Ich kenne
Finn Ole Heinrich nur als Autor für Erwachsene. Können Sie mir etwas zu
seinem Werk für Kinder vorstellen?
Antwort 97:
Kann man
im besten Sinne als "witzig" bezeichnen
Finn Ole
Heinrich: "Frerk, Du
Zwerg!"
Von Bettina
Meinzinger
Ein Kind,
dessen Mutter die Familie mit immer neu erfundenen Allergien
terrorisiert, dem Süßigkeiten verboten sind, jeden Tag gesundes
Müsli frühstücken muss, und in den Pullundern und Strickjacken wie
sein apathischer Vater aussieht, kann schon mal eine Neurose
entwickeln.
Insgeheim
sagt Frerk zwanghaft Wörter, die er nicht sagen darf, Rülpsplörre
und Fressforke zum Beispiel. Manchmal erfindet er auch einfach
welche. Eigentlich wünscht er sich einen Hund, voll mit Flöhen,
Dreck und Bakterien. Stattdessen findet er ein Ei, ein buntes Ei.
Daraus schlüpfen: Zwerge.
Diese
Zwerge nun machen alles, was Frerk nicht darf. Unverständliches
Zeugs reden, Unordnung im Kinderzimmer, mit den Köpfen gegen harte
Gegenstände schlagen, ins Müsli kacken. Die Unbeschwertheit dieser
bizarren kleinen Wüteriche wirkt ansteckend. Für ein Kind, das nie
etwas darf, kann das mehr sein, als es verkraftet. Die neugewonnene
Freiheit lässt Frerk im Winter kurze Hosen tragen, in Zwergensprache
reden, „brät brät“-rufend dem Schulbully Andi Kolumpeck einen Apfel
an den Kopf werfen.
„Frerk, du
Zwerg“ kann man im besten Sinne des Wortes als witzig bezeichnen,
zeigt Kinder und Erwachsene mit ihren mehr oder minder großen
Macken und ist eine Mahnung an Eltern, die immer nur das Beste für
ihre Kinder wollen, dabei aber (fast) alles falsch machen.
Finn-Ole
Heinrich, Rán Flygenring: "Frerk, Du
Zwerg!"
Es
interessiert uns Ihr Urteil zu "Oskar und Mathilda" von Patricia
Schröder!
Antwort 96:
Geheimversteck im Gartenhäuschen
Patricia
Schröder: "Oskar und Mathilda. Ein Stiefel voller Glück"
Von Anne
Spitzner
Oskars
Vater ist plötzlich verschwunden. Weil seine Mutter und er keine
Nachricht von ihm erhalten, ziehen sie aus ihrer alten Wohnung aus
und in das Gartenhäuschen von Opa Heinrichen. Der ist der Sonderling
in einem reichen Viertel, den Nachbarn ein Dorn im Auge, weil er
Brennnesseln und Löwenzahn auf seinem Grundstück wachsen lässt und
nicht so piekfein ist wie die anderen Anwohner. Schnell lernt Oskar
Mathilda kennen, seine neue, gleichaltrige Nachbarin, die einen IQ
von hundertfünfzig hat und der ihre reichen Eltern, die sie der
Fürsorge bezahlter Angestellter überlassen, auf die Nerven gehen.
Sie schleicht sich regelmäßig rüber zu Opa Heinrichen, in dessen
Gartenhäuschen sie sich ein Geheimversteck eingerichtet hat – und
ist dementsprechend überrascht, dass dort plötzlich Oskar und seine
Mutter wohnen. Doch die beiden freunden sich schnell an, und als es
gilt, Opa Heinrichen vor einer Intrige zu retten, treten sie
gemeinsam in Aktion.
Wie es
Oskar und Mathilda gelingt, mit Hilfe eines Gummistiefels und viel
Klopapier den Täter zu stellen, ob Oskar seinen Vater nochmal
wiedersieht und ob die piekfeinen Nachbarn ein wenig lockerer
werden, das erfährt man erst am Ende des Stiefels voll Glück. Doch
es dauert ein wenig, bis es soweit kommt. Das Schöne an diesem Buch
ist, dass man es sowohl Kapitel für Kapitel als auch in einem Rutsch
durchlesen kann und trotzdem den Faden nicht verliert; nur am Ende,
wenn es dann richtig spannend wird, fällt es schwer, es aus der Hand
zu legen. Am Ende, so viel sei verraten, löst sich das meiste –
nicht alles! – in Wohlgefallen auf. Das ging mir persönlich ein
wenig zu schnell und zu problemlos; nachdem der Täter ertappt war,
sah die Welt plötzlich für (beinahe) alle Beteiligten rosarot aus,
was mir ein wenig konstruiert vorkam. Das geht wahrscheinlich nicht
allen Lesern so. Abgesehen davon, und das ist ja nur ein kleiner
Kritikpunkt, ist „Oskar und Mathilda“ eine schöne Geschichte über
Freundschaft, Familie und Füreinander-da-sein. Dass Oskar in
Mathilda und Opa Heinrichen neue Freunde findet, tröstet ihn ein
wenig über seinen Vater hinweg und zeigt, dass es immer weitergeht
im Leben. Und das Abenteuer, das er mit Mathilda erlebt, ist
wirklich sehr spannend. Oskar und Mathilda sind sehr unterschiedlich
und ergänzen sich großartig: Mathilda ist schlau, spontan und
aufgedreht, Oskar dagegen der Ruhigere von beiden, der seine neue
Freundin von Zeit zu Zeit an den richtigen Stellen bremst und sie
zum Nachdenken bringt.
„Oskar und
Mathilda“ ist ein lesenswertes Buch für kleine Freunde von
Detektivgeschichten und Freundschaften, und mit Oskar und Mathilda
kann man leicht Freundschaft schließen.
Mein Kind
soll von Anfang an mitbekommen, dass es so sein soll, wie es ist,
und dass es sich dem Wahn, schon Kindergarten „gebildet“ und geprüft
werden zu müssen, gegenstellen kann. Mit welchem Buch kann ich ihm
den Rücken stärken?
Antwort 95:
Sein, wie er ist, sein, wie er will
Solveig
Thorwart: „Vom kleinen Vogel, der nicht singen wollte“
Von Susan
Müller
Allerliebstes Kinderbuch, in dem gezeigt wird, dass nicht nur das
Singen, Jubeln oder Lärmen wichtig ist, sondern auch das Zuhören. So
begründet der kleine Vogel den anderen Vögeln, warum er nicht
ständig herumzwitschert. Als er dem Raben und den anderen erzählt
hatte, dass er ihnen gern zuhört -genauso wie dem Rascheln der Mäuse
und dem Wald-, da verstanden sie ihn, und dem kleinen Vogel war es
eine Last, von den Schultern genommen. Er darf sein, wie er will,
und er wird trotzdem geliebt. Mit dieser Aussage steht dieses schön
illustrierte Bilderbuch fast allein da in einer Kinderwelt, die von
Leistung und Erwartung bestimmt wird. Fast allein! Eltern, die für
ihre Kinder anderes wollen als ein (zudem in sich
zusammenstürzendes) Effizienzdenken, haben mit dem „Vogel, der nicht
singen wollte“ das Bilderbuch für sich und ihre Kinder!
(Ab 3)
Solveig
Thorwart: „Vom kleinen Vogel, der nicht singen wollte“
Mein
Sohn liest nichts außer "Greg", und ich möchte ihm nun auch einmal
ein erzählendes Kinderbuch kaufen, das ihm zeigt, dass Bücher auch
jenseits der Comic-Romane lustig sein können. Es soll ihm außerdem
beweisen, dass Bücher nicht entweder aussageschwer wie Schullektüre
sind oder aber nur angestaubtes Zeug beinhalten. Was
empfehlen Sie?
Antwort 94:
„Beißen verboten“
von Fabian Schiller ist
ein lustiger Beitrag zu gleich zwei nun so gar nicht angestaubten Themen: Vegetarier und
Vampire. Der Held in diesem Buch, seines Zeichens Vampir, darf kein
Blut saugen - o Schreck! Dem nicht genug, am Ende eines jeden
Kapitels steht ein Witz zum Schlapplachen. Das lockert die Lektüre
auf, und
Lesefreude durch Riesenspaß kommt auf jeden Fall auf.
Ein Buch
suche ich, das von Chaos zuhause und einem phantasievollen Mädchen
erzählt!
Antwort 93:
Vom
Blödsinn machen
Thad
Krasnesky, David Parkins: „Ich mach, was ich will – ich bin doch
noch klein!“
Von Iris
Kersten
Lara ist drei Jahre alt und die
Ich-Erzählerin des Buches. Nachdem sie versehentlich eine Packung
Orangensaft über Papas Hose vergossen hat und danach von Mama in
Schutz genommen wurde („sie ist ja erst drei Jahre“) stapft sie los,
um ihre Grenzen auszutesten: ärgert den Bruder und nimmt ungefragt
die Sachen der Schwester. Soweit so gut, Mama hat Verständnis: sie
ist ja noch klein, doch als sie beim Pirat spielen das ganze
Wohnzimmer verschmutzt „Piratenköniginnen müssen manchmal Dreck
machen“ gibt es keine Nachsehen mehr und Papa zwingt sie zum Staub
saugen (obwohl sie doch erst drei ist). Und auch Mama verdonnert sie
nach ihrem samstäglichen Eis-Nüsse-und-Schokoladenfrühstück (die
Eltern liegen noch im Bett) zum Saubermachen, „obwohl Mama viel
schneller putzen kann als ich“. Und so geht es lustig weiter bis die
Eidechse im Puppenbikini durch die Gegend läuft und das Haus unter
Wasser steht. Der Spaß hat ein Ende. Das sieht auch Lara ein, die
letztendlich bereitwillig auf ihr Zimmer geht, um dort zu warten,
bis sie vier Jahre alt wird.
Ein Buch, in dem sich sowohl
Eltern als auch Kinder wiederfinden können. Wirklich nett ist der
Blickwinkel aus der Sicht Laras, wie sie sich bewusst ist, der
Dinge, die sie tut: „Und ich mache eine winzig kleine Szene“ oder
„Ich schaue Mama ganz besonders lieb an ...“ Thad Krasnesky macht
hier den Eltern klar, wie gewieft die Kleinen sind, aber zeigt denen
gleichzeitig, dass die Eltern darum wissen.
Die Geschichte lebt vor allem
durch die Bilder von David Parkins. Diese geben auf geradezu
spritzige Art und Weise die verschiedensten Gefühle wieder – vor
allem die von Lara natürlich. Mir persönlich gefällt dabei die
überwältigte Rieseneidechse im Bikini am besten.
Meine Kinder (fünf und drei)
finden dieses Buch so besonders attraktiv, weil Laras
Erfindungsreichtum im Blödsinn machen einfach unendlich ist.
Tatsächlich hat das Buch auch
noch pädagogische Aspekte, wie „Grenzen setzen ist wichtig“ usw.,
aber das ist keineswegs der Grund, warum ich dieses Buch empfehlen
möchte.
Für Eltern und kleine Frechdachse
(oder die, die es noch werden wollen) ab drei Jahren.
Thad
Kasnesky, David Parkins: „Ich mach, was ich will – ich bin doch noch
klein!“
Die Probleme in der
Schule neben überhand, unsere Tochter (6. Klasse) bricht darüber
förmlich zusammen. Ich möchte ihr ein Buch in die Hände geben, das ihr
Mut macht, ihren eigenen Weg zu gehen.
Antwort 92:
Eigenes Tempo, eigene
Freiheit!
David Almond: "Mina"
(librikon) Mina schildert aus ihrer
Perspektive, was sie schön findet, wie sie lebt, worüber sie nachdenkt.
Und sie denkt viel nach, über vieles und das sehr ernsthaft. Damit
haftet ihr das Adjektiv „komisch“ an. Obwohl sie einfach eine
intelligente Individualistin ist! In dieser Welt führt es für Mina so
weit, dass sie von der Schule fliegt. Doch ihre Mutter steht zu ihr, und
Mina beginnt nach einer Odyssee, zuhause zu lernen. Auf einmal macht
sich ein Frieden und eine Freude breit für Mina, sie hat Zeit zum
Träumen und für Nonsens. Einfühlsam erzählt der Autor von einem Kind,
das die Freiheit bekommt, sich nach dem eigenen Tempo und den eigenen
Talenten zu entwickeln.
Ich suche
für meinen Sohn, 7 Jahre, ein nicht allzu dickes, lustiges Buch.
Da ich einfach
kein passendes Buch auf dem Buchmarkt finde, das dazu auch noch
anspruchsvoll ist, brauche ich Beratung. Hätten Sie eine
Idee?
Antwort 91:
Auf nette
und lustige Weise
Hilary
McKay: „Charlie zieht aus“
Von Miriam
Schneider
Die Reihe
"Charlie" ist sehr zu empfehlen, besonders das Buch aus der Serie
mit dem Titel:„Charlie zieht aus“: Charlie reicht es mit seiner
Familie, er läuft weg. Unter Weglaufen versteht man eigentlich, weit
in die Welt hinaus zu laufen - so auch Charlies schreckliche
Familie. Dass Charlie erst im Garten und, ein paar Häuser weiter,
bei seinem besten Freund ist, weiß nur Henry, der beste Freund.
Charlies Familie vermisst ihn zuerst nicht mal, mit der Begründung:
So schön still! Aber zum Ende hin sehnt sich sogar Charlies Bruder
Max nach ihm. Umgekehrt ist es aber auch so: Charlie vermisst seine
schreckliche Familie!
In dem Buch
wird auf nette und lustige Weise das Leben eines Jungen beschrieben.
Und zwar aus eben dieser sehr witzigen Kindersicht. Bei der man sich
vor Lachen krümmen muss.
Es ist zum
Vorlesen, wie auch zum Selberlesen, für Kinder ab 6 Jahren gut
geeignet.
Das Buch ist
angenehm dünn und leicht zu lesen, aber anspruchsvoll ist es
dennoch, schon vom Design her und auch von den Bildern.
Haben Sie ein rundum originelles Buch für uns, das wir
garantiert noch nicht kennen?
Antwort 90:
Vom Schicksal
der Elfen
Hanna Zeiß:
„Elfenwind“
Von Iris
Kersten
„Vor hunderten
von Jahren lebten viele kleine Elfen in einem Dorf. Doch dann kam ein
heftiger Wind. Damit veränderte sich ihr ganzes Leben.“
Schon aus den
ersten Zeilen des selbst illustrierten Bilderbuches kann man die tiefe
Poesie wahrnehmen, mit der die damals achtjährige Autorin Hanna Zeiß
(Jahrgang 1999) diese Geschichte geschaffen hat.
In eben diesem
Dorf lebten nun Fojer und Felice, Geschwister, die es satt haben,
ständig mit dem Wind umziehen zu müssen. Schließlich ist dieses hier
schon ihr 545. Zuhause. So entscheiden sie, sich allein auf den Weg zu
machen, um ein sonnigeres Zuhause zu finden, eines von dem sie nicht
ständig wieder fortgeweht werden. Leider können sie sich nicht von ihren
Eltern verabschieden, da diese sie sicher nicht gehen lassen würden.
Also schleichen sie sich während des Abschiedsfestes (vor jedem Umzug
gibt es solch ein Fest) schweren Herzens davon.
Dies ist die
Szene, mit der die jüngeren Kinder nicht so einfach fertig werden. Die
Traurigkeit berührt sie mitten im Herzen. „Als die beiden aus dem Zelt
gingen, schaute Filice noch ein letztes Mal ihre Mutter und ihren Vater
von weitem an. Dann winkte sie, obwohl sie keiner sah.“
Doch da ist
Silvikus, der das Verschwinden der beiden bemerkt hat. Er will den König
darüber informieren und zur Suche aufrufen, aber der König hört nicht
auf ihn. Zudem kommt der Wind noch früher als erwartet und er muss dafür
sorgen, dass sich alle zum Aufbruch bereit auf dem großen Ahornblatt
einfinden.
Und so fliegen
dann die Elfen auf dem Rücken des Windes zwischen Blitz und Donner ihrer
neuen Heimat entgegen. Und wie das nun mal so ist mit dem Wind, er trägt
alle in die gleiche Richtung - sogar an den gleichen Ort: ans Meer.
Auch die, die sich heimlich davon machen wollten, jene nur mit ein wenig
Vorsprung...
Neben der
Melancholie hat das Buch aber auch leichte und lustige Passagen mit
einem sonnigen Ende, an dem sich alle wieder treffen (was die jungen
Zuhörer dann wieder versöhnt), ohne jedoch den Sinn für die Realität zu
verlieren: „Dort lebten sie lange und glücklich … Bis der nächste
Windstoß kam.“
Wirklich
großartig sind auch die farbenfrohen Elfenzeichnungen, in denen man
durchaus die junge Zeichnerin erkennt. Und genau das macht ihren Reiz
aus, denn Hanna Zeiß schafft es, in jedem ihrer Bilder die Stimmung der
Geschichte widerzuspiegeln.
Für unseren Sohn, 9 Jahre, suchen wir (Katzenliebhaber) Bücher, in dem
Katzen eine Rolle spielen.
Antwort 89:
Drei Bücher
können wir Ihnen empfehlen:
1. Der Kater Max
findet sich in einem Versuchslabor wieder. Wer hat ihn dorthin gebracht
und warum? Wie ist den anderen Katzen zu helfen? Max flieht in einer
spektakulären Aktion. Er lernt Millie, eine überzeugte Tierschützerin
kennen, und dann geht das Abenteuer in die zweite Runde. Für
Katzenliebhaber -man merkt es schon- ist "Die tollkühne Flucht" genau
das richtige Buch!
Das Lesealter
ist mit "Ab 12" angegeben, aber auch ein Neunjähriger kann es schon
lesen. In manche Details, die sich noch nicht so erschließen, wächst der
jüngere Leser hinein. "Die tollkühne Flucht" liest man gern mehr als
einmal!
Natalie
Haynes:
"Die tollkühne
Flucht"
Fischer
Schatzinsel 2011
Aus dem
Englischen von Christian Dreller
303 Seiten,
Euro 12,90
ISBN
978-3596854233
2. Eine Sammlung von netten, kleinen,
schönen Katzengedichten, Sinnsprüchen, Kurzerzählungen und Märchen aus
aller Welt, die liebevoll zusammengestellt wurde. Jeder Katzenliebhaber,
der ein wenig über den literarischen Tellerrand schaut, ist dieses schön
gestaltete Buch ein Muss. Die Illustrationen machen so viel Freude wie
die Texte!
Heinz
Janisch (Hg.):
Auf Samtpfoten:
Katzengedichte und Katzengeschichten
Mit
Illustrationen von Marion Goedelt
96 Seiten, Euro
19,95
Annette Betz
2008
ISBN
978-3219113303
3. Über Hanna Johansen: „Ich bin hier bloß die
Katze“ schrieb unsere Kritikerin Andrea Bannert (2007): Wem es in die Hände fällt, der kann es schon wegen des Covers nicht mehr
weglegen. Hauskatze Ilsebill, ihres Zeichens Protagonistin des Buches,
fixiert einen frech mit ihren grünen Augen.
Ilsebill hat es nicht leicht mit ihren
Menschen. Zum einen ist da der Hund der Familie. Dieser verursacht nicht
nur einen Höllenlärm, er riecht auch streng, besonders wenn es regnet.
Aber dann gibt es auch noch das Baby, das Mama eines Tages einfach von
einer Reise mitgebracht hat. Es hinterlässt zwar keine Pfützen in der
Wohnung und den Briefträger hat es auch noch nicht gebissen, aber das
Geschrei ist einfach unerträglich. Dem ist aber nicht genug, denn das
Getue der Erwachsenen im Umgang mit dem Baby regt Ilsebill mindestens
genauso auf. Schließlich war ein bestimmter Tonfall bisher ihr
vorbehalten. Überhaupt benehmen sich die Menschen zu bestimmten Anlässen
extrem seltsam. Zu Weihnachten beispielsweise. Grässlich: Unruhe, Feuer
und schlechte Luft. Da kann es schon einmal passieren, dass die Katze
den Christbaum umwirft und den Lachs stielt. Und dann sind da noch die
Urlaubsreisen. Noch grässlicher! Aber wie in allen anderen Dingen des
Lebens, hat Ilsebill bezüglich der Urlaubsreisen ihren ganz eigenen
Kopf. Sie „weiß nämlich nicht nur was sie will, sondern auch was sie
wollen sollte. Und jeder weiß, dass das etwas anderes ist als das, was
sie sollen wollte.“ Ilsebill will „auf keinen Fall was sie soll und auf
jeden Fall was sie will“. Ob es ihr gelingen wird die Urlaubsreise zu
verhindern?
Hauskatze Ilsebill entführt uns in die
Welt ihrer Gedanken. Dabei erzählt sie mit viel Wortwitz Anekdoten aus
ihrem Katzendasein und tut ihre Meinung über die Menschen kund. Es ist
ein leises Buch, das einen mit einem Schmunzeln auf dem Sofa sitzen
lässt, mit der anderen Hand, sofern vorhanden, die eigene Katze
kraulend. Und dann ist es wirklich schade, wenn das Buch schon nach 126
Seiten zu Ende ist.
Ein kleines
Buch mit fröhlichem Inhalt, ohne primitiv zu unterhalten, gesucht!
Lesealter:
Um die 8
Antwort 88:
Hamsterparadies
Christian
Bieniek / Marlene Jablonski: "Hamster Hektor – Ein Rollmops auf
vier Pfoten"
Von Susan
Müller
Schade, dass
ein Hamster nicht sprechen kann. Aber es ist durchaus interessant, wenn
der Leser die Gedanken von Hektor, dem Hamster, nachvollziehen kann.
Hektor landet bei einer älteren einsamen Dame, nachdem er zuhause
„abgehauen“ ist, weil er sich vernachlässigt fühlt. Im Schnee gelandet
und einem Schneeball gleich wird er von einer älteren Frau gerettet.
Hektor fühlt sich anfangs wie im 7.Himmel, denn hier bekommt er Futter,
richtige Leckerlis, ganz im Gegensatz zu daheim, weil sein Herrchen ihn
nicht so regelmäßig bedenkt.
Aber er kann
sich bald kaum noch auf die Beine stellen, so vollgefressen ist er.
Spätestens jetzt will er nur noch nach Hause, bemerkt er außerdem, dass
er, was das Futter angeht, mit dem verstorbenen Hund verwechselt wird.
Herrchen und
sein Vater suchen ihn nun bereits, und so schön die Verwöhntage waren,
ist Hektor froh, in seinem Heim und den dazugehörigen
Familienmitgliedern zu sein. Liebevoll kindgerecht mit dem Hinweis, dass
ein Tier versorgt sein will, wird vom Leben des Hamsters Hektor
berichtet, der in einer Familie lebt, wie du und ich eine haben oder
kennen.
(Lesealter: 8
bis 9)
Christian
Bieniek / Marlene Jablonski:
"Hamster Hektor – Ein Rollmops auf
vier Pfoten"
Mit
Illustrationen von Volker Fredrich
Fischer
Schatzinsel 2010
92 Seiten Euro
5,95
ISBN :
978-3596808212
siehe unten
auch die Empfehlung von "Hamster Hektor - Eierlaram" ( Frage 81)
Wir suchen ein
Buch, aus dem ich als gebürtiger Dresdner unseren Kindern Geschichten
aus meiner Kindheit vorlesen kann!
Antwort 87:
Liebevoll zusammengestelltes Lesevergnügen
"Kindergeschichten aus 40 Jahre Kinderbuchverlag"
Von Susan Müller
Die Knie
anziehen und gemütlich im Sessel zurücklehnen. Dafür ist dieses Buch da,
zum kindlichen Vergnügen, auch für die großen Kinder.
Das Entchen,
was sich von der Familie entfernt und nur mit viel Mut und Schläue am
nächsten Tag wieder auf Mutter und Geschwister trifft, natürlich sehr zu
deren Erleichterung. Ein Kinderpaar, für das der Kastanienbaum der
Ausgangspunkt ist, die aber trotz dass sie sich mögen, gern voreinander
prahlen, bis die Mutter des Jungen von allen Kindern bestaunt wird, weil
die den Riesenkran fährt, der neue Wohnungen zaubert und auf die der
Junge dann sehr stolz ist und die auch, wenn sie Zeit hat, diese mit
ihrem Sohn und seiner Freundin verbringt.
Und wer darf
nicht fehlen? Bibi und Schweinchen Jo. Da aber Jo nicht so sehr auf
Sonnenblumen-, Kastanien- oder Bucheckersamen steht, die Bibi ihm
mittags vorsetzt, versteckt er sie heimlich in den Ritzen von der
Litfassäule. Und man glaubt es kaum, als die aus den Ferien bei der
Großmutter zurückkommen, blüht es rund um diese. Nun müssen die kleinen
Gewächse in den Stadtpark, der jetzt Schweinchen-Jo-Wald heißt.
Es ist einfach
nur ein pures, liebevoll zusammengestelltes Lesevergnügen, das in jeder
Geschichte einen Sinn hat und trotzdem nicht erzieherisch, sondern
spielerisch wirkt.
„Fantje war
schon seltsam. Es war klein, es war weiß und überhaupt viel zu fein.“
Und so hat er weder Lust im Schlamm zu baden, noch auf seinem Rüssel zu
musizieren und das Schlimmste: Fanje quengelt. „Kein Wunder also, dass
niemand mit ihm spielen wollte.“ So macht er sich eines Tages davon.
„Wohin geht man aber, wenn man keinen kennt?“ Zum Glück besitzt Fantje
fünf Macadamianüsschen. Und so lässt er sich treiben. “Wo möchte denn
das Elefantchen hin? - Das weiß ich selbst nicht. Ich habe hier fünf
Nüsschen.“ Er bezahlt mit seinen Nüsschen eine Fahrkarte mit
Schülerermäßigung für die Fahrt „über zwei Meere, ein kleines rotes und
ein großes blaues, und dann noch ein Stückchen über den Ozean“ bis er
Amsterdam erreicht. Dort kauft er für ein weiteres Nüsschen gegen den
Hunger ein Törtchen und einen kleinen Diamanten (aus den Bildern
erfahren wir, dass es ein Ohrring ist). Am Bahnhof dann geht es weiter:
“Wo möchte denn das Elefantchen hin? - Das weiß ich selbst nicht. Ich
habe hier drei Nüsschen.“ Aber der Schaffner weiß, wohin die Fahrt gehen
soll: nach Meissen. „Für ein Nüsschen. Direkt, ohne Umsteigen“ Am
Zielort angekommen gelangt Fantje zu einem Taxistand und das Frage und
Antwortspiel wiederholt sich zum dritten Mal. Und ist es nicht
wunderbar: Ein jeder weiß, wohin das kleine Elefantchen gehört. Der
Taxifahrer bringt ihn in den Porzellanladen, wo er von der liebevollen
Verkäuferin bewundert und ins Regal gestellt wird - zu den anderen
kleinen Elefanten, die alle so klein und weiß sind wie er. Hier ist
Fantje nun nicht mehr seltsam, hier ist er einer von vielen, besser
noch: er ist etwas besonderes mit seinem Diamanten im Ohr. Er hat seinen
Platz gefunden für nur vier Nüsschen, aber weil er so höflich ist,
schenkt er das fünfte der Verkäuferin.
Die Sprache
entspricht in ihrer Einfachheit ganz dem Kindermund, wobei sie durch
viele malerischen Adjektive und Wiederholungen sogar einen Hauch von
Poesie versprüht. „Und so fuhr Fantje durch grüne Wiesen und dichte
Wälder, durch graue Städte und bunte Städtchen.“
Das Buch hat
ein Schallplattenhüllen-Format. Die Graphiken von Gabriela Cichowska
sind in blass grau, beige und rosa gehalten und bestehen aus unendlich
vielen Linien, die in sich ein Ganzes ergeben. Sie zeigen Fantjes Reise:
den Weg übers Meer, durch die Straßen, über Brücken bis an sein Ziel.
Der kleine Elefant ist einfach reizend und man wird ihn sofort lieb
haben.
Adam Jaromir
schreibt eine Geschichte mit einem Augenzwinkern über das anders sein.
Mit der Botschaft, dass es auch für die, die nicht der Norm entsprechen,
einen Wohlfühlplatz gibt. Denn richtig, wie soll sich ein kleiner
Porzellanelefant unter den wirklichen Dickhäutern zurecht finden. Man
muss nur Vertrauen haben und sich treiben lassen können - und das alles
für nur fünf Nüsschen. Ist das Leben nicht großartig?
Die polnische
Illustratorin Gabriela Cichowska erhielt für das Bilderbuch für Kinder
ab 3 Jahren auf der internationalen Jugendbuchmesse in Bologna beim
Ragazzi Award 2011 eine lobende Erwähnung (Honorable Mention).
Mir ist eine
gute Gestaltung wichtig, ein schönes Bilderbuch soll es sein, und gut
geschrieben.
Antwort 85:
Beeindruckendes
Zusammenspiel
Oliver Jeffers:
„Pinguin gefunden“
Von Eva
Burghausen
Oliver Jeffers’
„Pinguin gefunden“ ist ein in Halbleinen gebundenes Buch, das in den
Händen zu halten, großen Spaß macht: Eine wirklich schöne Ausgabe mit
herrlichen Illustrationen - die sind so gut, weil sie in ihrer
Einfachheit überzeugend sind. Da man sich heute nicht mehr die Frage
stellen muss, welche Tiere wieder welche Botschaft transportieren
sollen, was weclhe Gefühle auslöst, ist es überflüssig zu fragen, warum
gerade ein Pinguin und ein Junge sich begegnen und am Schluss
feststellen, dass sie beide einsam sind. Und die Rettungsaktion, den
Pinguin an den Südpol zurückzubringen, soll im Endeffekt ein Fehler
gewesen sein. Sie brauchen Freunde, sie brauchen sich, und zum Glück
kommen sie am Ende wieder zusammen. Durch die Kürze der Sätze und die
Schlichtheit der Bilder wird diese Erzählung in ein angenehmes Licht
gerückt. Beeindruckend, dieses Zusammenspiel, und sowohl die Einsamkeit
des Südpols wie auch die Einsamkeit in einer Industrieland-Siedlung –
Oliver Jeffers ist ein geübter Bilderbuchmacher: Durch Schreibstil und
Bebilderung lebt eine eher schwache Geschichte auf. So lernt man
Literatur und Illustration lieben.
Ich suche nach
einem freundlichen Urlaubsbuch, das von wirklichen Kinder-Abenteuern
erzählt und nicht von den angeblichen Abenteuern, die Eltern ihren
Kindern, die sich in x-Flugstunden und geschleckten Flughäfen
langweilen, einreden.
Antwort 84:
Naturschönheiten
Hermann
Mensing: "Räuber,
Schattengeister und ein Karpfen im Mühlteich"
Von Susan
Müller
Erstmal fährt
Kutte in den Urlaub, nur wollen seine Eltern nicht wie andere seiner
Freunde in die weite Welt hinaus und mit dem Flugzeug nach Mallorca oder
ähnlichem, sondern zum Camping. Ein langes Gesicht von Kutte ändert
daran nichts, aber je mehr ihm seine Eltern erzählen von ihren
Erinnerungen von ähnlichen früheren Urlauben, die sie erlebten, umso
gespannter wird Kutte. Doch sein ärgster Feind, die Zeit, sie will und
will nicht vergehen. Ein Hoffnungsschimmer ist der zwischenzeitliche
Besuch vom Opa, der ihm auch noch einen Gutschein schenkt, der besagt,
Kutte muss sich zwei Wochen nicht waschen und keine Zähne putzen.
Die Familie
macht nach einem Stau Rast - und es wird eine dauerhafte, denn dort gibt
es einen Bauernhof mit einem Bauern, dessen Frau zur Kur ist und dessen
Sohn sich allein langweilt.
Kurzerhand wird
Urlaub hier gemacht und Kutte ist glücklich. Mit seinem neuen Freund
erlebt er allerhand Abenteuer. Eins davon ist der Karpfen im
dazugehörigen Mühlteich, der Kutte in seiner Größe und Kompaktheit fast
Angst einjagt. Aber die beiden übernachten auch in einem von ihnen
zurechtgemachten Erdloch und überstehen Regenphasen, die das Zelten eher
ungemütlich machen, aber als der Vater schon fast wetterbedingt abreisen
will, bahnt sich die Sonne wieder ihren Weg durch die Wolken.
Kutte hat hinterher viel zu erzählen!
Allein das Gewitter unter freiem Himmel! So etwas haben seine Freunde
nicht erlebt.
Ein wirklich
schönes Buch über die Schönheiten der Natur und darüber, wie ein
„Stadtkind“ recht viel Neues dort entdecken kann. Was nicht heißen soll,
dass dieses Buch nur für Stadtkinder eine genüssliche Lektüre ist!
Hermann
Mensing:
"Räuber,
Schattengeister und ein Karpfen im Mühlteich"
Ich möchte mit
meinem Sohn (drei Jahre alt) mal über die kleinengroßen Themen des
Lebens sprechen, ohne dass mir von geschmacklosen rosa Bildchen die
Augen weh tun (die eine Sorte Bücher) und ohne über die philosophische
Bitterkeit des Lebens in Depressionen fallen zu müssen (die andere Sorte
Bücher, die ich bisher gefunden habe).
Antwort 83:
Für Kinderaugen
Eva
Muggenthaler: „Als die Fische spazieren gingen“
Von Franz Xaver
Ganghofer
In dem
Bilderbuch „Als die Fische spazieren gingen“ von Eva Muggenthaler geht
es um die Illustrationen – das klingt selbstverständlich für ein
Bilderbuch. Aber ist es natürlich nicht. Hier jedoch wurde kindgerecht,
farbenfroh, sehr liebevoll gemalt - im illustratorischen Zeitgeist zwar
–man sieht es sich gern und ohne Barrieren an-, aber in der Komposition
so stimmig: Das überzeugt.
Im Buch wird
keine Geschichte mit Worten erzählt, sondern nur Begriffe einander
gegenübergestellt, wie „Vor Glück strahlen – traurig sein“, und sie sind
bildlich erklärt, ein kleines Vademecum des Lebens. Zum Beispiel das
Begriffspaar „Zusammenhalten – Allein sein“. Ein Spielplatz in einer
unberührten schönen Landschaft mit grüner Wiese, auf der eine schöne
grüne Kinderwippe steht. Auf der einen Seite der Wippe sitzt ein dicker Elefant,
auf der anderen Seite sitzen alle andern Tiere (Mäuse, Eichhörnchen,
Schweinchen, sogar Vögel). Sie werfen sich übereinander und schaffen es, die
Wippe zu bewegen. Sie wippen den Elefanten hoch, der dann mit seinem
Rüssel sich eine Kirsche vom Baum schnappen kann. Immer doppelseitige
Bilder,
durch die man mit Kindern herrlich in den Bildern versinken und mit ihnen
darüber erzählen kann. Das Begriffspaar wird nämlich anders, nicht à la
Küchenkalender gedeutet – das Alleinsein des Elefanten ist nur auf den
ersten Blick ein Alleinsein, weil ihm die anderen ja alle helfen. Ein
fröhliches Buch, das einen gelungenen Kontrapunkt zu den
Kinder-Philosophiebüchern setzt, die die Kinder für sich formen wollen
anstatt etwas für Kinderaugen zu bieten. Anders hier!
Dieses Buch
lebt von seiner munteren Bebilderung. Was angenehm ist: Wenn eine
Illustratorin illustriert, ohne schreiben zu müssen, fallen die ganzen
Reibungsverluste zwischen Text und Bild weg. Das gibt diesem Buch die
Chance, so geschmackvoll zu sein, wie es ist.
Was ich suche:
Ein Bilderbuch, das lustig und originell ist und auch seine Aussage hat.
Antwort 82:
Unbändiges
Lachen garantiert
Melanie Laibl/Alexander Strohmaier: „Herr Grimm und Frau Groll zerkugeln
sich: Eine Geschichte von zwei Seiten“
Von Melanie
Grundmann
Herr Grimm und
Frau Groll - der Name ist Programm: Zwei Menschen, die ohne Spaß durchs
Leben gehen. Herr Grimm zeigt sich kantig; die Nase spitz, die Augen
auch, die Brauen sowieso. Der Mund ein Strich, dem nie auch nur ein
Lächeln entflieht. Der Anzug stachlig wie ein Kaktus. Frau Groll - das
genaue Gegenteil: klein und rund, doch nicht etwa lieb und nett, wie man
denken möchte, sondern genauso griesgrämig wie Herr Grimm. Doch als die
beiden aufeinandertreffen, gibt es kein Halten mehr: Aus beiden platzt
es vor Lachen nur so heraus.
Die unbändige
Freude der beiden Figuren spiegelt sich in irren Farb- und
Formexplosionen. Während sich Frau Groll in Kugeln auflöst, spiralisiert
sich Herr Grimm in einen Lachanfall hinein. Ein tolles Buch, das immer
wieder Spaß macht und ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.
Neben den
großartigen Illustrationen besticht das Buch durch sein Format, denn es
ist von beiden Seiten lesbar. Die eine Seite erzählt von Herrn Grimm und
wie er auf Frau Groll trifft, die andere Seite von Frau Groll, die auf
Herrn Grimm trifft, bis beide in der Mitte aufeinander treffen. Auch die
parallele Erzählstruktur verbindet die beiden Geschichten und weist
zugleich darauf hin, wie gut Herr Grimm und Frau Groll füreinander
geschaffen sind. Somit ist dieses Buch nicht nur ein Plädoyer für das
Lachen, sondern auch eines für die Liebe.
(Ab 4)
Melanie
Laibl: Herr Grimm und Frau Groll zerkugeln sich: Eine Geschichte von
zwei Seiten
Mit Illustrationen von
Alexander Strohmaier:
Luftschacht Verlag
2010
48 Seiten, Euro 19,40
ISBN 978-3902373632
Die Rezensentin ist
freischaffende Autorin und Kulturwissenschaftlerin.
Für ein Kind -
Schnell zu lesen, unkompliziert und günstig: Haben Sie da eine Idee?
Antwort 81:
Niedliche, schöne
und einfache Kinderlektüre
Christian
Bieniek: "Hamster Hektor – Eieralarm"
Von Susan Müller
Was passiert,
wenn die Freunde des Herrchens eines Hamsters etwas „Nützliches“ tun zu
lassen?
Die Mutter der
Familie ist verreist und Hamster Hektor leidet,;kein Futter und keine
Streicheleinheiten. Hektors Herrchen ist Sascha. Saschas Vater hat
Überraschungen für die Rückkehr der Mutter parat, indem er renoviert.
Alles andere wie Geschirr und Wäsche bleiben liegen und an Futter denkt
auch er nicht. Er hat ein Würstchen zu bieten, doch das versetzt Hektor
in ungläubiges Staunen. Er als Vegetarier soll fleischliche Produkte
fressen. Doch wie erwähnt, soll er Nützliches tun und bekommt ein Ei zum
Ausbrüten unter sich gelegt, aber da ihm Belohnung in Form von Futter
winkt, tut er es notgedrungen. Ein anderer, echterer Freund Saschas -
und auch in Hektors Augen der bessere- , rettet die Situation und Hektor
dazu, denn siehe da, das Ei hat einen winzigen, niedlichen Bewohner, der
schlüpft. Und das entschädigt auch Saschas Mutter, die über all das
Chaos in der Wohnung nicht so sehr begeistert ist, sie lobt Hektor
sogar.
Albert Wendt
lese ich gern; welches ist sein neuestes Buch?
Antwort 80:
Witzig
lesenswert
Albert Wendt:
"Marta-Maria"
Von Susan Müller
Sehr kurz irritiert
der Anfang des Buches, in dem Marta Maria direkt die Züge einer Katze
annimmt. Aber wir werden recht schnell aufgeklärt, dass Marta Maria ein
hochinteressiertes und ebenso interessantes Persönchen ist, das die
Katze einfach spielt. Ein Freund des dicken Vaters nimmt dann die
spielerische Gestalt des Hundes an, und so fühlt sich Marta Maria ernst
genommen und wird dann schnell wieder die bildhübsche Tochter.
Marta Maria hat weit
mehr zu bieten als eine Katze. Auch des dicken Vaters kleinen Fehler
kann Marta Maria in ein Verwandlungsspiel verpacken. Und sie macht auch
so etwas, wie sich im Spülbecken platzieren und Geräusche eines
Wischlappens machen. Das ist verrückt und nicht zusammenzufassen, und
das Buch erzählt davon, wie intensiv Kinder leben und auf Zwänge
reagieren.
Die Lektüre ist
liebevoll anders, vor allem für die Kinder spielerisch und phantasievoll
um- und beschrieben. Wenn sich Marta – Maria nämlich verstanden und
ernst genommen fühlt, wird sie wieder zum lieben, klugen, hübschen und
interessanten und kleinen Töchterchen des dicken Vaters. Witzig
lesenswert.
(Ab 8)
Albert
Wendt:
"Marta-Maria: Geschichten für außergewöhnlich kluge und
hochinteressante Kinder"
Der Papagei kennt
jedes Tier im Dschungel und trifft auf einmal Fernando – der ist
Fernando, aber was ist Fernando? Der Papagei und Fernando überlegen
gemeinsam, was er sein könnte, Vielleicht ein Papageienschwein? Er
versucht’s, und Kinder können mal wieder lachen: Ein Bilderbuch nicht
aus der Erwachsenenwelt und endlich mal wieder für die Kinderwelt!
Zwischen Fernando und
dem Papagei entsteht eine echte Freundschaft, die man auf feine,
bewegende Art auch aus den Bildern herausspürt.
Ein erfrischendes
Kinderbuch, ganz im Stil eines echten Kinderbuches, was nicht zu viel
will und nicht zu viel ist. Schöne Illustrationen, in bunten Farben und
lustigen Bildern und netten Gesichtern.
Ich suche nach einem
Buch, das mein zehnjähriger Sohn in der Adventszeit lesen kann. Nicht
christlich; gern humorvoll.
Antwort
78:
Es ist von der
Aufmachung her ein ganz besonderes Buch, das wir Ihnen empfehlen: „24
Geschichten bis Weihnachten“. Die Geschichten im Buch sind nicht einfach
aufzuschlagen und loszulesen; man muss sie Doppelseite für Doppelseite
mit einem Brieföffner oder Messer aufschneiden. Wie ein Adventskalender,
jeden Tag eine Erzählung. Darin findet sich viel von dem, was an
deutschen Kinderbuchautoren jenseits von Cornelia Funke existiert und in
den etablierten Verlagen ab und zu in moderater Auflagenhöhe mit einem
Buch ans Licht der Öffentlichkeit kriechen darf. Die Schwierigkeiten von
Sammelbänden –die schwankende Qualität der Geschichten - , sie ist auch
hier zu bemerken. Aber für die jungen Leser überwiegt die Freude an
spaßigen Geschichten, und als Erwachsener kann man sich den Mittelbau
der Kinderliteratur so einmal auf dieser Art Laufsteg anschauen.
Ich suche ein Buch für
ein achtjähriges Mädchen, das dringend etwas zum Lachen braucht!
Antwort
77:
Hypnose mit Folgen
"Die Paulis außer
Rand und Band"
Von Iris Kersten
Zugegeben, etwas
skeptisch war ich schon, als mir das Buch in die Hände fiel: blauer
Einband (exakt das gleiche blau wie alle Pippi Langstrumpf-Bücher), der
Titel Die Paulis außer Rand und Band (ein relativ platter Bezug zu Pippi
außer Rand und Band) und auf dem Buchdeckel eine verunstaltete Pippi und
drei weitere Kinder. Eine Parodie auf Pippi Langstrumpf? Das hätte mir
als Mutter von zwei Pippi-Fans nicht besonders gefallen. Und abgesehen
von Astrid Lindgrens Rassendiskriminierung mag ich ihre Pippi auch sehr
gern. Hätte also in dieser kleinen Buchhandlung im Osten
Nordrhein-Westfalens, wo ich meine Kindheit verbracht und selbst Pippi
Langstrumpf kennen gelernt habe, kein Sessel neben dem Bücherregal
gestanden, wäre das Buch sicher wieder dorthin zurück gewandert. Aber es
stand nun eben ein Sessel dort, und ich hatte Zeit...
Schon beim ersten
Absatz musste ich breit grinsen: „Mamaaaa!“, schrie Lea aus ihrem Zimmer
nach unten. „Kann ich bitte dein Sommerkleid zerschneiden? Das rote! Ich
brauche den Stoff für eine Collage!“ Und so ging es dann eigentlich
immer weiter. In kurzer Zeit hatte ich die Hälfte des Buches
verschlungen, dann habe ich es gekauft. Dieses Vergnügen wollte ich
meinen Kindern nicht vorenthalten:
Zur Familie Pauli
gehören die alleinerziehenden Mutter Iris (Ökologin) und ihre drei
Kinder: Dennis, zwölf Jahre und Computerfreak, Lea, zehn Jahre und
Künstlerin, sowie Flummi, acht Jahre und Artistin.
Aus beruflichen
Gründen muss Iris nun für drei Monate auf eine Expedition an den Nordpol
reisen. Da sie die Kinder nicht allein lassen kann, kommt ihre Schwester
Heidrun, um sich um die Bande zu kümmern.
Eines Abends gibt
Flummi, der durch Zufall ein Hynose-Buch in die Hände gefallen ist, eine
Hypnoseshow. Und es ist kaum zu glauben, aber die Hypnose gelingt, und
die strenge Tante Heidrun verwandelt sich in die übermütige Pippi
Langstrumpf. Was zuerst für die Kinder nach Freiheit aussieht und
wirklich lustig ist (auch für den Leser), hat für die drei Kinder
katastrophale Folgen (für den Leser bleibt es amüsant), denn sie können
Pippi alisa Tante Heidrun nicht mehr allein zu Hause lassen, da sie nur
Unsinn macht und zu befürchten ist, dass Pippi entweder beim Pfannkuchen
backen das Haus abfackelt oder es beim Baden unter Wasser setzt – den
Fernseher hat sie schon im Garten verbuddelt.
Der Versuch einer
Rückhypnose scheitert am Verschwinden des Hypnosebuches...
Vielleicht ist
Grickschs Sprache nicht ganz so ausgefeilt wie die von Astrid Lindgren
und vielleicht ist die Geschichte auch ein wenig an den Haaren herbei
gezogen, aber was ist bei Pippi Langstrumpf schon nicht geschwindelt? Es
ist ein rasantes und wirklich heiteres Buch, nur macht es vielleicht
mehr Spaß es zu lesen, wenn man Pippi Langstrumpf auch schon kennt.
Heißa hopsa!!!
(Für Kinder ab 8
Jahren, ein Buch ohne Bebilderung.)
Ich kenne die Marmeladen von Veronique Witzigmann. Nun
hat mir eine Bekannte erzählt, es gäbe auch ein Buch von Veronique
Witzigmann. Stimmt das?
Antwort
76:
Und wie! Veronique Witzigmann hat 2009 „Die kleine
Marmeladenfee“, eine Geschichte für Kinder zwischen 5 und 7,
veröffentlicht. Dass am Ende des Buches Marmeladenrezepte für Kinder zum
Nachkochen aufgelistet sind, sollte nicht dazu verführen, das ganze
Unterfangen zu belächeln. Die beiden Autorinnen – neben Witzigmann Caren
Zacharias – haben ihre Erzählung von der Fee, die sich entscheiden muss,
welchen Weg im Leben sie einschlagen will, mit viel Charme geschildert.
Die Figuren, die sich kindernah und schlüssig eindeutig in Gut und Böse
einteilen („Die Fee, die am Herd stand, hatte offensichtlich auf diesen
Zauber verzichtet. Ihre Haare waren weiß, und ihr Gesicht war voller
Falten. Sie sah alt aus. Alt und freundlich.“ – „Die Augen der dunklen
Fee wurden zu schmalen Schlitzen, und ihre Stimme senket sich zu einem
bedrohlichen Flüstern.“) Da sind Kinder ganz dabei, sie erleben all ihre
Gefühle noch intensiver und identifizieren sich mit der kleinen Fee, die
fröhlich-naiv ist, aber dabei nicht dümmlich. Ein wichtiger Punkt: Den
Kindern begegnen in vergleichbaren Büchern immer sehr plan als
„Naschkatzen“ angelegte Figuren – man denke nur an „Emily Erdbeer“ -,
wohingegen dieses Buch lustig und leicht, aber keine Verblödungslektüre
ist.
Dazu Illustrationen mit Herz!
Band 2 ist auch schon erschienen (lag uns aber nicht zur
Rezension vor.)
Meine Mutter ist gestorben. Meine kleine Tochter kommt damit nicht klar,
dass ihre Oma plötzlich weg ist. Haben Sie ein Bilderbuch, das das
Geschehen ihr erklärbar macht?
Antwort
75:
Wir empfehlen: "Ein Himmel für Oma".
Das Buch - sehr kindgerecht, durchdacht und von Menschen, die sich mit
dem Thema auseinandergesetzt haben - ist es weniger ein künstlerisch
anspruchsvolles Buch als ein Buch, das wirklich zu bewältigen hilft.
(Ab 5)
Antonie
Schneider:
Ein Himmel für Oma: Ein Bilderbuch
über das Sterben und den Tod
Frau Waldmeister hilft
am allerliebsten Kindern und das mit detektivischem Spürsinn. Sie wohnt
im Haus mit Amanda, die noch klein, aber allein ist, was keinen wirklich
stört, und eines Tages einen Freund hat, der in Schwierigkeiten steckt.
Frau Waldmeister, die immer mit einem schicken Hut begleitet, nicht
ertragen kann, wenn Kinder leiden, verspricht zu helfen. Philipp,
Amandas Freund, ist Waise und ein Freund seines Vaters kümmerte sich bis
jetzt um ihn. Doch Rubin musste zum Schutz des kleinen Philipp
verschwinden, denn zwei böse Betrüger suchen ihn, weil sie meinen, er
hüte das Geheimnis um eine goldene Glocke. Doch er weiß davon nichts,
denn sein Freund kam ums Leben, bevor er ihm davon erzählen konnte. Frau
Waldmeister geht auf die Suche nach Rubin und wird mit den ihr eigenen
Methoden fündig. Sie findet aber nicht nur Rubin, sondern eine Katze
bewacht ein geschütztes Loch auf dem Grundstück und so lüftet sie auch
das Versteck der goldenen Glocke, die die Gauner erpressen wollten. Die
werden aber auf Geheiß des Polizeipräsidenten, dem Frau Waldmeister ein
paar ernste Worte gesprochen hat, schließlich hat sie ihm geholfen, als
er noch ein Kind war, in sichere Verwahrung genommen.
Rubin, Philipp, Amanda
und Frau Waldmeister leben genau wie der Archivbesitzer, dem Frau
Waldmeister mittwochs immer Karten legte, bis zum nächsten spannenden
Fall zufrieden und in Eintracht miteinander weiter.
Einfühlsames
Kinderbuch, das Freundschaft einschließt und der Gerechtigkeit dient.
Unbedingt lesenswert.
Hätten Sie eine Idee zu einem Bilderbuch,
das gern ein wenig nostalgisch wirken darf!
Antwort 73:
Ein stilvoll
illustriertes, sympathisches Vorlesebuch
Andreas H.
Schmachtl: „Juli Löwenzahn. Schatzsuche im Möhrenbeet"
Von Brigitte Bjarnason, Hafnarfjördur
Juli Löwenzahn kann prima helfen.
Allerdings sorgen seine Ideen für ungeahnte Überraschungen.
„Juli Löwenzahn“ ist eine liebenswerte,
mit bunten Zeichnungen illustrierte Hasengeschichte. Sympathisch ist der
positive Unterton, denn obwohl Juli Löwenzahns Hilfsaktionen mehr
Schaden als Nutzen anrichten, wird er weder ausgeschimpft noch bestraft.
Das macht Kindern Mut, eigene Ideen zu entwickeln.
Das Buch eignet sich gut zum Vorlesen oder
einfach nur zum Bilderangucken. Der Text ist kindgerecht, hat die
richtige Länge und hält die Aufmerksamkeit des Lesers und Zuhörers bis
zum Ende. Die nostalgisch anmutende Illustration lädt zum genaueren
Hinschauen ein, denn es gibt in den Bildern viele einfallsreiche Details
zu entdecken.
„Juli Löwenzahn“ ist ein Lesespaß für
Eltern und Kinder.
Ich suche nach einem Buch, das
"Mitmenschlichkeit" behandelt und das ich mit meinem kleinen Enkel
zusammen anschauen und lesen kann.
Antwort 72:
Für Jung und Alt
Elisabeth Steinkellner: "Beste Grüße an
Herrn Günther"
Von Susan Müller
Drei Freunde und ein kleiner Junge im
Rollstuhl können nicht verstehen, dass Herr Günther so komisch drauf
ist. Er schmeißt seine Zigarettenreste einfach weg, streitet mit seiner
Frau lautstark und beleidigt den kleinen kranken Jungen.
Doch die drei versuchen ihn auf eine
andere und besondere Art zu „knacken“. Sie schicken ihm per Post seine
Zigarettenstummel mit Grüßen an Herrn Günther und helfen ihm beim
Einkauf, indem sie die Taschen auf dem Schoss des Jungen im Rollstuhl
transportieren und sie hören Herrn Günther und seine Frau miteinander
lachen. Wenn das kein Erfolg ist?!
Auf eine andere Art und Weise erzählt und
vor allem mit kindlichem Gemüt die Missstände behoben, ist eine kurze,
aber für Jung und Alt einprägsame Lektüre.
Wir suchen nach einem aufmunternden,
qualitätsvollen und nicht zu langen (!) Buch für unseren zehnjährigen Sohn.
Antwort 71:
Die
Erzählung, die wir Ihnen empfehlen, ist etwas unglücklich in einer Reihe
gelandet (Duden Lesedetektive), in der es rein funktional zur
Leseförderung dienen soll. Dort versteckt sich mit „Die Inselschüler –
Gefahr im Watt“ ein ganz besonderes kleines Werk. Eine Schulklasse, ein
abenteuerliches Erlebnis, ein gänzlich unkonventioneller Lehrer, das ist
eine rundum geeignete Lektüre. Christian Tielmann erzählt mit viel Liebe
und Wärme und in -innerhalb der Kinderliteratur auffallend versierten-
Sätzen, die einerseits gesprochene Sprache aufgreifen, andererseits sie
aber auf ein literarisch angemessenes Niveau heben.
Ein
gekonntes Exemplar aus dem Genre Schulgeschichten.
Ich habe in der Buchhandlung ein fest
gebundenes Buch aus dem mir nur als Taschenbuchverlag -wie schon der
Name sagt- "Deutscher Taschenbuchverlag" gesehen. Es interessiert mich
daher, ob es inhaltlich wie die Taschenbücher ist. Würden Sie es
rezensieren? Es heißt "Der letzte unsichtbare Junge" und ist von einem
mir unbekannten Autor namens Evan Kuhlmann.
Antwort 70:
Mitten im Schicksal und danach
Evan Kuhlmann: „Der letzte unsichtbare
Junge“
(sm) Finn ist auf den ersten Blick ein ganz
normaler Junge. Nur seine Haut ist blasser und seine eigentlich
schwarzen Haare sind eher weiß. Und das mehr und mehr!
Warum? Wird Finn unsichtbar? Will er
unsichtbar werden?
Finns Vater ist gestorben. Ein natürlicher
Tod, aber dennoch völlig unvorhergesehen. Eine Welt bricht für den
zwölfjährigen Jungen zusammen. Er rettet sich ins Tagebuchschreiben.
Damit beginnt diese Geschichte des
amerikanischen Autors Evan Kuhlmann eine literarische Verarbeitung zu
bekommen. Eine filmische oder eine als Comic wäre angesichts des Plots
auch denkbar gewesen.
Denn Finn altert nun. Äußerlich. Seine
Umgebung reagiert unterschiedlich. Finns Freundin Mel hält zu ihm. Mit
ihr findet er zum menschlich und künstlerisch besten Ausweg, Witz,
Humor, das Brechen einer frontalen Perspektive. Die anderen
Familienmitglieder kämpfen alle auf ihre eigene Weise mit sich und um
Finn; der Opa erzählt zur Trauerbewältigung ununterbrochen Anekdoten von
früher, die Mutter färbt sich gar selbst die Haare weiß.
Die Anspannung kann nur durch Finn gelöst
werden, und er schließt den Frieden, den die Tragik des Romanes
verlangt. Er findet sich mit dem Schicksal ab. Als Bild: Er isst den
letzten, vom Vater mitgebrachten Drop. Nun kann er wieder beginnen, nach
vorne zu schauen. Finn nimmt Abschied vom Vater und übernimmt
Verantwortung auch innerhalb der Familie. Dass Finn auch mit Hilfe einer
psychologischen Betreuerin ins Leben zurückfindet, wird sofort sichtbar,
als seine Haut die Rosafärbung zurückbekommt und auch sein Haar sich
langsam wieder verdunkelt.
Ein Buch, das zeigt, wie schnell eine
unvorhergesehene Situation alles durcheinander bringen kann. Aber es
beschreibt auch, wie man gemeinsam auch aus tiefen Tälern herauskommt
und welche Gedanken über das Leben und um das Danach sich einem
Heranwachsenden nach so einem Schicksalsschlag aufdrängen. Und wie er
sie bewältigt.
Ich möchte einen Sammelband mit
Geschichten für Kinder verschenken. Aber es ist so schwer, einen guten
auszuwählen. Die Erzählungen sollen Qualität haben.
Antwort 69:
Das beste, was uns als
Kinderliteraturkritikern bisher untergekommen ist –und uns ist einiges
untergekommen- , ist der Sammelband „Östlich der Sonne, westlich vom
Mond“, herausgegeben von Paul Maar und neu erschienen bei der
Büchergilde Gutenberg. Darin sind viele große Namen versammelt
(erstaunlich: auch Robert Musil, Heinrich Heine, Louis Armstrong; nicht
erstaunlich Erich Kästner, Ursula Wölfel, Ursel Scheffler), doch das
ermöglicht es, das oft schwankende Niveau in Sammelbänden aufzufangen –
hier treten alle ausgewählten Erzählungen zueinander in Beziehung;
obwohl auch viele kürzere Texte dabei, kommen Kinder ins Schmökern.
Reichlich Denkanstöße inklusive - deshalb ist "Östlich der Sonne,
westlich vom Mond" etwas für Kinder ab 6 hoch bis 12. Und die Gestaltung
(mit kleinen Bildern versehen von Philip Wächter) tut ihr Übriges: Durch
und durch zum Verschenken geeignet!
Meine Tochter, 10, liebt Erzählungen mit
Internatsschülerinnen. Na ja. Gibt es da etwas Neueres? Schonen Sie mich
nicht.
Antwort 68:
Die Internatsgeschichten sind
beinahe Kulturimperialismus: Seit Jahrzehnten tauchen sie in penetranter
Regelmäßigkeit auf und fluten die Herzen der jungen Mädchen auch in all
jenen Ländern, deren Schulwesen nicht internatsverseucht ist. Aber die
Träume der ewig nachwachsenden Leserinnen trifft es eben auch; die
schlechte, aber nette Schülerin, die Freundinnen, die mal zweifeln, aber
doch immer zur Stelle sind, das Unverstandensein und das Bettdeckeüberdenkopfgeziehe inklusive Schluchzen – in diesem (vierten)
Schuljahres-Abenteuer von der Hexenschülerin Mildred flüchtet sie gleich
zweimal in ihr Zimmer, in ihr Bett.
Als erwachsener Leser muss man also schon
einiges aushalten, nicht nur mit beleidigten Mädels zuhause, sondern
auch noch m Buch. Ein Glück für die Zielgruppe, dass sich doch noch
alles zum Guten wendet für ihre Identifikationsfigur, und ein noch
größeres Glück, dass Mildred in einer eindeutigen Welt lebt, eine
erklärte Erzfeindin, Esther, hat. Schwarzweiß, gutböse, ja, es ist wie
„Hanni und Nanni“, aber weil wir 2007 als Ersterscheinungsjahr in
England schreiben, gibt es auch Sätze wie „Esther hinterfragte ihr
Handeln nicht“. Und deswegen gibt es auch ein wenig Zauberei und
Schildkröten, die zeitweise sprechen können. Potter hat tiefe Spuren
hinterlassen.
Doch nur eine Seite, die im rauen Wind der
Kritik nichts zulassen kann, lehnt dieses Buch ab. Die andere: Es ist
ein Buch für acht bis elfjährige Mädchen, das wird es immer bleiben, und
für die ist es keine Schande, Mildred zu lieben. Die Eltern, die „Eine
lausige Hexe eilt zu Hilfe“ kaufen –es ist hervorragend gestaltet- tun
den Töchtern einen Riesengefallen. Sie bringen einen guten Packen
altersgerechte Phantasiewelt mit nach Hause.
Judo ist mein Sport. Gibt es was, worin
Judo vorkommt?
Antwort 67:
(sm) Hochrangiger Besuch kündigt sich an,
und vor allem Linh ist total aufgeregt, denn sie, die ihm Judo ihre
Sportart sieht, wartet auf den Großmeister Yuuto, der ihre Schule
besuchen wird. Sie wird seine Begleiterin sein. Und er wird ihr
zuschauen bei ihren Kämpfen. Doch kaum bestreitet sie ihren ersten
Kampf, der auch von Erfolg gekrönt ist, verschwindet ihr Held.
Da er nicht wieder auftaucht, vermasselt
Linh ihren zweiten Kampf. Unsere 5 Asse kommen hinter alles; sie spüren
Yuuto auf. Doch noch weiter helfen die 5 Asse – und beweisen, wie immer,
ihre absolute Teamfähigkeit und ihren kriminalistischen Spürsinn.
Jedes Abenteuer der 5 Asse ist wie dieses
spannend, unkompliziert, schnell durchzulesen. Die Eigenschaften der
Freunde sind heute gern gesehen, und für dieses Mal passen sie
wenigstens zu Milieu, in dem dieser Band spielt. Wer Judo als Sport
treibt, hat nun auch ein „Asse“-Buch für sich, die „Asse“-Fans einen
neuen Fall, und alle anderen verpassen nichts, wenn sie darauf
verzichten.
Ich habe "Darf ich bleiben, wenn ich leise
bin" von Andrea Hensgen gelesen und habe jetzt gehört, dass ein
weiteres
Buch von ihr erschienen ist. Was für ein Titel! "Als Häschen den Sheriff erschoss".
Und was steckt dahinter?
Antwort 66:
Exodus
„Als Häschen den Sheriff erschoss“ ist ein
Kinderbuch. Trotz des Titels.
Von Jan Fischer
Manchmal, spätnachts, wenn alle schon ein
bisschen mehr getrunken haben und nostalgisch werden, mache ich mir den
Spaß, zwischen dem ganzen Gerede über He-Man, Knight Rider, die ersten
Erfahrungen mit der Bravo und Schwärmereien von Fireball aus „Saber
Riders“, kurz mal „Watership Down“ zu erwähnen. Nicht das Buch, sondern
den Film, in dem niedliche Häschen plötzlich durchdrehen, mit blutigen
Schnauzen aufeinander losgehen, und einer der brutal niedergemetzelten
Hasen dann als gruseliger Geist wieder auftaucht. Es wird immer still,
wenn ich den Film erwähne: Wer ihn kennt, der hat ihn nicht vergessen.
Ganz so schlimm ist „Als Häschen den
Sheriff erschoss“ nicht, aber doch: Das erste, was Häschen tut, nachdem
es versehentlich den Sheriff gekillt hat, ist, erstmal einen Kurzen in
der Tierkneipe „Zum Hirschen“ zu trinken. Aber von da aus wird es
harmlos, wird die Geschichte des toten Sheriffs zu einer über
Freundschaft und den Auszug der wirklich wahren Freunde Häschens aus dem
Wald. Häschen verarbeitet die ganze Geschichte auch relativ schnell,
nachdem ihm alle seine Freunde versichern, es sei ja Notwehr gewesen.
Der Unterschied zu Trauma-Maschinen wie „Watership
Down“ ist eigentlich ganz einfach: Das eine beginnt mit einer Idylle,
die es dann Schritt für Schritt auflöst: Bei „Watership Down“ jagt eine
Katastrophe die andere. „Als Häschen den Sheriff erschoss“ beginnt mit
dem schlimmsten, was es zu bieten hat, und benutzt die Katastrophe als
Vehikel zur Konstruktion einer Utopie, die einigen der Tiere zwar eine
schwere Entscheidung abverlangt, aber zum Exodus in eine
bessere Welt führt. „Watership Down“ beginnt mit diesem Exodus.
Letztendlich haben zwar beide ein Happy End, aber bei „Watership Down“
wird alles sehr viel schlimmer, bevor es besser wird. In „Als Häschen
den Sheriff erschoss“ ist Häschens schlimmster Moment der Anfang, der
Kräuterschnaps kurz nach der Tat, ab da wird alles konstant besser.
So gesehen ist die Brutalität, dieses
Erschießen, bei „Als Häschen den Sheriff erschoss“ nur die
Verpackung, das, was draußen drauf steht, nur der Anfang, und nichts,
was lange nachschwingt. „Als Häschen den Sheriff erschoss“ ist
wahrscheinlich kein Buch, mit dem man in zehn Jahren spätnachts, wenn
alle schon ein bisschen mehr getrunken haben und nostalgisch werden,
Leute plötzlich zum Schweigen bringen kann. Das macht es nicht zu
einem schlechten Buch. Sondern zu einem normalen Kinderbuch.
"Rocky" hat es
meinen Kinder angetan. Wie ist der nächste Band, "Ein Hamster räumt
auf"?"
Antwort 65:
Rocky löst auch echte Probleme
Denn Rocky räumt auf
Von Susan Müller
Rocky, der aus "Ein Hamster tobt im
Klassenzimmer" bekannte Hamsterfreund, hat alle Hände voll zu tun, um in
"seinem" Klassenzimmer aufzuräumen und Harmonie hineinzubringen. Die
Weihnachtsferien sind vorbei, und da Mrs. und Mr. Brisbane Rocky über
die Feiertage bei sich hatten, entstand eine blinde Vertrautheit und
Freundschaft zwischen ihnen. Der Trennungsschmerz, der Rocky bei Mrs.
Mae, die ihn Anfang des Schuljahres verließ, verblasst. In der Klasse stellt sich eine Veränderung ein, sie und somit auch Rocky
bekommen Zuwachs. Der erste ist ein Frosch, der Osch getauft wird und
Tamara, eine neue Schülerin, die in einer Pflegefamilie aufwächst und
sich anfangs so unwohl fühlt, dass sie ständig ihren Teddy mit sich
rumschleppt und dafür von den Klassenkameraden belächelt wird. Doch unser Rocky löst alle kleinen und größeren Problemchen bzw. liefert
deren Lösungsansätze. Auf Osch, das neue Klassentierchen, ist Rocky anfangs sehr eifersüchtig,
denn er steht nicht mehr ständig im Mittelpunkt, und außerdem spricht
Osch nicht mit ihm, sondern gibt nur komische Geräusche von sich. Als
aber Rocky bei einem seiner Abenteuer zugunsten seiner Freunde in
Gefahr gerät, wird er von Osch gerettet, und das vergisst er ihm
natürlich nie und wie über Nacht sind die beiden in Freundschaft
verbunden. Doch Rocky löst auch echte Probleme, denn er versöhnt die
Stiefgeschwister Lara und Mara durch einen kleinen Trick, der ihm zwar
viel Schweiß gekostet hat, aber sehr nachhaltig wirkte. Nicht genug damit, die besten Freundinnen Heidi und Kathi zerstreiten
sich wegen einer totalen Nichtigkeit, doch bei einer Klassenfeier
verteidigt die eine die andere gegen den "Feind" Martin und der Frieden
ist wieder hergestellt. Aber auch der sogenannte Feind Martin Bohne, genannt Bohnenstange lernt
seine Lektion bei der Geburtstagsfeier, der bekommt nämlich von
Hausmeister Aldo die Aufgabe, die Tombolapreise zu verteilen und das
auch noch freundlich. Nach anfänglichen Schwierigkeiten geht die
Rechnung auf und Martin verliert seine Dominanz, die anderen schrecken
nicht mehr vor ihm zurück. A propos Aldo, zu guter Letzt kann unser Rocky auch was für ihn tun.
Er bringt es wieder fertig, dass Anmeldeformular, welches Aldo ausfüllen
muss, wenn er, seinem Wunsch getreu, als Lehrer arbeiten möchte, so zu
platzieren, dass Mrs. Brisbane aufmerksam wird. Sie lädt also ein, eine
Unterrichtsstunde zu halten, der sie und der Direktor beiwohnen. Dann
ist es nur noch eine Kleinigkeit, dass die beiden ein
Empfehlungsschreiben geben.
Sie sehen, Rocky erlebt viel und hat jede
Menge zu tun. Betty G. Birney verzaubert die kleinen Leser mit der
Vielfalt und Originalität der Ideen des kleinen Hamsters. Eine passende
Fortsetzung also.
Aus meiner Kindheit sind mir nicht die
hübschen, gefälligen Bilderbücher, sondern die sperrigeren in
Erinnerung. Nach solchen suche ich auch für meine Kinder. Ich suche nach
dem speziell illustrierten Bilderbuch. Haben Sie Empfehlungen? Ich lese
die "Leserfragen" regelmäßig, Sie können auch gern immer mal wieder
antworten, so dass Sie Neuerscheinungen mit einbeziehen können.
Antwort 64:
Anschaffenswert für Sie ist:
Momo Takane: "Momos Wünsche"
Wenn man sich nicht mit japanischer
Illustration Manga und Bilderbuchgestaltung beschäftigt hat und blättert
dieses Buch nur eilig durch, sind die Illustrationen nur verwirrend,
wenig anheimelnd. Wenn man näher hinschaut, sieht man jedoch und dann
sofort, dass es ein japanisches Bilderbuch ist, und alle für den
Ungeschulten schwierige Eindrücke werden durch Augen der dargestellten
Figuren, durch die Farbgestaltung hervorgerufen; schon wird es zu einem
Buch, das einen wirklich beschäftigt. Nicht nur die Erwachsenen, auch
die Kinder beginnen schnell, an „Momos Wünsche“ zu hängen.
Ein Kind, das nicht einschlafen kann und
mit wirren Gedanken herumliegt und dem sogenannte „Traumeier“ angeboten
werden, das Kind, das die Traumeier und deren Wirkung in Erfahrung
bringt. Das ist die Geschichte. In Kombination mit den Bildern
hinterlässt das Buch kleine Betrachter und große Vorleser, die es nicht
mehr missen möchten. Die anfängliche Verwirrung bleibt bei manchen
vielleicht immer, es ist eine Verwirrung, die positiv ist und gute
Spuren hinterlässt.
Meine kleine Tochter lässt das Essen immer
stehen. Ich würde ihr gerne anhand eines Bilderbuches - und nicht mit
einer oberflächlicher Gewissenskeule - zeigen, dass die Realität für
viele Kinder ganz anders aussieht als für sie. Gibt es da was?
Antwort 63:
Wichtige
Botschaft
Nasrin Siege: "Wenn der Löwe brüllt"
Von Anne
Spitzner
Wenn der Löwe brüllt, haben die Kinder
Hunger. Doch anders als die meisten Kinder hierzulande haben Bilali und
Emanuel, die beiden Hauptfiguren dieses Buches, kein Essen, um den Löwen
zufriedenzustellen – Emanuel und Bilali sind Straßenkinder in einer
namenlosen afrikanischen Stadt. Wenn für sie der Löwe brüllt, müssen sie
betteln gehen oder hart arbeiten, und dabei begegnen ihnen nicht nur
freundliche Menschen, sondern in der überwiegenden Mehrheit
unfreundliche Zeitgenossen und sogar Diebe, die ihnen ihr hart
verdientes Geld gleich wieder wegnehmen.
Dass diese Geschichte nicht nur traurig
ist, verdankt sie dem unerschütterlichen Optimismus ihrer beiden
Protagonisten, die sich weder vom Hunger noch vom Elend unterkriegen
lassen, sondern unbeirrt weiter von einem besseren Morgen träumen. Aber
den größeren Verdienst an der trotz der traurigen Umstände vorhandenen
Fröhlichkeit der Geschichte haben eindeutig die bunten Bilder von
Barbara Nascimbeni, auf denen es so viel zu entdecken gibt, dass man
schon mal vergessen kann, dass man eigentlich gerade zwei hungrigen
Kindern durch die Straßen folgt.
„Wenn der Löwe brüllt“ ist eine schöne
Möglichkeit, den hiesigen, mehr oder weniger verwöhnten, im Vergleich
mit Bilali und Emanuel jedoch recht glücklichen Kindern klarzumachen,
dass es andere auf dieser Welt gibt, denen es nicht so gut geht wie
ihnen.
Und trotz dieser wichtigen Botschaft sind
Emanuel und Bilali keine kleinen Moralapostel mit erhobenem Zeigefinger,
sie sind und bleiben Kinder, die lachen, spielen und herumtollen –
Kinder, deren ständiger Begleiter ein Löwe namens Hunger ist.
Ich habe im Buchladen das Bilderbuch "Komm
essen, Pfannkuchen!" gesehen und bin kritisch.
Was ist Ihre Meinung zu dem Buch ?
Antwort 62:
Witzig für Kinder?
Kai Pannen: "Komm essen, Pfannkuchen!"
Von Iris Kersten
Herr Tapsig bereitet sich einen leckeren
Pfannkuchen, der ihm beim schwungvollen Wenden aus der Pfanne durch das
offene Fenster davon fliegt. (Der Pfannkuchen hat eine Abneigung gegen
Ahornsirup.)
Über 18 Seiten fliegt der Pfannkuchen nun,
verfolgt von denjenigen, denen der Duft desselben in die Nase gestiegen
ist, um zu guter Letzt, müde wie er ist, auf dem Teller eines
glücklichen Mädchens zu landen. Dort lässt sich der Pfannkuchen willig
mit den leckeren Sachen der Verfolger belegen und verspeisen. Selbst
Herrn Tapsigs Ahornsirup lässt ihn nicht mehr zurückschrecken.
Auf jeder Seite wiederholt sich ein
Holdrio-Reim, und Kinder lieben Wiederholungen. Das ist eine nette Idee.
Aber darüber hinaus?
Laut Verlag handelt es sich um „eine
witzige Neuerzählung des alten Volksmärchens Vom dicken fetten
Pfannkuchen“ für Kinder ab 5 Jahren.
Witzig soll es sein. Die karikaturhaften
Zeichnungen sind es vielleicht – man muss eben Karikaturen mögen – aber
der Text bringt einen eher zum Weinen als zum Lachen, denn es entsteht keine zusammenhängende Geschichte. Was die
Buchseiten
miteinander verbindet, sind die Bilder des Pfannkuchen und der Personen,
die hinter ihm herjagen. Doch auch die einzelnen Bilder lassen Zweifel
aufkommen. Denn ob ein Fünfjähriger versteht, warum
es witzig ist, wenn ein General auf gestapelten Bananenkisten für sein
Standbild probt? Das dürfte fraglich sein. Und auch die Bilderfolge hat
etwas für ein Kinderbuch Willkürliches: Jedes Bild wird für sich beschrieben,
und jedes könnte in der Reihenfolge das erste sein.
Die Idee, ein Pfannkuchenrezept an den
Schluss zu setzen, ist zwar originell, man kann dergleichen aber auch in
einem Kochbuch finden.
Kai
Pannen:
„Komm essen, Pfannkuchen“
Lappan Verlag 2009
32 S., Euro 9,95
ISBN 978-3830311416
Die Rezensentin lebt als Autorin und
Kinderbuchautorin in Brüssel. Sie leitet zudem Workshops für Kinder für
Kreatives Schreiben.