-

 

 

 

 

Zur Ordnung, zur Mitte!

Eine Polemik von Orange Ian Ginsborough

 

Ausdrücke fallen hier auf erhitzen Boden, Ausdrücke sogar verwendet von einer Familienministerin, einer Ministerin für die Frauen.

„Schnapsgeld“ ist da auf der einen Seite, „Herdprämie“ auf der anderen Seite zu hören, und erläutert wird das Ganze damit, dass Mütter sich doch nur Flachbildschirme kaufen würden anstatt Geld für ihre Kinder auszugeben. Das Bild, das da an die Wand geworfen wird, ist das der Mutter, die nur ihren eigenen Egoismus auslebt. Was für eine Diffamierung, die von der Öffentlichkeit einfach hingenommen wird! Man weiß von Müttern, die ihr Leben geben, in Krieg und Frieden, für ihre Kinder. Geld versaufen? Der Verein „Mütter für den Frieden“ verbindet Mütter, die kein Leid mehr wollen! Und wie viele Mütter können davon erzählen, wie anders, wie mitfühlend sie nach der Geburt eines Kindes das Elend anderer Menschen sehen. Geld versaufen? Mütter sitzen nicht aus Spaß an der Kasse bei Lidl. Sie wollen ihre Kinder ernähren. Sie tun das für ihre Kinder. Egoistische Mütter? Verschwindend wenige.

Warum diese Kälte? Weil es hätte passieren können, dass Familien etwas kosten?

Ganz anders klingen die Formulierungen nämlich, wenn Familien dem Staat Geld einbringen sollen. Dann zirkuliert die „Herdprämie“. Dann sind Frauen plötzlich gut ausgebildete, selbstbewusste, sich selbst verwirklichende Mütter, alles Ärztinnen und Anwältinnen, denen man nichts vorenthalten darf.

Für beide soll es Krippen geben – eine Diskussion, in die ich gar nicht eingreifen will. Keine Ideologie, die ist mir fern! Aber eine Klarstellung: Hier werden zwei Extremfälle benutzt, es wird die Minderheit zur Mehrheit erklärt: Weder egoistische Dauerglotzerinnen und selbstbewusste Ärztinnen sind das Gros der Mütter in Deutschland. Die Realität ist kein Extremfall. Hilfreich aber ist nur die Betrachtung der Mehrheit, nur kann man damit keine populistischen Sprüche klopfen.

Politiker, die sich einer solchen Sprache bedienen, gehören zur Ordnung gerufen. Sollten sich dahinter wirklich ihre Ansichten verbergen, müssen sie ihre Posten räumen. Denn egal ob mit oder ohne Kind, hier wird Frauen das menschliche Antlitz genommen. Über die Mütter werden Frauen diffamiert, über Randgruppen wird die Tür zu einem abstoßenden Horrorkabinett namens Frauen geschaffen.

Wo Frauenfeindlichkeit draufsteht, ist auch Frauenfeindlichkeit drin!  

 

 

 

 

Benutzte Kinder: Die ausgedachte Mitte

Ein Kommentar von Martina Müller

 

Lesen sollen die Kinder, heißt es allerorten, lesen! Aber nicht auf dem Schoß der Eltern, so schlicht darf’s in der hochentwickelten Marktwirtschaft nicht sein, sondern irgendwo, wo sich dadurch Geldströme und Dienstleistungen ergeben. Dieses Irgendwo wird hemmungslos genau definiert: Dort, wo die Kinder als Klammer benutzt werden sollen zwischen gesellschaftlichen Bildungsschichten. Die Kindergärten und Schulen sind natürlich ein Abbild der Gesellschaft, deshalb geht es dort ja hart und unfair zu. Nun ist plötzlich allerlei Gruppen, die um ihre gemütliche Zukunft bangen, eingefallen, die deutsche Gesellschaft dürfe nicht zersplittern, Kinder dürften nicht früh selektiert werden, die Schlauen und Reichen sollten nicht den öffentlichen Schulen verloren gehen. Da müssen nun die Kinder herhalten für den Traum einer Mitte der Gesellschaft, die an anderen Stellen –wenn es Erwachsene etwas kosten soll!- kurzerhand schießen gelassen wird. Ohne einen Gedanken an das Kindsglück zu verschwenden, ist ihr Kinderleben dafür gerade gut genug. Von den Damen und Herren, die gedankenlos den Dinosaurier „Öffentliche Ganztagsschule im Sprengel“ durchs Dorf jagen, ist nicht bekannt, welchen Beitrag sie zum Erhalt der gesellschaftlichen Mitte leisten. Sie werden nicht darum herumkommen einzusehen, dass sie sich ihre rosigen Wünsche etwas kosten lassen müssen. Sie werden akzeptieren müssen, dass Kindern aus ärmeren Familien Geld zusteht, und zwar Geld, das selbstverständlich die erziehungsberechtigten Eltern erhalten, um die Situation ihrer kleinen Gemeinschaft zu verbessern. Es ist das Gedankengut einer Single-Gesellschaft, die Konsum rein für sich allein kennt und der es fremd ist, dass Kinder und Eltern selbstverständlich an einem Strang ziehen, aus einem Topf essen. Was für eine Idee, die Familie bei Finanzleistungen zu zersplittern! Aber mehr: Die Damen und Herren werden die freie Schulwahl akzeptieren müssen, sie werden mit Müttern und Vätern rechnen müssen, die weder ihre Kinder noch ihre Kraft in nur und einzig von ihnen verlangte Opfer stecken werden. Wer die Mitte der Gesellschaft retten will, dem bleibt lediglich, die Familien aus dem Würgegriff zu nehmen. Ihr durch finanzielle Entlastung und Freiheit in der Bildung Gestaltungsspielraum zu geben.

 

 

 

 

Der ganz andere Standpunkt:

Frühförderung und Kinderarbeit

Eine Polemik von Ian Orange Ginsborough

 

Sind die Diskussionen in den intellektuellen Kreisen der Neuen Welt Europa um Längen voraus?

Die Hysterie um die Frühförderung von Kindern ist – gerade in Deutschland – in eine erschütternd rückschrittliche Phase getreten. In Kanada und den USA gibt es Zirkel, in denen „Frühförderung“ längst die Maske vom Gesicht gerissen wurde. Zu sehen ist dann die Fratze der Kinderarbeit.

Die Parallelen von Frühförderung und Kinderarbeit sind offenkundig. Beides entspringt denselben Beweggründen: Gier, Egoismus, ein inhumanes Kindheitsbild. Denn die Entwicklungsphasen des Menschen werden bei beidem nicht mehr respektiert, werden systematisch unterdrückt. Spielen? Nicht vorgesehen! Freisein? Nicht eingeplant! Jedes Jungtier darf, ja, muss im Spiel sein soziales Verhalten erlernen – aber die Kinder in der kapitalistischen Gesellschaft sollen, vom Staat und den Erwachsenen in Korsetts gepresst, kein einziges Jahr ihrer Kindheit einfach nur Kindsein.

Aus welchem Interesse kommt der Staat darauf, Kinder 1 bis 1 ½ Jahre früher zur Schule zu schicken? Aus rein volkswirtschaftlichen Überlegungen: Die Kleinkindbetreuung wird um ein Jahr verkürzt, das spart Geld und bringt mehr arbeitende Eltern. Die Kinder sind früher mit der Schule fertig und sollen ins Arbeitsleben geschickt werden. Die wenigen Kinder dürfen sich nicht entfalten, sondern müssen der Mehrheit der Älteren dienen.

Alles gutbekannte Gründe aus Staaten, die Kinderarbeit nicht verbieten! Die Kinder, die in Pakistan Teppich knüpfen, müssen das tun, um den Exportzahlen, der volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, der gesellschaftlichen Wertschöpfungskette zu dienen. Nichts anderes, als der deutsche Staat im Sinne hat.

Niemals das Kindeswohl!

Vielleicht muss das ein Staat auch nicht im Sinne haben, werden manche einwenden. Aber die Menschen in dem Staat, was ist mit denen? Warum fordern sie so aggressiv Frühförderung?

Sie denken an ihren Lebensstandard, sie denken an ihre Renten. Kindesglück spielt für ihre Ziele keine Rolle. Sie wollen den Kindern von heute nicht zugestehen, was sie selber hatten: Eine unbeschwerte Kindheit voller Spiel und Spaß. Genau das ist auch ein Funktionsprinzip der Kinderarbeit: Wer sie erzwingt, musste selber nie unter diesen Bedingungen arbeiten. Beide, Frühförderung und Kinderarbeit, greifen sich das kleinste und schwächste Glied der Gesellschaft heraus. Und das aus niedersten Instinkten. Nur an sich selber, an ihren eigenen Status denken sie. Da ist jedes Mittel recht.

Was verbindet Kinderarbeit mit „Frühförderung“?

Beides sind Feinde von dem, was Kinder gern machen: Spielenspielenspielen.

Beides ist Freiheitsberaubung, da darf man sich von hellen, sauberen Räumen nicht täuschen lassen!

Beides ist ungesund, weil nur Spiel und Spaß für kleine Kinder gesund sind.

Beides raubt Bildungschancen: Zu früh geförderte Kinder –Experten wissen das längst- erreichen früher ihr Lernmaximum, haben einen „Burnout“, wenn die eigentlich beste Lernphase einsetzt. Die Verschiebung ihrer Lebensphasen zerstört ihre persönliche Entfaltung.

Wenn Eltern bei Ikea stehen und sich bei jedem Teppich erkundigen, ob er nicht durch Kinderarbeit entstanden ist, mögen sie einmal ihre Eitelkeit überwinden, auf ihre Kinder schauen und sich zur Umkehr erzwingen.

 

 

 

 

Hoch

 

 

   
 

copyright by librikon