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Familienlesestoff

Xavier-Laurent Petit: "Nicht ganz der Papa"

Von Anne Spitzner

 

 

Yann geht mit seinem Onkel Jean einkaufen. Dabei geschieht etwas, was den Kleinen völlig durcheinanderbringt: Der italienische Gemüsehändler hält ihn für Onkel Jeans Sohn, weil er ihm so ähnlich sieht. Den restlichen Tag verbringt Yann in größtmöglicher Unsicherheit: Ist er womöglich tatsächlich der Sohn von Onkel Jean und nicht der des Mannes, den er bisher für seinen Vater gehalten hat? Denn schließlich sind sowohl seine Mutter als auch sein Vater und sein kleiner Bruder dunkelhaarig, nur er ist blond – und er hat noch nicht einmal das Grübchen am Kinn, das sein Vater und sein Bruder haben! Weil er so neben der Spur ist, misst seine Mutter Fieber und stellt fest, dass er erhöhte Temperatur hat. Yann bleibt am nächsten Morgen aber keineswegs im Bett liegen, wie seine Mutter es ihm aufgetragen hat, bis seine Oma kommt, um auf ihn aufzupassen. Er macht sich auf den Weg in die Stadt, denn er hat eine ganz bestimmte Idee, wie er dafür sorgen kann, dass es mehr Ähnlichkeit zwischen ihm und seinen Eltern gibt…

Xavier-Laurent Petits Büchlein „Nicht ganz der Papa“ spielt an zwei ganzen Tagen, und trotzdem hat man das Gefühl, ein ganzes Leben erlebt zu haben. Einziges kleines Manko ist die Diskrepanz zwischen der natürlicherweise kindlichen Sprache des kleinen Ich-Erzählers und leichten Anflügen von Wohlformuliertheit, die ganz und gar nicht nach Kind klingt.

Yanns Gefühle jedoch, seine Verzweiflung und Beunruhigung sind nachvollziehbar (viele Kinder haben wohl schon einmal so gedacht), seine Idee verrückt, aber aus seiner Perspektive durchaus logisch. Sein (aus außenstehender Perspektive zugegebenermaßen amüsanter) Albtraum von einem Kaufhaus, in dem sich Eltern Kinder wie Waren aussuchen, auf die man Rabatt bekommen kann, wenn man ein zweites dazu nimmt, auf die es Garantie gibt und die an der Kasse gewogen und abgepackt werden, lässt den Leser grinsen und gruseln zugleich. Wie Yann das Problem schließlich zu lösen versucht, lässt den Erwachsenen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen (und Kinder vielleicht auf den einen oder anderen dummen Gedanken kommen).

Yanns Eltern reagieren auf ihren veränderten Sohn übrigens ganz genau so, wie sich der Leser bei der Lektüre fühlt: Man liest „Nicht ganz der Papa“ mit einem lachenden und einem weinenden Auge, und man kann anschließend Familienähnlichkeiten suchen oder einfach zufrieden sein, eine schöne Geschichte gelesen zu haben. Ganz klar: Familienlesestoff mit Augenzwinkern! 

 

 

Xavier-Laurent Petit:

„Nicht ganz der Papa"

Annette Betz Verlag 2013

8 Seiten, 8,95 Euro

ISBN 978-3764150044

 

 

 

 

 

 

 

Hoch

 

 

 

Einfühlsame Schilderung

Andrea Tillmanns: „Lena lernt zaubern“

Von Carolin Kotsch

 

Lena ist mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Michael in ein neues Haus gezogen. Michael kann sich schnell eingewöhnen und trifft sich bald mit seinen neuen Freunden. Lena hat es da schwerer. Sie hat noch keine neuen Freunde gefunden, es sind gerade Ferien und es ist mitten im Winter. Da kann es einem zehnjährigen Mädchen schnell langweilig werden, vor allem, wenn es den Garten nicht betreten darf, weil ihre übervorsichtige Mutter ein Gerücht von einem Brunnen gehört hat. Der soll sich irgendwo auf dem Grundstück befinden und man kann ihn wegen des vielen Schnees nicht sehen. Doch plötzlich begegnet Lena einer geheimnisvollen Katze, mit deren Hilfe sie den großen Garten und besonders den Brunnen auf eine ganz besondere Weise kennenlernt. Sie findet ein altes Buch, ihren Herzensbaum und eine Lösung für ein schwerwiegendes Problem und lernt nebenbei auch noch ein paar nützliche und weniger nützliche Zaubertricks.

Andrea Tillmanns gelingt es mit einem sehr anschaulichen und ausführlichen, aber nie vorwegnehmenden Schreibstil, den jungen Leser in den Bann zu ziehen. Sie entfaltet eine sehr reichhaltige und spannende Geschichte mit vielen kleinen Überraschungen. Der Leser fühlt mit der jungen Protagonistin und kann ihre Reaktionen gut nachvollziehen. Lena scheint gerade an dem Übergang zwischen Unbeschwertheit und dem Leben voller Probleme zu stehen, was gar nicht so leicht zu bewältigen ist. Dabei gibt es eine Menge Geheimnisse für sich zu behalten. Die kindlichen, manchmal recht trotzigen Gedankengänge worden von der Autorin gut erfasst und umgesetzt, zeitweise spürt man hier vielleicht ein wenig zu sehr die Sicht des Erwachsenen. Besonders gelungen sind die von Tillmanns eingesetzten Metaphern und Neologismen, allen voran die liebevolle Bezeichnung „Herzensbaum“. Hervorzuheben ist auch die einfühlsame Schilderung der Beziehung zwischen Mutter und Kind, aber auch der von Bruder und Schwester.

Das Buch wird für Kinder ab 7 Jahren empfohlen, eignet sich aber auch für jüngere Kinder und als Vorlesebuch, wobei auch durchaus bei dem Vorlesenden Erinnerungen an die eigene Kindheit, mit längst vergangenen Abenteuern, wachgerufen werden.

(Ab 7)

 

Andrea Tillmanns:

„Lena lernt zaubern“

Iatros Verlag 2012

84 Seiten, 9 Euro

ISBN 978-3869630090

 

 

 

 

 

 

Hoch

 

 

 

Kindlichkeit und Wertschätzung der kleinen Dinge

Lisa Seltmann: Krondicks Geheimnis

Von Carolin Kotsch

 

Trypsal ist ein kleines Dorf, dem alle Farbe und Freude verloren gegangen ist. Die Bewohner Trypsals sind ständig in Eile und haben keinen Sinn mehr für das Schöne im Leben. Daran sind nicht zuletzt die griesgrämigen Bürgermeister, die Barlo-Brüder, schuld. Nur zwei Einwohner fallen in dem grauen Einerlei auf: Marie und ihre Großmutter Frida Lupidou. Marie hat nämlich sehr rosige Wangen und steckt voller Fantasie. Frida, die eigentlich gar nicht Maries richtige Großmutter ist, trägt immer die schönsten und buntesten Stoffe und jeden Tag einen anderen gewagten Hut. Marie hat noch eine besondere Eigenschaft. Sie summt ständig eine liebliche Melodie, von der niemand weiß, woher sie stammt. Außerdem hat sie einen ganz besonderen Freund, den Baum Krondick. Dieser große Baum hat ein Geheimnis, dass nur Marie kennt. Da dieses Geheimnis, ein geheimnisvoller Schatz, aber eine Last für den alten Baum ist, muss sich Marie zusammen mit ihrer Großmutter Frida etwas überlegen, um die Dorfbewohner darauf aufmerksam zu machen. Doch die eigensinnigen und habsüchtigen Bürgermeister hören auch von dem Rätsel um Schatz, sodass die Dorfbewohner eine List anwenden müssen, um die Bürgermeister abzulenken. Dann können sie endlich versuchen, das Rätsel gemeinsam zu lösen und den Baum von seiner Last zu befreien.

Lisa Seltmann gelingt es mit ihrer in übersichtliche Kapitel unterteilte Geschichte, eine detailreiche kleine Welt zu erschaffen, die voller Fantasie steckt. Sie zeichnet genaue und sehr liebevolle Portraits des Dorfes und der auftretenden Personen, sodass der Leser sie förmlich vor Augen hat. Da ist zum Beispiel der alte Mann, der hoffnungslos in Frida verliebt, obwohl er immer noch mit seiner verstorbenen Frau spricht. Auch Frida selbst wird in allen Facetten ihrer Persönlichkeit dargestellt und man bekommt schnell das Gefühl, sie schon lange zu kennen. Viele Personen bekommen sprechende Namen wie der riesige Metzger, der von allen nur der Berg genannt wird. Und auch scheinbare Nebenfiguren finden durch eine schöne Beschreibung Beachtung. Trotz, oder gerade wegen der Detailfülle, lässt Lisa Seltmann dem Leser noch genügend Freiräume, um die Geschichte in alle Richtungen weiter zu denken. Eine weitere Stärke ist die „Krondicks Geheimnis“ innewohnende Moral, die für die Kindlichkeit und Wertschätzung der kleinen Dinge plädiert und auch so manchen Erwachsenen zum Nachdenken bringen kann. Diese Moral wird jedoch nie vordergründig.

Untermalt wird die Geschichte  durch ebenso gefühlvoll gezeichnete Graphiken, die der Fantasie jedoch nur einen Anstoß liefern und nichts vorweg nehmen.

Geeignet ist die Geschichte sowohl für Jungen und Mädchen in der Grundschule als auch zum Vorlesen für jüngere Kindern, wobei auch der Vorlesende Gefallen daran finden wird.

 

Lisa Seltmann

"Krondicks Geheimnis"

Tb., 146 S.

Periplaneta Verlag, EUR 12,00

ISBN 978-3940767875

 

 

 

Hoch

 

 

Vom Chamäleonisieren

Stefanie Taschinski: „Die kleine Dame“ mit Illustrationen von Nina Dullek

Von Iris Kersten

 

Lilly ist acht Jahre als sie mit ihrer Familie (Vater, Mutter und kleiner Schwester Karlchen) in das Brezelhaus einzieht. Eigentlich interessiert sie sich gar nicht für den Hinterhof, der für Kinder zu betreten verboten ist. Doch an ihrem Glückstag, an dem sie einen Fotoapparat gewonnen hat, für den sich aber niemand aus der Familie interessiert, beschließt sie, sich in eben diesem Hinterhof zu verstecken. Dort stellt sie dann fest, dass der Hof viel größer ist als sie gedacht hatte: Verborgen hinter einer Hecke liegt eine Blumenwiese. Und genau dort wohnt die kleine Dame in einem Gartenzelt. Die kleine Dame ist sogar noch kleiner als Lilly. Sie trägt einen Tropenhelm, spricht Vorwärtzisch und Rückwärtzisch und besitzt einen Regenschirm, in dem ein tausendjähriges Chamäleon wohnt. Wenn der Regenschirm aufgespannt ist, ermöglicht er kleinen Dame ebenfalls zu „chamäleonisieren“ (ihre Farben der Gegend anzupassen) und sich so unsichtbar zu machen. Auch interessiert sie sich sehr für Lillys Kamera. Das Mädchen und die kleine Dame werden Freunde. Auf ihrer gemeinsamen „Salafari“ (Erkundung des Gartens) entdecken sie das Geheimnis des Brezelhauses. Dabei müssen sie stets auf der Hut sein vor dem Hausmeister, der weder Tiere noch Kinder mag und daher mit allen Mitteln versucht, diese aus dem Hinterhof zu vertreiben.

Stefanie Taschinski schreibt sehr bildhaft und es ist die reinste Freude, die Abenteuer von Lilly und der kleinen Dame zu lesen. Die Kapitel enden allerdings immer so spannend, dass es nicht unbedingt als Bettlektüre zu empfehlen ist. Denn es ist bestimmt nicht einfach dieses märchenhaft schöne Buch zur Seite zu legen, um in Ruhe schlafen gehen zu können.

Ein literarisch wertvolles und spannendes (Vor)Lesevergnügen mit farbenfrohen und liebevoll gestalteten Illustrationen für Kinder ab 6 Jahren.

 

Stefanie Taschinski und Nina Dullek (Illustratorin): „Die kleine Dame“

Arena Verlag 2010

153 Seiten, 12, 95 Euro

ISBN: 978-3401064819

 

 

 

 

 

Hoch

 

 

Das Nilpferd im Porzellanladen

Guy Helminger, Manuela Olten: „Eine Tasse für Nofretete Nilpferd“

Von Iris Kersten

 

Guy Helminger, Manuela Olten: „Eine Tasse für Nofretete Nilpferd“

Berlin Verlag 2010

40 Seiten, 13,90 Euro

ISBN 978-3827053534

 

 

 

 

 

Nofretete ist eine 4000 Kilo schwere, gemütliche, aber todschicke Nilpferddame, die sich sowohl beim Aufstehen als auch beim Baden Zeit nimmt. Sie isst wie ein Flusspferd (278 Eiskugeln, serviert in einem Elefantenhörnchen von Tibor Tintenfisch, sind ein Klacks, 40 Reibekuchen verspeist sie ohne zu kauen), liest gerne Zeitung und braucht morgens ihre neun Liter Multivitaminsaft. Gesellschaft leistet ihr dabei ein Wecker, der ihr Treiben kommentiert und nicht wirklich immer mit Nofretetes Tun einverstanden ist.

Da sie nicht allzu ordentlich ist, kann sie eines Morgens ihre Tasse nicht mehr finden und muss nun ihren Saft aus einem Eimer trinken. Folglich macht sie sich auf den Weg zu Herbert Henkel, dem Ladenbesitzer von „Tassen aller Art“.

Auf ihrem Weg dorthin wird sie stets von ihren Mitmenschen und -tieren wegen ihrer massigen Körperfülle kritisiert. Dennoch lässt Nofretete sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie bleibt freundlich, hat für alles eine Erklärung  und versucht es dabei allen recht zu machen. Aber das ist gar nicht so einfach, denn: Geht sie auf dem Bürgersteig, behindert sie die Fußgänger, geht sie auf der Straße, stauen sich die Autos hinter ihr. Trotz allem verliert sie nie den Blick für das Schöne, wie zum Beispiel die musizierenden Faultiere oder das Bilder-spuckende Lama.

Im Porzellanladen, dann, kommt es zum Desaster. Sie reißt den Türrahmen aus den Angeln (er bleibt einfach an ihr hängen) und haut sämtliche Regale und Tassen um. Um das Nilpferd endlich loszuwerden, schenkt Herbert Henkel ihr ihre Herzenswunsch-Tasse: eine kleine Tasse aus dem Regal hinter der Theke.

Gerührt von der Großzügigkeit des Verkäufers bekommt Nofretete gar nicht mit, dass dieser kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht. „Werden Sie heute ein Glück haben, bei so viel Scherben!“ Vorsichtig nimmt sie ihre Tasse in Empfang und geht froh gesinnt nach Hause. Es ist einfach herrlich mit anzusehen, dass, wie groß der Schaden auch sei, Nofretete immer das Positive im Leben sieht.

Der Wecker, unterdessen, erwartet schon seit langem Nofretetes Rückkehr. Diese schenkt sich nun ihren Saft in die neue kleine Tasse ein und erzählt von ihren Erlebnissen, während sie die kleinen Schlucke genießt, „als habe sie noch nie in ihrem Leben Saft getrunken“.

Guy Helminger schreibt diesen fantasievollen Text, gespickt mit reichlich Dialog, in einer bunten und lebhaften Sprache, die sofort Lust macht, in die Geschichte einzusteigen.

Die liebevollen Farbillustration von Manuela Olten runden des Autors Erzählung ab – nur so können wir sehen, wie elegant die Nilpferddame wirklich ist. Außerdem sind die Bilder sehr detailliert, so dass bei jedem Betrachten wieder etwas neues zu entdecken sein wird. Vor allem gefällt mir der Wecker mit Gesicht und seinen menschlichen Eigenschaften (erinnert ein wenig an Pimpa und seine Freunde, ein Comic des italienischen Zeichners Francesco Tullio Altan). Letztendlich ist der Wecker wohl als Nofretetes Gewissen anzusehen, doch wer will sich schon von einem Wecker etwas vorschreiben lassen?

Ein Vorlesevergnügen für Eltern und Kinder ab 4 Jahren

 

Hoch

 

 

Amüsante Igelgeschichten

Andrej Usatschow: „Es lebte einmal eine Igelfamilie“

Vorlesegeschichten

Von Brigitte Bjarnason, Hafnarfjördur

 

Andrej Usatschow:

"Es lebte einmal eine Igelfamilie in einem nicht besonders dunklen Wald", aus dem Russischen von Simone Peil. Mit Illustrationen von Sonia Bougaeva

Herder 2008

76 S., 14,95

ISBN: 978-3-451-70851-0

Ab 3

 

Der Igeljunge Joscha lebt mit seinen Eltern, seiner frechen kleinen Schwester und anderen Tieren in einem nicht besonders dunklen Wald. Joscha ist nicht dumm. Da Igel nicht schwimmen können, nimmt er Schwimmunterricht bei einem Frosch, geht mit einer Angel zum Nüssepflücken und besorgt sich bei den Eichhörnchen Kiefernkaugummi zum Bäumeklettern! Immer wieder überrascht Andrej Usatschow in seinen Geschichten mit lustigen Pointen und lässt den Leser des Dichters Freude am Fabulieren spüren. Und auch an der Tradition der Fabeln: Menschliche Verhaltensweisen spiegeln sich -hier allerdings auf humorvolle Art- in den Charakteren der Waldbewohner wieder. Die Übersetzerin Simone Peil hat den Text des in Russland sehr bekannten Kinderbuchautors in eine kindgerechte Sprache übersetzt. Dazu Sonja Bougaevas Illustrationen: Sie sind phantasievoll und einfallsreich. Allein das farbenfrohe Cover weckt schon das Interesse an dem Buch.

Der Igeljunge Joscha erinnert ein wenig an die Romanfigur von Michel aus Lönneberga von Astrid Lindgren. Und so ist sind auch die Igelschichten, frech und unterhaltsam, ein Vorlesevergnügen für Eltern und Kinder.

 

Hoch

 

 

Ein buntes, ansprechendes Vorlesebuch

Ursel Scheffler: „Alle Geschichten von der Maus für die Katz“

Von Brigitte Bjarnason, Hafnarfjördur

 

Ursel Scheffler

"Alle Geschichten von der Maus für die Katz"

Herder Verlag 2008

172 S., 12,95

ISBN 978-3-451-70904-3

Ab 3

 

 

In dieser Sonderausgabe, die zwei Bände in einem enthält, gelingt es der kleinen listigen Maus, ihr Leben durch Geschichtenerzählen zu retten. Im ersten Teil schläft die Katze nach der letzten Geschichte tief und fest, und die Maus kann in ihr Mauseloch verschwinden. Im zweiten Teil wird klar, dass die Katze inzwischen süchtig nach Geschichten ist. Die dreiste Maus kann ihr sogar kleine Geschenke entlocken, und am Ende werden sie Freunde. Nach einer cleveren Einführung der beiden Hauptfiguren folgt eine Geschichte nach der anderen. Die Themen sind vielfältig: Im ersten Teil überwiegen Tiergeschichten, im zweiten Teil originelle Märchen von Königen, Prinzessinnen, Räubern und Gespenstern. Den Übergang zu den Geschichten bildet jeweils ein kurzes anregendes Gespräch zwischen Katz und Maus, welches dem Buch einen stabilen Rahmen verschafft und die Spannung auf die nächste Geschichte erhöht.

Die Titel der Geschichten wecken Interesse, der Stil ist klar und verständlich. Die Erzählungen sind unterschiedlich lang. Im ersten Band sind eher kurze Geschichten zu finden, die manchmal etwas abgebrochen wirken. Trotz der phantasievollen Themenpalette mangelt es stellenweise an Witz und Leichtigkeit. Die Illustrationen von Barbara Mossmann und Wolf Mond geben dem Buch einen fröhlichen Charakter und versuchen dieses Defizit auszugleichen. Ein paar großformatige Bilder in der Art des Covers wären dabei noch besser gewesen.

Die Geschichten von der Maus für die Katz ist ein ansprechendes Vorlesebuch mit vielen bunten Geschichten.

 

Die Rezensentin gehört als Kritikerin und Island-Korrespondentin der Librikon-Redaktion an.

 

 

Hoch

 

 

 

 

   
 

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