Sammy, der Hauskater,
verlässt die bequeme Welt der Zweibeiner und schließt sich den wilden
Katzen des Donnerclan an. Das Leben im Wald ist hart, denn es herrscht
Krieg zwischen den Clans. Für Sammy, der nun den Namen Feuerpfote trägt
und als Krieger ausgebildet wird, bedeutet jeder Tag ein Kampf um Leben
und Tod. Er wird von einigen Angehörigen des Clans als Außenseiter
betrachtet, doch Blaustern, die Anführerin des Donnerclans, vertraut
ihm.
„Warrior Cats“ ist
kraftvoll und packend geschrieben. Die Idee, die Geschichte in der Welt
der Katzen anzusiedeln. ist genial gelungen. Das Buch liest sich
fließend. Einige Mühe hatte ich jedoch mit den vielen Namen der Katzen
und den dazugehörigen Katzenclans. Die Namenliste und die Karte des
Katzenreviers am Anfang des Buches helfen, sich in dem Namendschungel
zurechtzufinden. Bei den kriegerischen „Warrior Cats“ handelt es sich
keinesfalls um liebe Schmusekatzen. Die blutigen Kämpfe zwischen
feindlichen Katzen, angreifenden Ratten oder das Töten von Mäusen ist
detailliert beschrieben und oft recht brutal.
Wer von den spannenden
Abenteuern im ersten Band der „Warrior Cats“ begeistert ist, wird auch
die nachfolgenden Bände der drei Autorinnen, die unter dem Synonym Erin
Hunter schreiben, verschlingen wollen.
(Ab 12)
Die Rezensentin ist Mitarbeiterin der Librikon-Redaktion.
Eine
Welt, von der nichts mehr geblieben ist
Von Anne Möller
Linde
von Keyserlingk:
„Sie nannten sie Wolfskinder“
Herder 2008
271 S., 14,95.-
ISBN 978-3-451-70859-6
„Die Erwachsenen
hatten den Kindern die Welt zerschlagen“. Diese bittere Wahrheit mussten
acht Kinder erleben, acht Kinder, die allein auf der Flucht sind, acht
Kinder, die sich durch Zufälle auf ihrer Irrfahrt begegnen und sich zu
einer Art "Wolfsrudel" verbinden, um sich so, gemeinsam, durch die vom
Zweiten Weltkrieg zerstörte Welt zu schlagen.
Ambromow und Ismael
stammen aus Russland und wollen in den Westen; sie hoffen auf eine
bessere Welt, die dort auf sie wartet. Sie treffen die Zwillinge Aina
und Daina, die gemeinsam mit ihrer Ziege in der Welt umherziehen, seit
ihre Mutter sie zu ihrem eigenen Schutz zurückgelassen hatte. Bald
gesellt sich auch Ludka aus Polen hinzu, die viele Sprachen spricht und
dem ganzen "Rudel" hilft. Mit ihrem Wissen, das sie als Gehilfin einer
Kräuterfrau erworben hat, beginnt sie, eine wichtige Rolle unter den
Wolfskindern zu spielen. Jana, die durch ihre engelhafte Gestalt nicht
nur einmal zum Schutzengel des Rudels wird, ist die nächste, die zu den
Wolfskindern stößt. Sie und Ludka werden sehr gute Freunde. Nachdem auch
die Brüder Gylal und Aigyl, der von den Zwillingen jedoch nur liebherzig
Suaju genannt wird, dazu gestoßen sind, sind die Wolfskinder komplett
und begeben sich nun in Richtung Italien - ihr Traumland.
Ein beschwerlicher
Weg, und die Kinder müssen nicht nur mit der Kühlheit der Menschen
kämpfen, sondern auch in einer Welt, von der nichts mehr geblieben ist,
etwas, irgendetwas finden, um wenigstens ansatzweise überleben zu
können.
„Sie nannten sie Wolfskinder“ erzählt eine authentische
Geschichte von acht Kindern, die im Krieg verloren gegangen sind, doch
sich selbst nie verloren haben. Linde von Keyserlingk gelingt es, eine
hoffnungsvolle Geschichte in der traurigsten Zeit der Weltgeschichte zu
entwickeln und schafft es mit kurzen Augenblicksbeschreibungen dem Leser
ein Bild zu vermitteln, wie auf eine ganz andere Art und Weise immer
wieder die Welt der Kinder zusammenbricht - durch die grauenhaften
Fehler der Großen. Dabei vermittelt sie ein perfektes Abbild des
Menschenbilds dieser Zeit, in der man niemals weiß, wem man trauen kann
und wem nicht.
(Ab 12)
Prägendes
Anti-Kriegsbuch
Emily
Nasrallah:
"Kater Ziku lebt
gefährlich"
Aus dem Arabischen
übersetzt von Doris Kilias
Zürich: Atlantis
Kinderbuch 2004
128 S., Euro 12,90.-
CHF 23.-
ISBN: 978-3715204994
(librikon) Emily
Nasrallah hat mit „Kater Ziku lebt gefährlich“ ein bewegendes Buch
geschrieben, das vom Krieg im Libanon erzählt. Es legt eine
erschütternde, aber dennoch kindgerechte Handlung zugrunde, um sich den
Schrecken des Krieges anzunähern: Die Familie muss Beirut verlassen,
Kater Ziku (der der Ich-Erzähler ist) kann nicht mit, geht im
Bombenhagel unter - und das Mädchen, dem Ziku gehört, muss am Ende
verstehen, das sie ihren Ziku nie mehr in die Arme wird schließen
können. Das ist für die Leser (ab 10) bitter, und dieses dennoch sanfte,
literarisch anspruchsvolle Buch ist eines der prägendsten
Anti-Kriegsbücher für Kinder.
Ab 10
Grundlage für
eine ernsthafte Auseinandersetzung
Peter
Münch:
"Der Duft des
Lindenbaums. Ein Tagebuch aus Sarajewo"
Ravensburger
Buchverlag 2008
192 S., 12,95.-
ISBN: 978-3473352838
(librikon) Der
Journalist Peter Münch hat über den Krieg im ehemaligen Jugoslawien
berichtet und stieß dabei auf das Tagebuch eines zwölfjährigen Mädchens.
Es ist in dem Buch „Der Duft des Lindenbaums. Ein Tagebuch auf Sarajewo“
abgedruckt, und Münch hat darum eine fiktive Rahmenhandlung gesetzt. Das
ist ein gelungener Zusatz zu dem Tagebuch, um das Drama dieses Kindes,
das zwei Tage nach seiner letzten Eintragung beim Spielen durch eine
Granate getötet wird. So wird das Tagebuch ein Dokument mitten aus dem
Alptraum Krieg, das bei Heranwachsenden (ab 13) Spuren hinterlassen
wird; Wut, Hilflosigkeit und Traurigkeit werden sie erfassen. Den
Gesprächen mit Jugendlichen darüber, was Krieg bedeutet, wird durch die
Kenntnis von „Der Duft des Lindenbaums“ eine andere, persönliche
Dimension hinzugefügt - die Grundlage für eine ernsthafte
Auseinandersetzung.