home

impressum

das librikon

suche

 

Librikon

 
 
 
             

 

magazin für kinderbuchkultur

 

 

 

 

 

 

 

Eine Frage der Kultur

 

 

 

Feuilleton

 

 

 

Vermischtes

 

 

 

Politik

 

 

 

Wirtschaft

 

 

 

Empfehlungsliste

 

 

 

Willkommen ...

 

 

 

Das Eine Buch

 

 

 

Gerechtigkeit für ...

 

 

 

Freiheit für ...

 

 

 

Evergreens

 

 

 

Leserfragen

 

 

 

Lesen im Grünen

 

 

 

Tipps zum Thema

 

 

 

Werk und Sein

 

 

 

Jugend liest

 

 

 

Freies Geleit

 

 

 

Comics

 

 

 

Bewegte Bilder

 

 

 

Auf der Waagschale

 

 

 

Wider die Leseförderung

 

 

 

Titelseite

 

 

 

Nachbarskinder

 

 

 

Buch von Wert

 

 

 

Hilfe, mein Kind liest...

 

 

 

Einspruch!

 

 

 

Eine Frage der Kultur

 

 

 

Kleiner Simpl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verschrottungsprämie für die nächste Generation

Konjunkturpaket für den Konflikt

Von Ole de Fries

 

Daran, dass man arbeitet, Steuern zahlt und das Geld nie dort ankommt, wo man es selber gern hätte – nämlich bei den Kinder, und zwar auch bei den Kindern anderer Leute, die Unterstützung benötigen – daran haben wir uns ja gewöhnt. Die Erklärung war ja einfach: Es ist nicht genug Geld da. Nun, das ist derzeit nominell anders. Es wird mit Geld nur so um sich geworfen, Geld, das die nächste Generation noch sauer wird erarbeiten müssen. Die jetzige Kindergeneration, gern mit vielerei Beschimpfungen geschmäht, soll rückwirkend dafür sorgen, dass die Erwachsenen ihr gewohntes Wirtschaftsleben fortsetzen können. Von dieser Vorleistung profitieren sollen sie aber nicht. Die Politik hat im Konjunkturpaket die Wertigkeiten definiert: Ein Kind ist 100 Euro wert, ein Neuwagen (inkl. Verschrottungsprämie) das 25fache. Den Neuwagen leisten können sich selbstverständlich nur kinderlose und bevorteilte Staatsbürger. Es wird mit einer Aggression der Erhalt des status quo, die alte, schon früher unhaltbare Gesellschaftsordnung durchgeboxt, dass die Reaktion auf ein solches Verständnis, wer wem etwas zu bezahlen hat, nur in Gegenaggression enden kann. Die heutigen Erwachsenen werden niemals mehr imstande sein, diesen Berg an Schulden durch produktive Arbeit abzutragen. Das Konjunkturpaket ist also, selbst wenn es Wirkung zeigt, eine Enteignung der nächsten Generation. Da sind die Lügen, man investiere in Bildung, indem man das sowieso Notwendige wie Mobiliar und Hausreparaturen zur Verfügung stellt, nur konfliktfördernd: Studenten verstehen, dass sie aus familiären Situationen kommen, die entstanden sind, weil der Staat privaten Wohlstand für Kinder nicht will, sie verstehen, dass sie sich, ohne mitentschieden zu haben, ihre eigene Uniausstattung selbst bezahlt haben. Die Ankurbelung der Wirtschaft ist der Versuch einer sklerotischen Welt ein teures Korsett zu verpassen. Einer Welt, die ihr ökonomisches Handeln gegen die nächste Generation richtet. Ohne Aufstand wird das nicht über die Bühne gehen.

 

 

 

 

Drecksarbeit, umsonst geleistet

Mütter und ihr Rentenanspruch

Von Ricarda Hochländer

 

Was nicht bezahlt wird, hat auch keinen Wert – das ist kapitalistisches Grundwissen, und nur wenn es um Mütter geht, wird salbadert, werden Sinn und andere Gummiparagraphen bemüht, um sie bloß auszuklammern. Auf dass die Mütter nur nicht merken, dass ihnen mehr zusteht als allen anderen in der Gesellschaft. Aber sie sollen ja gerade als einzige nicht ökonomisch rational handeln. Sie sollen stumm dastehen, von allen behandelt, wie man eben behandelt wird, wenn man ganz am Ende der Nahrungskette steht.

Aber sich an ihrer Leistung gütlich tun, das wollen alle, die ihr Leben lang auf Mütter und Hausfrauen heruntergeschaut haben. Erst werden die Mütter ausgesaugt, dann die Kinder, die sie groß gezogen haben. So macht es die Industriegesellschaft vor, so machen es die Männer, die angeblich das Geld verdienen, nach, so erfinden sich Karrierefrauen eine Position in einem kranken System. Wenn aber einer von ihnen –in welcher Hinsicht auch immer- bedürftig wird, dann greifen sie eiskalt und ohne die Leistung zu belohnen, auf die Kinder zurück, die die Mütter unter Mühen und Verzicht versorgt haben.

Mühe und Verzicht – die müssen in barer Münze vergolten werden, und zwar von den anderen, den Nutznießern. Stattdessen ist die Mitteilung über die Rentenhöhe, der schöne Computerausdruck der Deutschen Rentenversicherung, immer wieder ein Schlag ins Gesicht, ein Beweis, wie unendlich dumm man ist, sich als Mutter seine Leistung nicht bezahlen zu lassen – als einzige in dem Land.

Da kommen zum Beispiel bei einer vierfachen Mutter knappe 240 Euro zusammen, bei einem angestellten Mann 1700 Euro. Die Konsequenz ist klar: Nur wer arbeitet, darf auch essen. Mütter sind nichts wert. Das ist die Botschaft, die alle aussenden, die Frauen nur in Arbeitsverträgen akzeptieren. Die Zahl der Feinde wächst. Zu den arroganten Ehemännern, die Frauen, als sie noch Kinder waren, schon als Väter erlebt haben, kommen nun die Marktgläubigen, die andere als geldbewertete Leistungen verachten.

Recht haben sie! Man sieht am Pflegenotstand, was passiert, wenn Frauen die Arbeit einfach nicht mehr machen. Mütter müssen in diesem System, das auf Generationenverträgen fußt, die höchsten Renten überhaupt erhalten. Wenn ihnen das weiterhin verweigert wird, sollten sie ihre Kinder so erziehen, dass die sich später nur um ihre Mütter und um niemanden sonst kümmern werden.

 

 

 

 

Betreuungsgeld? Frauen wissen: Geld gibt's nicht ohne Gegenleistung

Von Ricarda Hochländer

 

Es gehört zum angestammten Frauenwissen, dass niemand Geld gibt, ohne Gegenleistungen zu verlangen. Wer eine lange Geschichte mit allen Abhängigkeitsstadien, die die Menschheitshistorie kannte, hat, ist nicht naiv. Es können also nur Männer auf die Idee kommen, sich am aktuell diskutierten Betreuungsgeld zu stören, weil der gebende Staat sich in die private Familienarbeitsteilung einmischen will. Natürlich will er das und wird er das! Betreuungsgeld ist eine der zahlreichen Varianten desselben Spiels: Ich gebe dir, und dafür bestimme ich. Auch die Erkenntnis, dass das am Ende ein Nullsummenspiel für den angeblich großzügig Bedachten ist, gründet sich auf den Vorläufern – Frauen haben immer durch ihre Arbeit die Erwirtschaftung des Geldes erst möglich gemacht, das ihnen unter Betonung einer angeblichen Großzügigkeit zurückgegeben wurde. Perfide, daraus Abhängigkeiten zu erschaffen, aber so ist es gewesen, und so wird es mit dem Betreuungsgeld nicht anders sein.

Jedes System schafft sich seine Unterdrückungsinstrumente. In der Sozialen Marktwirtschaft ist das Betreuungsgeld eines davon. Erst finanzieren Familien sich das Betreuungsgeld durch Abgaben selber, dann wird es ihnen nur gegeben, wenn sie hübsch folgsam sind. Ja, die Mächtigen haben dieses Spiel schon immer gespielt - aber: Aufrührerische Frauen haben sich ihr Recht –und auch das Geld, das ihnen zusteht-  zu holen verstanden. Steuerhinterziehung ist eine langweilige Männerreaktion. Frauen haben lernen müssen, mutig die Stirn zu bieten. Nein zum erwünschten Verhalten! Nein zu einer Familienpolitik, die freie Lebensentwürfe bestraft! Heute stellt sich vor die Kanonen, wer gegen den Zwang zu abhängigen Beschäftigungsverhältnissen opponiert, wer weiterhin mit Vätern jenseits von Finanzamt und Antragstellung zusammen wickelt, wer seine Kinder zu Rebellen gegen die Staatsbevormundung erzieht. Diese Macht haben Mütter, die, obschon totgeredet, weil überredet, quicklebendig werden können, wenn es darum geht, sich zu wehren.

 

 

 

 

Familien-Dumping

Eine Geschäftsidee der staatlichen Deutschland AG

Von Ian Orange Ginsborough

 

Familien-Dumping ist die große Geschäftsidee der Bundesrepublik Deutschland. Die Regierenden haben sich die dafür eingesetzten Instrumente bei der freien Wirtschaft abgeschaut; deshalb funktioniert das Familien-Dumping auch besser als alles andere, was sie selber entwickeln müssen.

Sie haben sich überlegt: Kaufen müssen die Leute immer, was sie benötigen. Heben wir doch die Konsumsteuern an, erzählen, das täten wir für die nächste Generation und lassen uns dafür feiern. Einziges Problem: Die nächste Generation darf sich derweil von schlechtem Essen ernähren, muss den künstlichen staatlichen Preisantrieb auffangen, wird darüber dick und unbeweglich. Woraufhin sich dieselben Politiker hinstellen und Zwangsuntersuchungen fordern. Eine sechsköpfige Familie muss sechsmal die Verteuerung ertragen und wird dann dafür an den Pranger gestellt, dass sie auf billigere Produkte ausweichen muss. Die beliebten repräsentativen Warenkörbe sind Single-Warenkörbe; eben darum sind sie ja repräsentativ für das singlebesiedelte Land. Der Mehrwertsteuererhöhung ausweichen kann nicht die Familie, und damit finanziert sie munter das System, das sie ausbeutet.

Eben eine rundum gute Geschäftsidee, die von Aldi nicht besser erdacht worden sein kann. Was noch fehlt in dem System ist, alles über Konsumsteuern zu finanzieren – den Wählermassen, die ja keine Familien sind, kommt das ganz entgegen. Dann heißt es: Wer seine Kinder nicht vernünftig ernähren kann, hat sie in Staatseinrichtungen zu geben. Da gibt es dann das Gute, das Familien in Wahrheit finanziert haben. Die perfekte Konsumzuweisung zieht die perfekte Menschenzuweisung nach sich.

Familien-Dumping bereitet totalitäre Rechtsbrüche vor und nimmt ihnen den Schrecken, den sie eigentlich weiterhin haben müssten.

 

 

 

 

Kinder und Mütter, als Objekte behandelt

Und deswegen für immer ausgebeutet: Armutsbericht = Familienbericht

Von Ricarda Hochländer

 

Armutsberichte sind Familienberichte. Deshalb geht es gar nicht darum, Debatten über Umverteilung, mehr Leistungsanreize oder Arbeitseinkommen zu fordern. Denn Familien sind aus einem einzigen Grund arm: In ihnen leben Kinder und Mütter, die in der Gesellschaft als Objekt behandelt werden. Sie sind ohne Wahlrecht (auch die Mütter, denn ihr Recht zu wählen, was für ihre Kinder gut ist, wird durch die Gleichstellung – die eine Schlechterstellung ist – mit Kinderlosen unterminiert). Sie sind ohne persönliche Freiheit – in der heutigen Zeit gibt es nur noch Gefängnisse, in denen so viel Distanz zur Außenwelt verlangt wird wie in Schulen. Sie sind ohne Streikrecht - ein Mütter-Kinder-Streik ist, da sie wie Sklaven gegen den Rhythmus der Gesellschaft leben müssen (wem außer Mütter mit Kindern begegnet man morgens um sieben auf den Straßen des Landes?), ziellos. Sie sind in einer Welt der Lobbies unorganisiert, weil sie mit Bedacht des gemeinsamen Nenners beraubt wurden. Objekte sind überall auf der Welt arm und ausgebeutet. Wer Armut bekämpfen will, muss Rechte geben. Familien würden sofort zugreifen und die ihnen zustehende Freiheit wählen. Binnen kurzem würden sie auch materiell ein besseres Leben führen und im Armutsberichte nicht mehr auftauchen.

 

 

 

 

Wirtschaftsgeschichte für Kinder: Politikgemachte Konzernwesen

Die Managergehälter, die ich rief…

Von Ian Orange Ginsbororugh

 

Kinder sollen durch Vorbilder lernen. Kinder sollen früh Marktwirtschaft (oder das, was in Deutschland dafür gehalten wird) lernen. Wie passt das zusammen mit den stolpernden Konzernbossen, den gierigen Managern, den prostituierenden Betriebsräten? Das sind alles nicht die Menschen, die man seinem Nachwuchs als goldene Beispiele einer gelungenen Lebensführung ans Herz legen möchte.

Doch als Lehrobjekte eignen sie sich sehr. Wie konnten sie werden, was sie sind? Und wie wurde dann das aus ihnen, was sie jetzt darstellen? Die Suche nach den Antworten gerät zu einem Kurs in deutscher Wirtschaftsgeschichte. Diese Wirtschaftslenker sind Produkte der siebziger Jahre, als Großunternehmen und Konzerne die Chance ergriffen, sich von willigen Politikern mit Marktmacht und Subventionen auszustatten. Der Mittelstand wurde mit nicht-marktkonformen Mitteln angegriffen; der Unternehmer, der auf eigenes Risiko und eigene Kasse handelte, zur gesellschaftlichen Unfigur diffamiert. Auch den Gewerkschaften kam das zupass. Sie konnten sich in Riesenfirmen besser organisieren. Die künstlich geschaffenen Manager, die ganz andere Eigenschaften brauchten als im eisigen Wind der freien Wirtschaft sonst nötig, waren sich ihrer Mängel immer bewusst. Sie schotteten sich deshalb ab und schafften sich ihre eigene Welt, mit eigenen Funktionsweisen.

Jahrzehntelanges und bis heute nicht beendetes Bauchpinseln durch die Politik gaben ihnen die falschen Signale. Nur ab und zu spüren sie, wenn sie mit wirklichen Menschen, die ihr Geld in einer freien Wirtschaft verdienen müssen, zusammenkommen, ihre Defizite. Dann muss schnell reagiert, muss sich schnell das Gehalt erhöht werden. Das Spiel der politikgemachten Konzernwesen könnte irgendwann vorbei sein.

Wer die Geister rief, der wird sie nicht mehr los und ruft nun laut nach einer Begrenzung der Managergehälter. Gut für die Kinder: Wenn wir Glück haben, ziehen wir unabhängige Geister heran. Lehrstücke dieser Art dienen dazu.

 

 

 

 

 

Familien, wehrt Euch gegen die Kindergelderhöhung!

Nein zu Trostpflastern, um echte Verbesserungen zu erzwingen

Von Ole de Vries

 

Noch ist das Kopfschütteln über die generösen, dem System (falls noch nötig) einen weiteren Todesstoß versetzenden Rentenerhöhung nicht beendet, da kommt der Vorschlag von Politikern, das Kindergeld gehöre erhöht. Das soll beruhigen, soll eine Bevölkerungsgruppe zum Schweigen bringen, die sich dem großzügigen Verteilen entgegenstellen würde. Familien sind schon von ihrer Anlage her der ruhende, duldende Pol einer Gesellschaft. In Deutschland aber rumort es, die Familien wollen nicht mehr, weil sie nicht mehr können, „Revolution!“ rauscht es an den Abendbrotstischen: Und gemeint ist – Schluss mit der Politik auf Kosten der Kinder.

Die Rentenerhöhung ist dasselbe wie die Schul- und Hochschulreform, ist dasselbe wie die Muskelspiele darum, wem die Kinder eigentlich gehören. Eltern sollen zu murren aufhören, sollen bei Aldi an der Kasse sitzen, sollen die Verantwortung für ihre Kinder abgeben, damit das gesellschaftliche System Deutschlands weiter seine Gewinner behalten kann. Wer Augen hat zu sehen, der kann sehen, wer diese Gewinner sind. Stadtviertel, Urlaubsorte, Bürotürme; keiner von denen hat etwas mit Kindern zu tun.

Wer Familien mit einer Kindergelderhöhung locken will, der hat das Kindeswohl als letztes im Blick. Man sollte wissen, dass Familien sich diese Kindergelderhöhung am Ende selber zahlen. Jeder merkt zur Zeit, wo der Staat überall zulangt; je mehr Menschen man zu versorgen, je mehr Wege man zu machen hat: Jeder Schritt kostet mittlerweile. Da soll eine Kindergelderhöhung zu feiern sein?

Nein, wir müssen heraus aus dieser Abwärtsspirale, wir müssen schnell etwas verändern, wir müssen die Beharrungstendenzen loswerden. Familien sollten sich gegen die Kindergelderhöhung stellen. Sie sollten sich wehren, wenn wieder andere Politiker das angeblich für Familien reservierte Geld in Institutionen fließen lassen wollen. Sie sollten sagen, dass sie die Träger des Systems sind, ohne Nutznießer zu sein. Besonders die besitzlosen Familien mit mehreren Kindern sollen ruhiggestellt werden. Sie halten all die schönen Träume der anderen am Leben und werden selbst um alles gebracht. Stünde ihnen ein faires Wahlrecht zur Seite, sie wären nie Nichtwähler geworden. Sie sollten jetzt aufstehen und Nein sagen. Nein zu Trostpflastern, um echte Verbesserungen zu erzwingen. Es wäre ein Anfang.

 

 

 

 

 

Religion? Mein Lieblingsfach heißt Ernst & Young

Wer will die totale Wirtschaft?

Ein Kommentar von Ian Orange Ginsborough

 

Freie Entscheidung ist etwas anderes. Schutz von Minderjährigen auch.

Die große Aktion „Handelsblatt macht Schule“ nutzt es aus, dass junge Menschen ihnen und ihren Sponsoren ausgeliefert sind. Sie senden „Macher“ aus, um den Schülern Wirtschaft zu „erklären“. Dafür würden Theoretiker genügen – die Schüler sollen bei diesen Rekrutierungsmaßnahmen nicht Sachwissen erlangen, sondern als Opfer Frühmarketings mit Firmennamen beballert und für ein Lebensmodell euphorisiert werden. Sie sollen gerade nicht Fakten erfahren, um sich dann eine Meinung zu bilden. Was da an mittlerer Wirtschaftsgarde, mit ein wenig Kenntnissen aus Konzernkarrieren beleckt, in chicen Anzügen und Blazern seinen hochtoupierten Lebensstil in die Schulen tragen soll, soll vorführen, dass kritisches Denken nur schadet.

Die Sponsoren, die die noch zu beeinflussende Jugend in die Zange nehmen will, reichen von Ernst & Young bis zur Deutschen Bank. Eine unabhängige Wirtschaftszeitung organisiert die Werbeveranstaltung. Kein einziger authentischer Mittelständler ist dabei, und das hat Methode. Bei Aktionen dieser Art geht es nicht um Wirtschaftswissen. Dort soll das Leben nicht in Zusammenhänge gesetzt werden, sondern einem übersteigerten Kapitalbegriff gedient werden.

Das gelingt nur, wenn man sich ein eigenes Wertegeflecht erschafft, und so ist es in manchen Konzernen längst geschehen. Eine gruppenspezifische, für Außenstehende entlarvende Sprache ist das Entree in eine jedes andere Denken aggressiv ablehnende Gemeinschaft. Der moralische Überbau speist sich aus verschiedenen religiösen und pseudo-religiösen Quellen, je nach Bedarf: Esoterik, Zen-Buddhismus, Sprüche und Formeln. Eigenständigkeit, Lebensfreude, an realen Maßstäben messbare Moral, all das wird ausgeblendet.

Es gibt kein Entrinnen in ein Privatleben, Charakter und Individualität sind nach kurzem nicht mehr zu erkennen. Es ist kein Zufall, dass der evangelische und katholische Religionsunterricht um seine Existenz kämpfen muss, parallel dazu aber Zeit und Wille ist, so etwas Sektenartiges im Stundenplan zu dulden.

Doch noch schlimmer: Kriterien guten Wirtschaftens kennt dieser Typus homo oeconomicus gar nicht. Er geht nicht pleite, das tun nur andere, er hungert nie, das tun nur andere, er hilft niemandem, das tun nur andere. Von totaler Zukunftslosigkeit beherrscht.

Die da geschickt werden sollen, um einem Schüler „Praxis“ zu vermitteln, können das niemals. Denn sie kennen sie nicht.

 

 

 

 

Seid stolz!

Sagt "Nein!" zum Betreuungsgeld

Ein flammender Aufruf von Ole de Vries   

 

Familien müssen beständig um ihr Geld gebracht werden. Das ist wichtig für den Erhalt eines Systems, das von ideellen Werten gefährdet wird. Es geht um Macht, und die darf von Familien – in ihrer gesamten Struktur etwas Subversives – nicht angegriffen werden. Familien machen es den Tätern leicht: Sie lassen sich zu allem zwingen, nur um die Kinder anständig großzukriegen. Die Mechanismen des Stillhaltens sind gut eingeübt. Nur langsam regt sich Widerstand. Familien gehorchen nicht mehr.

Beispiel München: Dort wurde ein Ghetto ersonnen, in München-Riem. Da sollten die Familien hin. Steuergeld für subventioniertes Wohnen sollte aufgewendet werden. Es ist im allgemeinen Interesse, sich nicht von Kindern stören zu lassen. Leider haben die Familien nicht mitgespielt. Sie haben München gleich ganz verlassen. Das mindeste, was zu fordern ist, um kostbare Familien angesichts von Familienmangel zu bekommen: Einzelne, gute Wohnhäuser in Bestlage. Würde im Falle Münchens nur bedeuten, ein paar Wohnungen wieder zu Wohnungen anstatt Büros, Praxen, Kanzleien umzuwandeln. Überall wird ins Marktgeschehen hineingepfuscht, aber beim Thema „Wohnen für Familien“ – o nein – da ist das unmöglich.

Stattdessen wird in wiederkehrendem, gesetzmäßigem Rhythmus die nächste Zauberkiste geöffnet, um Familien ruhigzustellen. Das neueste Ritalin heißt Betreuungsgeld. So will man die Familien an den nächsten Tropf hängen und bewegungsunfähig machen.

Den Familien ist es schon alles egal. Sie leben damit, abgehängt zu sein und es sowieso nicht mehr zu schaffen. Das nächste Lasso also, das dann immer enger gezogen wird.

Nur im Vergleich zu den Schicksalsgenossen sucht man noch nach Heil. Zu den unabhängigen Familien schaut man hoch. Sie nehmen nichts. Ihr Leben ruft laut: Egal, wie weit unten Ihr seid! Nehmt es nicht, nehmt kein Geld! Verzichtet auf die Almosen der Feudalherren, früher Herzöge, Fürsten, Grafen, heute Singles, Politiker, Karrieristen! Verzichtet auf einen Witz an Geld, das nur Eure Ausbeutung zementiert! Kämpft Euch durch, gewinnt Eure Freiheit zurück!

Echte Bezahlung ist dieses Betreuungsgeld nicht und wird es niemals. Das ist ein dünner Zuckerguss, unter dem die Familie verreckt. Seine Höhe wird aus gutem Grund nicht festgelegt. Sie wäre astronomisch hoch. Vorbilder für Kinder sind stolze Eltern. Eltern, die wissen, was ihre Leistung wert ist. Lasst nicht zu, dass die Kinder ein Leben in Ketten verbringen. Nehmt nichts, dann steht denen, die Euch missachten, auch nichts von Euren Kindern zu. Erzieht Eure Kinder! Bringt ihnen bei, dass sie niemandem etwas schuldig sind.

 

 

 

 

"Sich mit niemandem gemein machen"

Unternehmen und Werte

Eine kleine Umfrage von Ian Orange Ginsborough

 

Würde jemand Unternehmer als bescheiden karikieren, würde leider niemand diesen Typus erkennen. Nein, Unternehmer protzen. Leider Gottes ausgerechnet immer erst, wenn sie richtig Erfolg haben. So ist das auch mit ihrem kulturellen Engagement. Da ist lange, lange Bescheidenheit angesagt. 

Deshalb reden derzeit auch nur andere – in der Hauptsache Berufsredner- über die angeblichen moralischen Pflichten, die ein Unternehmer habe. Welchen Werte er zu folgen habe, welche vorzuleben. Wir haben uns auf den Weg gemacht, um Unternehmer zu fragen, was sie denn so für die Kultur und den Nachwuchs tun. Fragen, die Librikon natürlich interessieren. Offene Türen rannten wir ein. Kleine Firmen, Erwähnung nicht nötig. Sich feiern lassen, das tun die, die gewählt werden sollen für ihr übergroßes Engagement.

Der Staat, so die Meinungen, solle seine Steuerungsfunktion wahrnehmen, wenn es um Ausbildung geht. Das funktioniert gut über Steuern. Und dann hat man die jungen Leute im Betrieb und das gerade bei wirklich ortsansässigen, treuen Firmen sehr gerne. Mit Elite –was da die Stars und Sterne von den Konzernen zu sein vorgeben - hat das zum Glück nichts zu tun.

Fazit: Unternehmer sind nicht Elite, sie können sie nur unterstützen. Sie machen die praktische Arbeit und verdienen das Geld, das tun die Köpfe nie; dürfen sie gar nicht. Unternehmer sind damit das Bindeglied zwischen der Menge an Menschen, die durch ihrer Hände Kraft überleben müssen und den Denkern, die die Elite stellen.

Dadurch ergeben sich die Werte, die aus ungeschriebenen Gesetzen resultieren, für Unternehmer automatisch: Sich mit keiner Sache gemein machen (schon gar nicht mit der des Bürgermeisters), keine Subventionen annehmen, nie an Parteien Spenden, keiner Organisation angehören, privat haften und damit glaubwürdig bleiben und die so alte, wie wichtige Weisheit beherzigen: Der Arbeiter ist der König.

 

 

 

 

Mindestlöhne für Mütter?

Effektivitätsgedanken und Staatslenker

Von Ole de Vries

 

Wenn mit der Einführung von Mindestlöhnen die sozialen Aufgaben des Staates an Unternehmen weitergereicht werden, bleiben gerade wieder die auf der Strecke, die anerkanntermaßen keine Arbeitskraft haben, um sie einem Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Deswegen werden Jugendliche vom Mindestlohn nur negative Auswirkungen erleben. Die Jugendarbeitslosigkeit wird zementiert, weil Unternehmen bei Mindestlohnzwang nicht einstellen, wer (zunächst) in seiner Leistung darunterliegt. Und Kinder, die wie Rentner außerhalb des Berufslebens stehen – aber eben ohne Rente!- , haben nichts von Mindestlöhnen – Eltern erhalten nicht „mehr Mindestlöhne“ als Nicht-Eltern. Eine Politik, die Mindestlöhne als Sozialtat verkauft, lässt diejenigen, die wirklich gesellschaftliche Unterstützung nötig hätten, im Regen stehen. Würden sämtliche gesetzlich erzwungenen Abgaben, die die Träger des Systems belasten – allen voran die Rentenversicherung, in die Eltern im Vergleich zu Singles durch Beiträge und Kindererziehung doppelt und dreifach einzahlen -  würde der Staat seine Familien nicht mit diesen Abgaben belasten: Es würde gar nicht der Ruf nach einem die Marktwirtschaft ruinierenden Mindestlohn laut.

Die Gegner des Mindestlohns kommen fast ausnahmslos aus dem Lager wirtschaftlich versierter Vordenker. Sonst einflussreich, konnten sie den Kampf gegen den Mindestlohn nicht aufnehmen: Sie hatten sich –zum Beispiel in der Bildungsdebatte- viel zu sehr mit dem (niemals echten) Effektivitätsgedanken der Staatslenker gemein gemacht. Für ein kluges Gesellschaftssystem müssen sich indes viele Gruppen zusammentun, für die ein Leitgedanke über allem steht. „Dem Staat nur, was dem Staate ist, und den Unternehmen nur, was den Unternehmen ist.“ Nur diese Trennung wird die Situation der ausnahmslos staatstragenden Familien verbessern. Aber da die Politik von ihr gesteuerte Mindestlöhne durchgesetzt hat und damit der Lohn gar nicht mehr am Markt orientiert ist, kann es für erziehende Mütter und Väter nur bedeuten, ebenfalls sofort Mindestlöhne einzufordern. Das finden Sie unsinnig? Warten Sie ab! Marktwirtschaftswidrig – das können auch Familien!

 

 

 

 

Wovon „Domicil“ erzählt

Lebensart und Kinderleben

Von Francois Langer

 

Hört man den politischen Diskussionen zu, könnte man denken, die Kinder in Mitteleuropa würden in einer Kampfzone aufwachsen. Hineingeraten sind sie da, weil Politiker irrtümlicherweise dachten, Familien- und Bildungspolitik wären ein Gebiet, in dem man sich schnell mal profilieren kann. Hineingehören tun Kinder da nicht. Kindheit ist noch immer das Paradies, auf das Erwachsene neidisch sein dürfen. In die Kindheit gehören Phantasie und Träume, gehören Nichtstun und sich Behaglichfühlen.

Natürlich, wer auf die ghettoisierte Zumutung „Neubaugebietsgärten“ blickt, wer die Vertreibung der Kinder aus dem Straßenbild beobachtet, wer schließlich in einem Indoor-Spielplatz endet, der darf schon befürchten, dass Kinder sich nicht wohlfühlen sollen. Doch wenn man dort stöbert, wo Lebensart im Mittelpunkt steht, dann wird man auch fündig, was Kinderleben betrifft.

In „Domicil“ etwa, einem Heft für die Gestaltung von Haus und Garten, fällt uns auf einem der Hochglanzbilder als erstes ein Buch ins Auge: „Der kleine Prinz“. Natürlich, es ist rein als Accessoire hindrapiert. Aber man möchte es sich schon schnappen, sich in den danebenstehenden Sessel fallen lassen und lesen, bis man von der Tochter verjagt wird, die ihrerseits schmökern möchte.

Erstaunlich? Kinder genießen eine schöne Umgebung, und Erwachsene können sie noch mehr genießen, wenn Kinder das volle Leben hineinbringen. Kinder brauchen Ecken zum Lesen, zum Zeithaben, sie brauchen - nach den Eindrücken der Schulgebäude, die den Charme eines Bezirksamtes ausstrahlen – auch Stil und Ambiente. Das hat mit steifen Püppchen, die ins noch steifere Heim gestellt werden, nichts zu tun, das hat zu tun mit Kindern, deren ganze Sinne angesprochen werden. Vollstellen mit Spielzeug und Plastikmobiliar ist damit nicht gemeint. Lebensart vermittelt auch eine Denkungsart.

Beim Durchblättern von „Domicil“ begegnen einem immer auch Wohnungen, Häuser, Anwesen, die die wohlige Anwesenheit von Kindern verraten. Man könnte Kindern das schon zurückgeben, in dem man sie ernst nimmt und sie als gleichberechtigte Mitbewohner zulässt! Wer die Literatur der Kindheitserinnerungen durchstreift, der liest von Mobiliar und Gegenständen, die eine eigene Strahlkraft haben. Sie nehmen Bedeutung an und geben ein Mindestmaß an Geschmack und an geistiger Reife vor. Der Geschmack, in dem Kinder anderenfalls ein Leben lang verharren, wäre der eines einrichtungsgewordenen übersüßten, billigen, rosa Kaugummis.  

Demnächst: "Irrsinn Elternschlafzimmer"

 

 

 

 

 

Kleine Wirtschaftsobjekte

Warum (nicht nur) Verlage Schulkinder in Ruhe zu lassen haben

Von Lennart Ragmann

 

Die Wirtschaftsverbände versprechen dem Politapparat, für arbeitende Steuerzahler zu sorgen (einem wackligen Politapparat, der viel für sich und wenig für die Gesamtheit seiner Bürger tut). Gegenleistung: Überall, wo es dem Staat möglich ist, wird versucht, humankapitale Arbeitskräfte zu produzieren.

Das trifft zuallererst den Nachwuchs in den Schulen. Staatsinstitutionen öffnen nur um des eigenen Überlebens willen Wirtschaftsinteressen Tür und Tor. Die völlige Ideologisierung der Bildungseinrichtungen. Die Wirtschaftsform derzeit: Marktwirtschaft (früher: Zentralwirtschaft). Bildung stört, Ausbildung soll es sein, für den „Markt“, nicht am einzelnen jungen Menschen ausgerichtet. Schon Kinder sollen als  Wirtschaftssubjekte wahrgenommen werden.

Da sie aber noch unmündig sind, muss ihnen geholfen werden, und das sollen von Staat und Wirtschaft gelenkte und per Gesetz dazu legitimierte Handlanger –Schulen, Jugendämter, selbst Kinderärzte- tun. Doch in diesem „Kinder zu Arbeitskräften“ - Programm gibt es Störenfriede: Die Eltern.

Sie haben ihr eigenes Bild von der Entwicklung der Kinder. Deshalb müssen sie zunächst entmündigt und ausgeschaltet werden, damit Staat und Wirtschaft einen hemmungslosen Zugriff auf die Kinder haben. Das geht am besten über Konsumzuweisung. Den Eltern zu unterstellen, sie würden das Kindergeld „falsch“ verwenden, ist ein gut gangbarer und perfider Weg hin zur Aberkennung des Erziehungsauftrags. Der Staat entzieht Geld (das Kindergeld ist übrigens kein „Bonus“, sondern ein Steuerausgleich), alles soll in die Staatsinstitutionen fließen.

Dort laufen kleine Wirtschaftsobjekte herum, denen in der elternfreien Zone Konsumwünsche oktroyiert werden können. Das wissen die ansonsten geistig reichlich eingeschränkten Marketing-Abteilungen der Unternehmen und versuchen, die Kinder mit ihren Produkten anzufixen.

Eltern kennen die klassische Situation: Alte Damen kommen und fragen, ob sie dem Kinde einen Bonbon geben dürfen. Nur so ist es richtig – man hat immer erst an die Eltern heranzutreten. Ein sensibler Umgang mit Bildungstraditionen ist besonders von Buchverlagen zu erwarten. Der um sich greifenden Unsitte, Buchpakete an Schulen zu verschicken (wohlgemerkt: Nicht als Geschenke an die Schulbüchereien, wo sie vielleicht ein staubiges Dasein fristen würden), sollten Verleger ein Ende bereiten. Bücher für Kinder gehören als allererstes in Elternhände, und von dort werden sie weitergereicht. Darauf muss schon vertrauen, wer seinen Verlagsprogrammen vertraut.  

 

 

 

 

 

Bis zur Unkenntlichkeit

Schattenseiten der Vermarktung: Der Fall Pumuckl

 

(librikon) Die Illustratorin von „Pumuckl“ hat mit einem Galeristen einen Malwettbewerb für Kinder veranstaltet, bei dem eine Freundin für Pumuckl –eventuelle Hochzeit nicht ausgeschlossen- gezeichnet werden sollten. Das glückliche Paar würde dann im Beisein der Sieger zusammenkommen, wenn auch noch ohne gemeinsamen Familiennamen.

„Die Geister, die ich rief“ – die alte Geschichte. Wer seine Kinderbuchfigur für kommerzielle Zwecke hergibt, wer sie für Film und Fernsehen, für Marketing und Merchandising zur Verfügung stellt, der muss auch mit den Schattenseiten der Vermarktung leben. Die Figur wird dem Schöpfer mehr und mehr entrissen, wird vielleicht sogar nur so bekannt, weil die Adaptionen besser als das „Ausgangsbuch“ sind. Ellis Kaut hat erlaubt, dass Pumuckl durch viele Medien hüpft, damit von anderer Hand umgeformt. Weiß Gott nicht jeder Kinderbuchautor lässt das zu und lebt deshalb friedlich, aber arm mit seinen Geschöpfen im Stillen vor sich hin. Aber Ellis Kaut ist den anderen Weg gegangen, und der führt nun einmal auch zu anderen, mitverdienenden Erwachsenen. Sie muss sich mit der Inbesitznahme durch Fremde abfinden. Das ist die Seite, die sich Wirklichkeit nennt.

Nun argumentieren die Richter jedoch auch innerliterarisch. Dem Einwand von Ellis Kaut, Pumuckl sei als Kobold ohne Geschlecht, ohne Liebe und Sexualität, treten sie entgegen. Der Pressesprecher der 7. Zivilkammer des Landgerichts München I, Tobias Pichlmair: „Nicht vergessen werden dürfe in diesem Zusammenhang, dass die Autorin selbst in einer ihrer Pumuckl-Geschichten davon erzählt, dass sich der Kobold – unglücklich – in die Nichte des Meister Eder verliebt. Im Lichte dessen müsse es die Autorin daher grundsätzlich hinnehmen, dass ihr Pumuckl mit einer Freundin in Verbindung gebracht werde.“ O nein! Elis Kaut hat vollkommen recht. Es ist nämlich etwas ganz anderes, ob sich ein Kobold in ein artfremdes Wesen, beispielsweise ein Menschenkind, oder aber in eine andere Koboldin verliebt. Pumuckl ist in seiner literarischen Anlage eine Figur, die die Nähe zu Menschen sucht und durch den Umgang mit ihnen zu Leben erweckt wird. Das ist der Ansatz, der die Handlung der Pumuckl-Geschichten vorantreibt. Andere Kobolde würden dieses konstitutive Element zerstören. Dass die Illustratorin Barbara von Johnson die Erzählung nicht weiterschreiben, aber weitermalen (lassen) will, kann man wie auch immer bewerten – von der literarischen Figur des Pumuckl jedoch ist das eine Entfernung, die einen neuen Namen, einen neuen Charakter, ein neues Sujet erforderlich macht. Ein Kinderbuch ist das, was drinsteht, und nicht, wie es zeichnerisch umgesetzt wurde.

Eine unbequeme Wahrheit für Verkaufsstrategen, Illustratoren und Richter. Und auch für Pumuckl. Keine oder andere Illustrationen hätten wohl bedeutet, niemals bekannt zu werden. Nun wird er bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Ein hoher Preis.

 

 

 

 

 

Zur Ordnung, zur Mitte!

Eine Polemik von Orange Ian Ginsborough

 

Ausdrücke fallen hier auf erhitzen Boden, Ausdrücke sogar verwendet von einer Familienministerin, einer Ministerin für die Frauen.

„Schnapsgeld“ ist da auf der einen Seite, „Herdprämie“ auf der anderen Seite zu hören, und erläutert wird das Ganze damit, dass Mütter sich doch nur Flachbildschirme kaufen würden anstatt Geld für ihre Kinder auszugeben. Das Bild, das da an die Wand geworfen wird, ist das der Mutter, die nur ihren eigenen Egoismus auslebt. Was für eine Diffamierung, die von der Öffentlichkeit einfach hingenommen wird! Man weiß von Müttern, die ihr Leben geben, in Krieg und Frieden, für ihre Kinder. Geld versaufen? Der Verein „Mütter für den Frieden“ verbindet Mütter, die kein Leid mehr wollen! Und wie viele Mütter können davon erzählen, wie anders, wie mitfühlend sie nach der Geburt eines Kindes das Elend anderer Menschen sehen. Geld versaufen? Mütter sitzen nicht aus Spaß an der Kasse bei Lidl. Sie wollen ihre Kinder ernähren. Sie tun das für ihre Kinder. Egoistische Mütter? Verschwindend wenige.

Warum diese Kälte? Weil es hätte passieren können, dass Familien etwas kosten?

Ganz anders klingen die Formulierungen nämlich, wenn Familien dem Staat Geld einbringen sollen. Dann zirkuliert die „Herdprämie“. Dann sind Frauen plötzlich gut ausgebildete, selbstbewusste, sich selbst verwirklichende Mütter, alles Ärztinnen und Anwältinnen, denen man nichts vorenthalten darf.

Für beide soll es Krippen geben – eine Diskussion, in die ich gar nicht eingreifen will. Keine Ideologie, die ist mir fern! Aber eine Klarstellung: Hier werden zwei Extremfälle benutzt, es wird die Minderheit zur Mehrheit erklärt: Weder egoistische Dauerglotzerinnen und selbstbewusste Ärztinnen sind das Gros der Mütter in Deutschland. Die Realität ist kein Extremfall. Hilfreich aber ist nur die Betrachtung der Mehrheit, nur kann man damit keine populistischen Sprüche klopfen.

Politiker, die sich einer solchen Sprache bedienen, gehören zur Ordnung gerufen. Sollten sich dahinter wirklich ihre Ansichten verbergen, müssen sie ihre Posten räumen. Denn egal ob mit oder ohne Kind, hier wird Frauen das menschliche Antlitz genommen. Über die Mütter werden Frauen diffamiert, über Randgruppen wird die Tür zu einem abstoßenden Horrorkabinett namens Frauen geschaffen.

Wo Frauenfeindlichkeit draufsteht, ist auch Frauenfeindlichkeit drin!  

 

 

 

 

Der ganz andere Standpunkt:

Frühförderung und Kinderarbeit

Eine Polemik von Ian Orange Ginsborough

 

Sind die Diskussionen in den intellektuellen Kreisen der Neuen Welt Europa um Längen voraus?

Die Hysterie um die Frühförderung von Kindern ist – gerade in Deutschland – in eine erschütternd rückschrittliche Phase getreten. In Kanada und den USA gibt es Zirkel, in denen „Frühförderung“ längst die Maske vom Gesicht gerissen wurde. Zu sehen ist dann die Fratze der Kinderarbeit.

Die Parallelen von Frühförderung und Kinderarbeit sind offenkundig. Beides entspringt denselben Beweggründen: Gier, Egoismus, ein inhumanes Kindheitsbild. Denn die Entwicklungsphasen des Menschen werden bei beidem nicht mehr respektiert, werden systematisch unterdrückt. Spielen? Nicht vorgesehen! Freisein? Nicht eingeplant! Jedes Jungtier darf, ja, muss im Spiel sein soziales Verhalten erlernen – aber die Kinder in der kapitalistischen Gesellschaft sollen, vom Staat und den Erwachsenen in Korsetts gepresst, kein einziges Jahr ihrer Kindheit einfach nur Kindsein.

Aus welchem Interesse kommt der Staat darauf, Kinder 1 bis 1 ½ Jahre früher zur Schule zu schicken? Aus rein volkswirtschaftlichen Überlegungen: Die Kleinkindbetreuung wird um ein Jahr verkürzt, das spart Geld und bringt mehr arbeitende Eltern. Die Kinder sind früher mit der Schule fertig und sollen ins Arbeitsleben geschickt werden. Die wenigen Kinder dürfen sich nicht entfalten, sondern müssen der Mehrheit der Älteren dienen.

Alles gutbekannte Gründe aus Staaten, die Kinderarbeit nicht verbieten! Die Kinder, die in Pakistan Teppich knüpfen, müssen das tun, um den Exportzahlen, der volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, der gesellschaftlichen Wertschöpfungskette zu dienen. Nichts anderes, als der deutsche Staat im Sinne hat.

Niemals das Kindeswohl!

Vielleicht muss das ein Staat auch nicht im Sinne haben, werden manche einwenden. Aber die Menschen in dem Staat, was ist mit denen? Warum fordern sie so aggressiv Frühförderung?

Sie denken an ihren Lebensstandard, sie denken an ihre Renten. Kindesglück spielt für ihre Ziele keine Rolle. Sie wollen den Kindern von heute nicht zugestehen, was sie selber hatten: Eine unbeschwerte Kindheit voller Spiel und Spaß. Genau das ist auch ein Funktionsprinzip der Kinderarbeit: Wer sie erzwingt, musste selber nie unter diesen Bedingungen arbeiten. Beide, Frühförderung und Kinderarbeit, greifen sich das kleinste und schwächste Glied der Gesellschaft heraus. Und das aus niedersten Instinkten. Nur an sich selber, an ihren eigenen Status denken sie. Da ist jedes Mittel recht.

Was verbindet Kinderarbeit mit „Frühförderung“?

Beides sind Feinde von dem, was Kinder gern machen: Spielenspielenspielen.

Beides ist Freiheitsberaubung, da darf man sich von hellen, sauberen Räumen nicht täuschen lassen!

Beides ist ungesund, weil nur Spiel und Spaß für kleine Kinder gesund sind.

Beides raubt Bildungschancen: Zu früh geförderte Kinder –Experten wissen das längst- erreichen früher ihr Lernmaximum, haben einen „Burnout“, wenn die eigentlich beste Lernphase einsetzt. Die Verschiebung ihrer Lebensphasen zerstört ihre persönliche Entfaltung.

Wenn Eltern bei Ikea stehen und sich bei jedem Teppich erkundigen, ob er nicht durch Kinderarbeit entstanden ist, mögen sie einmal ihre Eitelkeit überwinden, auf ihre Kinder schauen und sich zur Umkehr erzwingen.

 

 

 

 

Hoch

 

 

   
 

copyright by librikon