Daran, dass man arbeitet, Steuern zahlt und das Geld nie dort ankommt,
wo man es selber gern hätte – nämlich bei den Kinder, und zwar auch bei
den Kindern anderer Leute, die Unterstützung benötigen – daran haben wir
uns ja gewöhnt. Die Erklärung war ja einfach: Es ist nicht genug Geld
da. Nun, das ist derzeit nominell anders. Es wird mit Geld nur so um
sich geworfen, Geld, das die nächste Generation noch sauer wird
erarbeiten müssen. Die jetzige Kindergeneration, gern mit vielerei
Beschimpfungen geschmäht, soll rückwirkend dafür sorgen, dass die
Erwachsenen ihr gewohntes Wirtschaftsleben fortsetzen können. Von dieser
Vorleistung profitieren sollen sie aber nicht. Die Politik hat im
Konjunkturpaket die Wertigkeiten definiert: Ein Kind ist 100 Euro wert,
ein Neuwagen (inkl. Verschrottungsprämie) das 25fache. Den Neuwagen
leisten können sich selbstverständlich nur kinderlose und bevorteilte
Staatsbürger. Es wird mit einer Aggression der Erhalt des status quo,
die alte, schon früher unhaltbare Gesellschaftsordnung durchgeboxt, dass
die Reaktion auf ein solches Verständnis, wer wem etwas zu bezahlen hat,
nur in Gegenaggression enden kann. Die heutigen Erwachsenen werden
niemals mehr imstande sein, diesen Berg an Schulden durch produktive
Arbeit abzutragen. Das Konjunkturpaket ist also, selbst wenn es Wirkung
zeigt, eine Enteignung der nächsten Generation. Da sind die Lügen, man
investiere in Bildung, indem man das sowieso Notwendige wie Mobiliar und
Hausreparaturen zur Verfügung stellt, nur konfliktfördernd: Studenten
verstehen, dass sie aus familiären Situationen kommen, die entstanden
sind, weil der Staat privaten Wohlstand für Kinder nicht will, sie
verstehen, dass sie sich, ohne mitentschieden zu haben, ihre eigene
Uniausstattung selbst bezahlt haben. Die Ankurbelung der Wirtschaft ist
der Versuch einer sklerotischen Welt ein teures Korsett zu verpassen.
Einer Welt, die ihr ökonomisches Handeln gegen die nächste Generation
richtet. Ohne Aufstand wird das nicht über die Bühne gehen.
Drecksarbeit,
umsonst geleistet
Mütter und ihr
Rentenanspruch
Von Ricarda Hochländer
Was nicht bezahlt wird, hat auch keinen Wert – das ist kapitalistisches
Grundwissen, und nur wenn es um Mütter geht, wird salbadert, werden Sinn
und andere Gummiparagraphen bemüht, um sie bloß auszuklammern. Auf dass
die Mütter nur nicht merken, dass ihnen mehr zusteht als allen anderen
in der Gesellschaft. Aber sie sollen ja gerade als einzige nicht
ökonomisch rational handeln. Sie sollen stumm dastehen, von allen
behandelt, wie man eben behandelt wird, wenn man ganz am Ende der
Nahrungskette steht.
Aber sich an ihrer Leistung gütlich tun, das wollen alle, die ihr Leben
lang auf Mütter und Hausfrauen heruntergeschaut haben. Erst werden die
Mütter ausgesaugt, dann die Kinder, die sie groß gezogen haben. So macht
es die Industriegesellschaft vor, so machen es die Männer, die angeblich
das Geld verdienen, nach, so erfinden sich Karrierefrauen eine Position
in einem kranken System. Wenn aber einer von ihnen –in welcher Hinsicht
auch immer- bedürftig wird, dann greifen sie eiskalt und ohne die
Leistung zu belohnen, auf die Kinder zurück, die die Mütter unter Mühen
und Verzicht versorgt haben.
Mühe und Verzicht – die müssen in barer Münze vergolten werden, und zwar
von den anderen, den Nutznießern. Stattdessen ist die Mitteilung über
die Rentenhöhe, der schöne Computerausdruck der Deutschen
Rentenversicherung, immer wieder ein Schlag ins Gesicht, ein Beweis, wie
unendlich dumm man ist, sich als Mutter seine Leistung nicht bezahlen zu
lassen – als einzige in dem Land.
Da
kommen zum Beispiel bei einer vierfachen Mutter knappe 240 Euro
zusammen, bei einem angestellten Mann 1700 Euro. Die Konsequenz ist
klar: Nur wer arbeitet, darf auch essen. Mütter sind nichts wert. Das
ist die Botschaft, die alle aussenden, die Frauen nur in
Arbeitsverträgen akzeptieren. Die Zahl der Feinde wächst. Zu den
arroganten Ehemännern, die Frauen, als sie noch Kinder waren, schon als
Väter erlebt haben, kommen nun die Marktgläubigen, die andere als
geldbewertete Leistungen verachten.
Recht haben sie! Man sieht am Pflegenotstand, was passiert, wenn Frauen
die Arbeit einfach nicht mehr machen. Mütter müssen in diesem System,
das auf Generationenverträgen fußt, die höchsten Renten überhaupt
erhalten. Wenn ihnen das weiterhin verweigert wird, sollten sie ihre
Kinder so erziehen, dass die sich später nur um ihre Mütter und um
niemanden sonst kümmern werden.
Betreuungsgeld? Frauen
wissen: Geld gibt's nicht ohne Gegenleistung
Von Ricarda Hochländer
Es gehört zum angestammten Frauenwissen,
dass niemand Geld gibt, ohne Gegenleistungen zu verlangen. Wer eine
lange Geschichte mit allen Abhängigkeitsstadien, die die
Menschheitshistorie kannte, hat, ist nicht naiv. Es können also nur
Männer auf die Idee kommen, sich am aktuell diskutierten Betreuungsgeld
zu stören, weil der gebende Staat sich in die private
Familienarbeitsteilung einmischen will. Natürlich will er das und wird
er das! Betreuungsgeld ist eine der zahlreichen Varianten desselben
Spiels: Ich gebe dir, und dafür bestimme ich. Auch die Erkenntnis, dass
das am Ende ein Nullsummenspiel für den angeblich großzügig Bedachten
ist, gründet sich auf den Vorläufern – Frauen haben immer durch ihre
Arbeit die Erwirtschaftung des Geldes erst möglich gemacht, das ihnen
unter Betonung einer angeblichen Großzügigkeit zurückgegeben wurde.
Perfide, daraus Abhängigkeiten zu erschaffen, aber so ist es gewesen,
und so wird es mit dem Betreuungsgeld nicht anders sein.
Jedes System
schafft sich seine Unterdrückungsinstrumente. In der Sozialen
Marktwirtschaft ist das Betreuungsgeld eines davon. Erst finanzieren
Familien sich das Betreuungsgeld durch Abgaben selber, dann wird es
ihnen nur gegeben, wenn sie hübsch folgsam sind. Ja, die Mächtigen
haben dieses Spiel schon immer gespielt - aber: Aufrührerische Frauen haben
sich ihr Recht –und auch das Geld, das ihnen zusteht- zu holen
verstanden. Steuerhinterziehung ist eine langweilige Männerreaktion.
Frauen haben lernen müssen, mutig die Stirn zu bieten. Nein zum
erwünschten Verhalten! Nein zu einer Familienpolitik, die freie
Lebensentwürfe bestraft! Heute stellt sich vor die Kanonen, wer gegen
den Zwang zu abhängigen Beschäftigungsverhältnissen opponiert, wer
weiterhin mit Vätern jenseits von Finanzamt und Antragstellung zusammen
wickelt, wer seine Kinder zu Rebellen gegen die Staatsbevormundung
erzieht. Diese Macht haben Mütter, die, obschon totgeredet, weil
überredet, quicklebendig werden können, wenn es darum geht, sich zu
wehren.
Familien-Dumping
Eine
Geschäftsidee der staatlichen Deutschland AG
Von Ian Orange Ginsborough
Familien-Dumping ist die große
Geschäftsidee der Bundesrepublik Deutschland. Die Regierenden haben sich
die dafür eingesetzten Instrumente bei der freien Wirtschaft abgeschaut;
deshalb funktioniert das Familien-Dumping auch besser als alles andere,
was sie selber entwickeln müssen.
Sie haben sich überlegt: Kaufen müssen die
Leute immer, was sie benötigen. Heben wir doch die Konsumsteuern an,
erzählen, das täten wir für die nächste Generation und lassen uns dafür
feiern. Einziges Problem: Die nächste Generation darf sich derweil von
schlechtem Essen ernähren, muss den künstlichen staatlichen Preisantrieb
auffangen, wird darüber dick und unbeweglich. Woraufhin sich dieselben
Politiker hinstellen und Zwangsuntersuchungen fordern. Eine sechsköpfige
Familie muss sechsmal die Verteuerung ertragen und wird dann dafür an
den Pranger gestellt, dass sie auf billigere Produkte ausweichen muss.
Die beliebten repräsentativen Warenkörbe sind Single-Warenkörbe; eben
darum sind sie ja repräsentativ für das singlebesiedelte Land. Der
Mehrwertsteuererhöhung ausweichen kann nicht die Familie, und damit
finanziert sie munter das System, das sie ausbeutet.
Eben eine rundum gute Geschäftsidee, die
von Aldi nicht besser erdacht worden sein kann. Was noch fehlt in dem
System ist, alles über Konsumsteuern zu finanzieren – den Wählermassen,
die ja keine Familien sind, kommt das ganz entgegen. Dann heißt es: Wer
seine Kinder nicht vernünftig ernähren kann, hat sie in
Staatseinrichtungen zu geben. Da gibt es dann das Gute, das Familien in
Wahrheit finanziert haben. Die perfekte Konsumzuweisung zieht die
perfekte Menschenzuweisung nach sich.
Familien-Dumping bereitet totalitäre
Rechtsbrüche vor und nimmt ihnen den Schrecken, den sie eigentlich
weiterhin haben müssten.
Kinder und Mütter, als Objekte
behandelt
Und deswegen für immer ausgebeutet:
Armutsbericht = Familienbericht
Von Ricarda Hochländer
Armutsberichte sind Familienberichte.
Deshalb geht es gar nicht darum, Debatten über Umverteilung, mehr
Leistungsanreize oder Arbeitseinkommen zu fordern. Denn Familien sind
aus einem einzigen Grund arm: In ihnen leben Kinder und Mütter, die in
der Gesellschaft als Objekt behandelt werden. Sie sind ohne Wahlrecht
(auch die Mütter, denn ihr Recht zu wählen, was für ihre Kinder gut ist,
wird durch die Gleichstellung – die eine Schlechterstellung ist – mit
Kinderlosen unterminiert). Sie sind ohne persönliche Freiheit – in der
heutigen Zeit gibt es nur noch Gefängnisse, in denen so viel Distanz zur
Außenwelt verlangt wird wie in Schulen. Sie sind ohne Streikrecht - ein
Mütter-Kinder-Streik ist, da sie wie Sklaven gegen den Rhythmus der
Gesellschaft leben müssen (wem außer Mütter mit Kindern begegnet man
morgens um sieben auf den Straßen des Landes?), ziellos. Sie sind in
einer Welt der Lobbies unorganisiert, weil sie mit Bedacht des
gemeinsamen Nenners beraubt wurden. Objekte sind überall auf der Welt
arm und ausgebeutet. Wer Armut bekämpfen will, muss Rechte geben.
Familien würden sofort zugreifen und die ihnen zustehende Freiheit
wählen. Binnen kurzem würden sie auch materiell ein besseres Leben
führen und im Armutsberichte nicht mehr auftauchen.
Wirtschaftsgeschichte für Kinder: Politikgemachte Konzernwesen
Die Managergehälter, die ich rief…
Von Ian Orange Ginsbororugh
Kinder sollen durch Vorbilder lernen.
Kinder sollen früh Marktwirtschaft (oder das, was in Deutschland dafür
gehalten wird) lernen. Wie passt das zusammen mit den stolpernden
Konzernbossen, den gierigen Managern, den prostituierenden
Betriebsräten? Das sind alles nicht die Menschen, die man seinem
Nachwuchs als goldene Beispiele einer gelungenen Lebensführung ans Herz
legen möchte.
Doch als Lehrobjekte eignen sie sich sehr.
Wie konnten sie werden, was sie sind? Und wie wurde dann das aus ihnen,
was sie jetzt darstellen? Die Suche nach den Antworten gerät zu einem
Kurs in deutscher Wirtschaftsgeschichte. Diese Wirtschaftslenker sind
Produkte der siebziger Jahre, als Großunternehmen und Konzerne die
Chance ergriffen, sich von willigen Politikern mit Marktmacht und
Subventionen auszustatten. Der Mittelstand wurde mit
nicht-marktkonformen Mitteln angegriffen; der Unternehmer, der auf
eigenes Risiko und eigene Kasse handelte, zur gesellschaftlichen Unfigur
diffamiert. Auch den Gewerkschaften kam das zupass. Sie konnten sich in
Riesenfirmen besser organisieren. Die künstlich geschaffenen Manager,
die ganz andere Eigenschaften brauchten als im eisigen Wind der freien
Wirtschaft sonst nötig, waren sich ihrer Mängel immer bewusst. Sie
schotteten sich deshalb ab und schafften sich ihre eigene Welt, mit
eigenen Funktionsweisen.
Jahrzehntelanges und bis heute nicht
beendetes Bauchpinseln durch die Politik gaben ihnen die falschen
Signale. Nur ab und zu spüren sie, wenn sie mit wirklichen Menschen, die
ihr Geld in einer freien Wirtschaft verdienen müssen, zusammenkommen,
ihre Defizite. Dann muss schnell reagiert, muss sich schnell das Gehalt
erhöht werden. Das Spiel der politikgemachten Konzernwesen könnte
irgendwann vorbei sein.
Wer die Geister rief, der wird sie nicht
mehr los und ruft nun laut nach einer Begrenzung der Managergehälter.
Gut für die Kinder: Wenn wir Glück haben, ziehen wir unabhängige Geister
heran. Lehrstücke dieser Art dienen dazu.
Familien, wehrt Euch gegen die Kindergelderhöhung!
Nein zu Trostpflastern, um echte
Verbesserungen zu erzwingen
Von Ole de Vries
Noch ist das Kopfschütteln über die
generösen, dem System (falls noch nötig) einen weiteren Todesstoß
versetzenden Rentenerhöhung nicht beendet, da kommt der Vorschlag von
Politikern, das Kindergeld gehöre erhöht. Das soll beruhigen, soll eine
Bevölkerungsgruppe zum Schweigen bringen, die sich dem großzügigen
Verteilen entgegenstellen würde. Familien sind schon von ihrer Anlage
her der ruhende, duldende Pol einer Gesellschaft. In Deutschland aber
rumort es, die Familien wollen nicht mehr, weil sie nicht mehr können,
„Revolution!“ rauscht es an den Abendbrotstischen: Und gemeint ist –
Schluss mit der Politik auf Kosten der Kinder.
Die Rentenerhöhung ist dasselbe wie die
Schul- und Hochschulreform, ist dasselbe wie die Muskelspiele darum, wem
die Kinder eigentlich gehören. Eltern sollen zu murren aufhören, sollen
bei Aldi an der Kasse sitzen, sollen die Verantwortung für ihre Kinder
abgeben, damit das gesellschaftliche System Deutschlands weiter seine
Gewinner behalten kann. Wer Augen hat zu sehen, der kann sehen, wer
diese Gewinner sind. Stadtviertel, Urlaubsorte, Bürotürme; keiner von
denen hat etwas mit Kindern zu tun.
Wer Familien mit einer Kindergelderhöhung
locken will, der hat das Kindeswohl als letztes im Blick. Man sollte
wissen, dass Familien sich diese Kindergelderhöhung am Ende selber
zahlen. Jeder merkt zur Zeit, wo der Staat überall zulangt; je mehr
Menschen man zu versorgen, je mehr Wege man zu machen hat: Jeder Schritt
kostet mittlerweile. Da soll eine Kindergelderhöhung zu feiern sein?
Nein, wir müssen heraus aus dieser
Abwärtsspirale, wir müssen schnell etwas verändern, wir müssen die
Beharrungstendenzen loswerden. Familien sollten sich gegen die
Kindergelderhöhung stellen. Sie sollten sich wehren, wenn wieder andere
Politiker das angeblich für Familien reservierte Geld in Institutionen
fließen lassen wollen. Sie sollten sagen, dass sie die Träger des
Systems sind, ohne Nutznießer zu sein. Besonders die besitzlosen
Familien mit mehreren Kindern sollen ruhiggestellt werden. Sie halten
all die schönen Träume der anderen am Leben und werden selbst um alles
gebracht. Stünde ihnen ein faires Wahlrecht zur Seite, sie wären nie
Nichtwähler geworden. Sie sollten jetzt aufstehen und Nein sagen. Nein
zu Trostpflastern, um echte Verbesserungen zu erzwingen. Es wäre ein
Anfang.
Religion? Mein Lieblingsfach heißt Ernst &
Young
Wer will die totale Wirtschaft?
Ein Kommentar von Ian Orange Ginsborough
Freie Entscheidung ist etwas anderes.
Schutz von Minderjährigen auch.
Die große Aktion „Handelsblatt macht
Schule“ nutzt es aus, dass junge Menschen ihnen und ihren Sponsoren
ausgeliefert sind. Sie senden „Macher“ aus, um den Schülern Wirtschaft
zu „erklären“. Dafür würden Theoretiker genügen – die Schüler sollen bei
diesen Rekrutierungsmaßnahmen nicht Sachwissen erlangen, sondern als
Opfer Frühmarketings mit Firmennamen beballert und für ein Lebensmodell
euphorisiert werden. Sie sollen gerade nicht Fakten erfahren, um sich
dann eine Meinung zu bilden. Was da an mittlerer Wirtschaftsgarde, mit
ein wenig Kenntnissen aus Konzernkarrieren beleckt, in chicen Anzügen
und Blazern seinen hochtoupierten Lebensstil in die Schulen tragen soll,
soll vorführen, dass kritisches Denken nur schadet.
Die Sponsoren, die die noch zu
beeinflussende Jugend in die Zange nehmen will, reichen von Ernst &
Young bis zur Deutschen Bank. Eine unabhängige Wirtschaftszeitung
organisiert die Werbeveranstaltung. Kein einziger authentischer
Mittelständler ist dabei, und das hat Methode. Bei Aktionen dieser Art
geht es nicht um Wirtschaftswissen. Dort soll das Leben nicht in
Zusammenhänge gesetzt werden, sondern einem übersteigerten
Kapitalbegriff gedient werden.
Das gelingt nur, wenn man sich ein eigenes
Wertegeflecht erschafft, und so ist es in manchen Konzernen längst
geschehen. Eine gruppenspezifische, für Außenstehende entlarvende
Sprache ist das Entree in eine jedes andere Denken aggressiv ablehnende
Gemeinschaft. Der moralische Überbau speist sich aus verschiedenen
religiösen und pseudo-religiösen Quellen, je nach Bedarf: Esoterik,
Zen-Buddhismus, Sprüche und Formeln. Eigenständigkeit, Lebensfreude, an
realen Maßstäben messbare Moral, all das wird ausgeblendet.
Es gibt kein Entrinnen in ein Privatleben,
Charakter und Individualität sind nach kurzem nicht mehr zu erkennen. Es
ist kein Zufall, dass der evangelische und katholische
Religionsunterricht um seine Existenz kämpfen muss, parallel dazu aber
Zeit und Wille ist, so etwas Sektenartiges im Stundenplan zu dulden.
Doch noch schlimmer: Kriterien guten
Wirtschaftens kennt dieser Typus homo oeconomicus gar nicht. Er geht
nicht pleite, das tun nur andere, er hungert nie, das tun nur andere, er
hilft niemandem, das tun nur andere. Von totaler Zukunftslosigkeit
beherrscht.
Die da geschickt werden sollen, um einem
Schüler „Praxis“ zu vermitteln, können das niemals. Denn sie kennen sie
nicht.
Seid stolz!
Sagt "Nein!" zum Betreuungsgeld
Ein flammender Aufruf von Ole de Vries
Familien müssen beständig um ihr Geld
gebracht werden. Das ist wichtig für den Erhalt eines Systems, das von
ideellen Werten gefährdet wird. Es geht um Macht, und die darf von
Familien – in ihrer gesamten Struktur etwas Subversives – nicht
angegriffen werden. Familien machen es den Tätern leicht: Sie lassen
sich zu allem zwingen, nur um die Kinder anständig großzukriegen. Die
Mechanismen des Stillhaltens sind gut eingeübt. Nur langsam regt sich
Widerstand. Familien gehorchen nicht mehr.
Beispiel München: Dort wurde ein Ghetto
ersonnen, in München-Riem. Da sollten die Familien hin. Steuergeld für
subventioniertes Wohnen sollte aufgewendet werden. Es ist im allgemeinen
Interesse, sich nicht von Kindern stören zu lassen. Leider haben die
Familien nicht mitgespielt. Sie haben München gleich ganz
verlassen. Das mindeste, was zu fordern ist, um kostbare Familien
angesichts von Familienmangel zu bekommen: Einzelne, gute Wohnhäuser in
Bestlage. Würde im Falle Münchens nur bedeuten, ein paar Wohnungen
wieder zu Wohnungen anstatt Büros, Praxen, Kanzleien umzuwandeln.
Überall wird ins Marktgeschehen hineingepfuscht, aber beim Thema „Wohnen
für Familien“ – o nein – da ist das unmöglich.
Stattdessen wird in wiederkehrendem,
gesetzmäßigem Rhythmus die nächste Zauberkiste geöffnet, um Familien
ruhigzustellen. Das neueste Ritalin heißt Betreuungsgeld. So will man
die Familien an den nächsten Tropf hängen und bewegungsunfähig machen.
Den Familien ist es schon alles egal. Sie
leben damit, abgehängt zu sein und es sowieso nicht mehr zu schaffen.
Das nächste Lasso also, das dann immer enger gezogen wird.
Nur im Vergleich zu den Schicksalsgenossen
sucht man noch nach Heil. Zu den unabhängigen Familien schaut man hoch.
Sie nehmen nichts. Ihr Leben ruft laut: Egal, wie weit unten Ihr seid!
Nehmt es nicht, nehmt kein Geld! Verzichtet auf die Almosen der
Feudalherren, früher Herzöge, Fürsten, Grafen, heute Singles, Politiker,
Karrieristen! Verzichtet auf einen Witz an Geld, das nur Eure Ausbeutung
zementiert! Kämpft Euch durch, gewinnt Eure Freiheit zurück!
Echte Bezahlung ist dieses Betreuungsgeld
nicht und wird es niemals. Das ist ein dünner Zuckerguss, unter dem die
Familie verreckt. Seine Höhe wird aus gutem Grund nicht festgelegt. Sie
wäre astronomisch hoch. Vorbilder für Kinder sind stolze Eltern. Eltern,
die wissen, was ihre Leistung wert ist. Lasst nicht zu, dass die Kinder
ein Leben in Ketten verbringen. Nehmt nichts, dann steht denen, die Euch
missachten, auch nichts von Euren Kindern zu. Erzieht Eure Kinder!
Bringt ihnen bei, dass sie niemandem etwas schuldig sind.
"Sich
mit niemandem gemein machen"
Unternehmen und Werte
Eine
kleine Umfrage von Ian Orange Ginsborough
Würde jemand Unternehmer als bescheiden
karikieren, würde leider niemand diesen Typus erkennen. Nein,
Unternehmer protzen. Leider Gottes ausgerechnet immer erst, wenn sie
richtig Erfolg haben. So ist das auch mit ihrem kulturellen Engagement.
Da ist lange, lange Bescheidenheit angesagt.
Deshalb reden derzeit auch nur andere – in
der Hauptsache Berufsredner- über die angeblichen moralischen Pflichten,
die ein Unternehmer habe. Welchen Werte er zu folgen habe, welche
vorzuleben. Wir haben uns auf den Weg gemacht, um Unternehmer zu fragen,
was sie denn so für die Kultur und den Nachwuchs tun. Fragen, die
Librikon natürlich interessieren. Offene Türen rannten wir ein. Kleine
Firmen, Erwähnung nicht nötig. Sich feiern lassen, das tun die, die
gewählt werden sollen für ihr übergroßes Engagement.
Der Staat, so die Meinungen, solle seine
Steuerungsfunktion wahrnehmen, wenn es um Ausbildung geht. Das
funktioniert gut über
Steuern. Und dann hat man die jungen Leute im Betrieb und das gerade bei
wirklich ortsansässigen, treuen Firmen sehr gerne. Mit Elite –was da die
Stars und Sterne von den Konzernen zu sein vorgeben - hat das zum Glück
nichts zu tun.
Fazit: Unternehmer sind nicht Elite, sie
können sie nur unterstützen. Sie machen die praktische Arbeit und
verdienen das Geld, das tun die Köpfe nie; dürfen sie gar nicht.
Unternehmer sind damit das Bindeglied zwischen der Menge an Menschen,
die durch ihrer Hände Kraft überleben müssen und den Denkern, die die
Elite stellen.
Dadurch ergeben sich die Werte, die aus
ungeschriebenen Gesetzen resultieren, für Unternehmer automatisch: Sich
mit keiner Sache gemein machen (schon gar nicht mit der des
Bürgermeisters), keine Subventionen annehmen, nie an Parteien Spenden,
keiner Organisation angehören, privat haften und damit glaubwürdig
bleiben und die so alte, wie wichtige Weisheit beherzigen: Der
Arbeiter ist der König.
Mindestlöhne für Mütter?
Effektivitätsgedanken und Staatslenker
Von Ole de Vries
Wenn mit der Einführung von Mindestlöhnen
die sozialen Aufgaben des Staates an Unternehmen weitergereicht werden,
bleiben gerade wieder die auf der Strecke, die anerkanntermaßen keine
Arbeitskraft haben, um sie einem Unternehmen zur Verfügung zu stellen.
Deswegen werden Jugendliche vom Mindestlohn nur negative Auswirkungen
erleben. Die Jugendarbeitslosigkeit wird zementiert, weil Unternehmen
bei Mindestlohnzwang nicht einstellen, wer (zunächst) in seiner Leistung
darunterliegt. Und Kinder, die wie Rentner außerhalb des Berufslebens
stehen – aber eben ohne Rente!- , haben nichts von Mindestlöhnen –
Eltern erhalten nicht „mehr Mindestlöhne“ als Nicht-Eltern. Eine
Politik, die Mindestlöhne als Sozialtat verkauft, lässt diejenigen, die
wirklich gesellschaftliche Unterstützung nötig hätten, im Regen stehen.
Würden sämtliche gesetzlich erzwungenen Abgaben, die die Träger des
Systems belasten – allen voran die Rentenversicherung, in die Eltern im
Vergleich zu Singles durch Beiträge und Kindererziehung doppelt und
dreifach einzahlen - würde der Staat seine Familien nicht mit diesen
Abgaben belasten: Es würde gar nicht der Ruf nach einem die
Marktwirtschaft ruinierenden Mindestlohn laut.
Die Gegner des Mindestlohns kommen fast
ausnahmslos aus dem Lager wirtschaftlich versierter Vordenker. Sonst einflussreich, konnten sie den Kampf
gegen den Mindestlohn nicht aufnehmen: Sie hatten sich –zum Beispiel in
der Bildungsdebatte- viel zu sehr mit dem (niemals echten)
Effektivitätsgedanken der Staatslenker gemein gemacht. Für ein kluges
Gesellschaftssystem müssen sich indes viele Gruppen zusammentun, für die
ein Leitgedanke über allem steht. „Dem Staat nur, was dem Staate ist,
und den Unternehmen nur, was den Unternehmen ist.“ Nur diese Trennung
wird die Situation der ausnahmslos staatstragenden Familien verbessern.
Aber da die Politik von ihr gesteuerte Mindestlöhne durchgesetzt hat und
damit der Lohn gar nicht mehr am Markt orientiert ist, kann es für
erziehende Mütter und Väter nur bedeuten, ebenfalls sofort Mindestlöhne
einzufordern. Das finden Sie unsinnig? Warten Sie ab! Marktwirtschaftswidrig – das können auch
Familien!
Wovon „Domicil“ erzählt
Lebensart und Kinderleben
Von Francois Langer
Hört man den politischen Diskussionen zu,
könnte man denken, die Kinder in Mitteleuropa würden in einer Kampfzone
aufwachsen. Hineingeraten sind sie da, weil Politiker irrtümlicherweise
dachten, Familien- und Bildungspolitik wären ein Gebiet, in dem man sich
schnell mal profilieren kann. Hineingehören tun Kinder da nicht.
Kindheit ist noch immer das Paradies, auf das Erwachsene neidisch sein
dürfen. In die Kindheit gehören Phantasie und Träume, gehören Nichtstun
und sich Behaglichfühlen.
Natürlich, wer auf die ghettoisierte
Zumutung „Neubaugebietsgärten“ blickt, wer die Vertreibung der Kinder
aus dem Straßenbild beobachtet, wer schließlich in einem
Indoor-Spielplatz endet, der darf schon befürchten, dass Kinder sich
nicht wohlfühlen sollen. Doch wenn man dort stöbert, wo Lebensart im
Mittelpunkt steht, dann wird man auch fündig, was Kinderleben betrifft.
In „Domicil“ etwa, einem Heft für die
Gestaltung von Haus und Garten, fällt uns auf einem der Hochglanzbilder
als erstes ein Buch ins Auge: „Der kleine Prinz“. Natürlich, es ist rein
als Accessoire hindrapiert. Aber man möchte es sich schon schnappen,
sich in den danebenstehenden Sessel fallen lassen und lesen, bis man von
der Tochter verjagt wird, die ihrerseits schmökern möchte.
Erstaunlich? Kinder genießen eine schöne
Umgebung, und Erwachsene können sie noch mehr genießen, wenn Kinder das
volle Leben hineinbringen. Kinder brauchen Ecken zum Lesen, zum
Zeithaben, sie brauchen - nach den Eindrücken der Schulgebäude, die den
Charme eines Bezirksamtes ausstrahlen – auch Stil und Ambiente. Das hat
mit steifen Püppchen, die ins noch steifere Heim gestellt werden, nichts
zu tun, das hat zu tun mit Kindern, deren ganze Sinne angesprochen
werden. Vollstellen mit Spielzeug und Plastikmobiliar ist damit nicht
gemeint. Lebensart vermittelt auch eine Denkungsart.
Beim Durchblättern von „Domicil“ begegnen
einem immer auch Wohnungen, Häuser, Anwesen, die die wohlige Anwesenheit
von Kindern verraten. Man könnte Kindern das schon zurückgeben, in dem
man sie ernst nimmt und sie als gleichberechtigte Mitbewohner zulässt!
Wer die Literatur der Kindheitserinnerungen durchstreift, der liest von
Mobiliar und Gegenständen, die eine eigene Strahlkraft haben. Sie nehmen
Bedeutung an und geben ein Mindestmaß an Geschmack und an geistiger
Reife vor. Der Geschmack, in dem Kinder anderenfalls ein Leben lang
verharren, wäre der eines einrichtungsgewordenen übersüßten, billigen,
rosa Kaugummis.
Demnächst: "Irrsinn Elternschlafzimmer"
Kleine Wirtschaftsobjekte
Warum (nicht nur) Verlage Schulkinder in
Ruhe zu lassen haben
Von Lennart Ragmann
Die Wirtschaftsverbände versprechen dem
Politapparat, für arbeitende Steuerzahler zu sorgen (einem wackligen
Politapparat, der viel für sich und wenig für die Gesamtheit seiner
Bürger tut). Gegenleistung: Überall, wo es dem Staat möglich ist, wird
versucht, humankapitale Arbeitskräfte zu produzieren.
Das trifft zuallererst den Nachwuchs in
den Schulen. Staatsinstitutionen öffnen nur um des eigenen Überlebens
willen Wirtschaftsinteressen Tür und Tor. Die völlige Ideologisierung
der Bildungseinrichtungen. Die Wirtschaftsform derzeit: Marktwirtschaft
(früher: Zentralwirtschaft). Bildung stört, Ausbildung soll es sein, für
den „Markt“, nicht am einzelnen jungen Menschen ausgerichtet. Schon
Kinder sollen als Wirtschaftssubjekte wahrgenommen werden.
Da sie aber noch unmündig sind, muss ihnen
geholfen werden, und das sollen von Staat und Wirtschaft gelenkte und
per Gesetz dazu legitimierte Handlanger –Schulen, Jugendämter, selbst
Kinderärzte- tun. Doch in diesem „Kinder zu Arbeitskräften“ - Programm
gibt es Störenfriede: Die Eltern.
Sie haben ihr eigenes Bild von der
Entwicklung der Kinder. Deshalb müssen sie zunächst entmündigt und
ausgeschaltet werden, damit Staat und Wirtschaft einen hemmungslosen
Zugriff auf die Kinder haben. Das geht am besten über Konsumzuweisung.
Den Eltern zu unterstellen, sie würden das Kindergeld „falsch“
verwenden, ist ein gut gangbarer und perfider Weg hin zur Aberkennung
des Erziehungsauftrags. Der Staat entzieht Geld (das Kindergeld ist
übrigens kein „Bonus“, sondern ein Steuerausgleich), alles soll in die
Staatsinstitutionen fließen.
Dort laufen kleine Wirtschaftsobjekte
herum, denen in der elternfreien Zone Konsumwünsche oktroyiert werden
können. Das wissen die ansonsten geistig reichlich eingeschränkten
Marketing-Abteilungen der Unternehmen und versuchen, die Kinder mit
ihren Produkten anzufixen.
Eltern kennen die klassische Situation:
Alte Damen kommen und fragen, ob sie dem Kinde einen Bonbon geben
dürfen. Nur so ist es richtig – man hat immer erst an die Eltern
heranzutreten. Ein sensibler Umgang mit Bildungstraditionen ist
besonders von Buchverlagen zu erwarten. Der um sich greifenden Unsitte,
Buchpakete an Schulen zu verschicken (wohlgemerkt: Nicht als Geschenke
an die Schulbüchereien, wo sie vielleicht ein staubiges Dasein fristen
würden), sollten Verleger ein Ende bereiten. Bücher für Kinder gehören
als allererstes in Elternhände, und von dort werden sie weitergereicht.
Darauf muss schon vertrauen, wer seinen Verlagsprogrammen vertraut.
Bis zur Unkenntlichkeit
Schattenseiten der Vermarktung: Der Fall
Pumuckl
(librikon) Die Illustratorin von „Pumuckl“
hat mit einem Galeristen einen Malwettbewerb für Kinder veranstaltet,
bei dem eine Freundin für Pumuckl –eventuelle Hochzeit nicht
ausgeschlossen- gezeichnet werden sollten. Das glückliche Paar würde
dann im Beisein der Sieger zusammenkommen, wenn auch noch ohne
gemeinsamen Familiennamen.
„Die Geister, die ich rief“ – die alte
Geschichte. Wer seine Kinderbuchfigur für kommerzielle Zwecke hergibt,
wer sie für Film und Fernsehen, für Marketing und Merchandising zur
Verfügung stellt, der muss auch mit den Schattenseiten der Vermarktung
leben. Die Figur wird dem Schöpfer mehr und mehr entrissen, wird
vielleicht sogar nur so bekannt, weil die Adaptionen besser als das
„Ausgangsbuch“ sind. Ellis Kaut hat erlaubt, dass Pumuckl durch viele
Medien hüpft, damit von anderer Hand umgeformt. Weiß Gott nicht jeder
Kinderbuchautor lässt das zu und lebt deshalb friedlich, aber arm mit
seinen Geschöpfen im Stillen vor sich hin. Aber Ellis Kaut ist den
anderen Weg gegangen, und der führt nun einmal auch zu anderen,
mitverdienenden Erwachsenen. Sie muss sich mit der Inbesitznahme durch
Fremde abfinden. Das ist die Seite, die sich Wirklichkeit nennt.
Nun argumentieren die Richter jedoch auch
innerliterarisch. Dem Einwand von Ellis Kaut, Pumuckl sei als Kobold
ohne Geschlecht, ohne Liebe und Sexualität, treten sie entgegen. Der
Pressesprecher der 7. Zivilkammer des Landgerichts München I, Tobias
Pichlmair: „Nicht vergessen werden dürfe in diesem Zusammenhang, dass
die Autorin selbst in einer ihrer Pumuckl-Geschichten davon erzählt,
dass sich der Kobold – unglücklich – in die Nichte des Meister Eder
verliebt. Im Lichte dessen müsse es die Autorin daher grundsätzlich
hinnehmen, dass ihr Pumuckl mit einer Freundin in Verbindung gebracht
werde.“ O nein! Elis Kaut hat vollkommen recht. Es ist nämlich etwas
ganz anderes, ob sich ein Kobold in ein artfremdes Wesen, beispielsweise
ein Menschenkind, oder aber in eine andere Koboldin verliebt. Pumuckl
ist in seiner literarischen Anlage eine Figur, die die Nähe zu Menschen
sucht und durch den Umgang mit ihnen zu Leben erweckt wird. Das ist der
Ansatz, der die Handlung der Pumuckl-Geschichten vorantreibt. Andere
Kobolde würden dieses konstitutive Element zerstören. Dass die
Illustratorin Barbara von Johnson die Erzählung nicht weiterschreiben,
aber weitermalen (lassen) will, kann man wie auch immer bewerten – von
der literarischen Figur des Pumuckl jedoch ist das eine Entfernung, die
einen neuen Namen, einen neuen Charakter, ein neues Sujet erforderlich
macht. Ein Kinderbuch ist das, was drinsteht, und nicht, wie es
zeichnerisch umgesetzt wurde.
Eine unbequeme Wahrheit für
Verkaufsstrategen, Illustratoren und Richter. Und auch für Pumuckl.
Keine oder andere Illustrationen hätten wohl bedeutet, niemals bekannt
zu werden. Nun wird er bis zur
Unkenntlichkeit entstellt. Ein hoher Preis.
Zur Ordnung, zur Mitte!
Eine Polemik von Orange Ian Ginsborough
Ausdrücke fallen hier auf erhitzen Boden,
Ausdrücke sogar verwendet von einer Familienministerin, einer Ministerin
für die Frauen.
„Schnapsgeld“ ist da auf der einen Seite,
„Herdprämie“ auf der anderen Seite zu hören, und erläutert wird das
Ganze damit, dass Mütter sich doch nur Flachbildschirme kaufen würden
anstatt Geld für ihre Kinder auszugeben. Das Bild, das da an die Wand
geworfen wird, ist das der Mutter, die nur ihren eigenen Egoismus
auslebt. Was für eine Diffamierung, die von der Öffentlichkeit einfach
hingenommen wird! Man weiß von Müttern, die ihr Leben geben, in Krieg
und Frieden, für ihre Kinder. Geld versaufen? Der Verein „Mütter für den
Frieden“ verbindet Mütter, die kein Leid mehr wollen! Und wie viele
Mütter können davon erzählen, wie anders, wie mitfühlend sie nach der
Geburt eines Kindes das Elend anderer Menschen sehen. Geld versaufen?
Mütter sitzen nicht aus Spaß an der Kasse bei Lidl. Sie wollen ihre
Kinder ernähren. Sie tun das für ihre Kinder. Egoistische Mütter?
Verschwindend wenige.
Warum diese Kälte? Weil es hätte passieren
können, dass Familien etwas kosten?
Ganz anders klingen die Formulierungen
nämlich, wenn Familien dem Staat Geld einbringen sollen. Dann zirkuliert
die „Herdprämie“. Dann sind Frauen plötzlich gut ausgebildete,
selbstbewusste, sich selbst verwirklichende Mütter, alles Ärztinnen und
Anwältinnen, denen man nichts vorenthalten darf.
Für beide soll es Krippen geben – eine
Diskussion, in die ich gar nicht eingreifen will. Keine Ideologie, die
ist mir fern! Aber eine Klarstellung: Hier werden zwei Extremfälle
benutzt, es wird die Minderheit zur Mehrheit erklärt: Weder egoistische
Dauerglotzerinnen und selbstbewusste Ärztinnen sind das Gros der Mütter
in Deutschland. Die Realität ist kein Extremfall. Hilfreich aber ist nur
die Betrachtung der Mehrheit, nur kann man damit keine populistischen
Sprüche klopfen.
Politiker, die sich einer solchen Sprache
bedienen, gehören zur Ordnung gerufen. Sollten sich dahinter wirklich
ihre Ansichten verbergen, müssen sie ihre Posten räumen. Denn egal ob
mit oder ohne Kind, hier wird Frauen das menschliche Antlitz genommen.
Über die Mütter werden Frauen diffamiert, über Randgruppen wird die Tür
zu einem abstoßenden Horrorkabinett namens Frauen geschaffen.
Wo Frauenfeindlichkeit draufsteht, ist
auch Frauenfeindlichkeit drin!
Der
ganz andere Standpunkt:
Frühförderung und Kinderarbeit
Eine
Polemik von Ian Orange Ginsborough
Sind die Diskussionen
in den intellektuellen Kreisen der Neuen Welt Europa um Längen voraus?
Die Hysterie um die
Frühförderung von Kindern ist – gerade in Deutschland – in eine
erschütternd rückschrittliche Phase getreten. In Kanada und den USA gibt
es Zirkel, in denen „Frühförderung“ längst die Maske vom Gesicht
gerissen wurde. Zu sehen ist dann die Fratze der Kinderarbeit.
Die Parallelen von
Frühförderung und Kinderarbeit sind offenkundig. Beides entspringt
denselben Beweggründen: Gier, Egoismus, ein inhumanes Kindheitsbild.
Denn die Entwicklungsphasen des Menschen werden bei beidem nicht mehr
respektiert, werden systematisch unterdrückt. Spielen? Nicht vorgesehen!
Freisein? Nicht eingeplant! Jedes Jungtier darf, ja, muss im Spiel sein
soziales Verhalten erlernen – aber die Kinder in der kapitalistischen
Gesellschaft sollen, vom Staat und den Erwachsenen in Korsetts gepresst,
kein einziges Jahr ihrer Kindheit einfach nur Kindsein.
Aus welchem Interesse
kommt der Staat darauf, Kinder 1 bis 1 ½ Jahre früher zur Schule zu
schicken? Aus rein volkswirtschaftlichen Überlegungen: Die
Kleinkindbetreuung wird um ein Jahr verkürzt, das spart Geld und bringt
mehr arbeitende Eltern. Die Kinder sind früher mit der Schule fertig und
sollen ins Arbeitsleben geschickt werden. Die wenigen Kinder dürfen sich
nicht entfalten, sondern müssen der Mehrheit der Älteren dienen.
Alles gutbekannte
Gründe aus Staaten, die Kinderarbeit nicht verbieten! Die Kinder, die in
Pakistan Teppich knüpfen, müssen das tun, um den Exportzahlen, der
volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, der gesellschaftlichen
Wertschöpfungskette zu dienen. Nichts anderes, als der deutsche Staat im
Sinne hat.
Niemals das
Kindeswohl!
Vielleicht muss das
ein Staat auch nicht im Sinne haben, werden manche einwenden. Aber die
Menschen in dem Staat, was ist mit denen? Warum fordern sie so aggressiv
Frühförderung?
Sie denken an ihren
Lebensstandard, sie denken an ihre Renten. Kindesglück spielt für ihre
Ziele keine Rolle. Sie wollen den Kindern von heute nicht zugestehen,
was sie selber hatten: Eine unbeschwerte Kindheit voller Spiel und Spaß.
Genau das ist auch ein Funktionsprinzip der Kinderarbeit: Wer sie
erzwingt, musste selber nie unter diesen Bedingungen arbeiten. Beide,
Frühförderung und Kinderarbeit, greifen sich das kleinste und schwächste
Glied der Gesellschaft heraus. Und das aus niedersten Instinkten. Nur an
sich selber, an ihren eigenen Status denken sie. Da ist jedes Mittel
recht.
Was verbindet
Kinderarbeit mit „Frühförderung“?
Beides sind Feinde von
dem, was Kinder gern machen: Spielenspielenspielen.
Beides ist
Freiheitsberaubung, da darf man sich von hellen, sauberen Räumen nicht
täuschen lassen!
Beides ist ungesund,
weil nur Spiel und Spaß für kleine Kinder gesund sind.
Beides raubt
Bildungschancen: Zu früh geförderte Kinder –Experten wissen das längst-
erreichen früher ihr Lernmaximum, haben einen „Burnout“, wenn die
eigentlich beste Lernphase einsetzt. Die Verschiebung ihrer Lebensphasen
zerstört ihre persönliche Entfaltung.
Wenn Eltern bei Ikea
stehen und sich bei jedem Teppich erkundigen, ob er nicht durch
Kinderarbeit entstanden ist, mögen sie einmal ihre Eitelkeit überwinden,
auf ihre Kinder schauen und sich zur Umkehr erzwingen.